Schüleraustausch ändert den Blickwinkel und gibt Selbstvertrauen

Saskia Vahrenkamp berichtete ihren interessierten Mitschülern von ihrem sechsmonatigen Aufenthalt in dem englischen Seebad Torquay, den sie als die schönste Zeit in ihrem Leben bezeichnet. (Foto: Susanna Veenhuis)
Sehnde: Kooperative Gesamtschule Sehnde |

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - KGS-Schülerin Saskia Vahlenkamp war ein halbes Jahr auf Schüleraustausch in Torquay

SEHNDE (sv). Ihr Schulunterricht begann erst um 9, jede Unterrichtsstunde dauerte 60 Minuten, und sie trug eine Schuluniform: Für ein halbes Jahr nahm Saskia Vahlenkamp von der Kooperativen Gesamtschule Sehnde (KGS) an einem Schüleraustausch teil. Die sechs Monate in Torquay, einem bekannten Seebad an der englischen Südküste. Ihren Mitschülern hatte die Zwölftklässlerin daher Interessantes zu berichten. Die lauschten höchst aufmerksam, zumal 30 von ihnen aus den neunten und zehnten Klassen des Gymnasial- und Realschulzweigs der KGS Ende März ebenfalls einen Schüleraustausch in Canterbury antreten werden, und nutzten die Gelegenheit, Fragen zu klären.
Von 9 bis 15.30 Uhr dauerte ein Schultag, berichtete Saskia. Nicht nur der spätere Beginn, sondern auch der vorgeschrieben Dresscode sorgten für einen guten Start in den britischen Schul-Alltag: „Man muss dort eine Schuluniform tragen, das entspannt sehr, denn die morgendliche Kleiderfrage fällt weg“, erklärte sie. Und: „Der Top Button, der oberste Knopf, muss stets geschlossen sein!“
Trotz der strengen Kleiderordnung gestaltete sich der Start im fremden Land ebenfalls entspannt. Sie sei sehr freundlich aufgenommen worden von den anderen Schülern, zudem gab es eine Tutorengruppe und sie habe eine eigene Betreuerin gehabt, die sie in die Sitten und Gebräuche an der Schule eingeweiht habe und für jede Frage kompetente Ansprechpartnerin gewesen sei.
Neu war für sie, dass nicht die Lehrer zum Unterrichten die Klassenräume wechseln, sondern die Schüler pendeln. Sie suchen zur jeweiligen Unterrichtsstunde den Lehrer in seinem Fachraum auf, wo das benötigte Material für den bevorstehenden Unterricht schon bereit lag. Nach dem Unterricht seien die Lehrer noch etwa eine Stunde lang ansprechbar gewesen, um den Stoff erforderlichenfalls noch einmal durchzugehen.
In der englischen Schule sei es viel strenger als in Deutschland zugegangen, sagte Saskia. Es habe dort wesentlich mehr Kontrolle geherrscht; sogar einen Timer für den Toilettengang gab es, und man musste jedesmal eine Unterschrift leisten.
Ihre Gasteltern waren sehr freundlich und hatten schon oft Schüler aus anderen Ländern zu Gast. Zeitgleich habe sie einen asiatischen Gastbruder gehabt, der allerdings außerhalb der Schulzeiten nur mit seinem Computer beschäftigt gewesen sei. Sie selber habe nach dem Unterricht und am Wochenende die Zeit genutzt, um Land und Leute kennen zu lernen. So kompensierten ihre britischen Mitschüler den Uniformzwang am Nachmittag durch umso knappere Bekleidung und viel Schmuck.
An Kosten seien etwa 5.000 Euro für das halbe Jahr aufzubringen gewesen, die elfte Klasse habe sie wiederholt, berichtete Saskia. Aber das sei es wert gewesen, denn neben der Verbesserung der Sprachkenntnisse und dem Kennenlernen einer anderen Kultur stärke ein Auslandsaufenthalt sowohl das Selbstvertrauen als auch die Selbstständigkeit. „Das war eine unvergessliche Zeit, ich denke immer noch jeden Tag gern daran zurück!“