Rotmilan durch Windrad bei Klein Lobke erschlagen

Dieser unter einem Windrad tot aufgefundenen Rote Milan ist auch ein Anlass dafür, dass der NABU beim Bau von Winkraftanlagern die Einhaltung des Mindestabstands von 1.000 Metern zu Brutplätzen dieser Greifvögel fordert. (Foto: NABU Hannover-Sehnde)

NABU fordert Einhaltung der gesetzlichen Abstände

KLEIN LOBKE (r/hhs). Bei Klein Lobke wurde jetzt unter einer Windkraftanlage (WEA) ein erschlagener Rotmilan gefunden. Diese Greifvogelart verunglückt an den Windrädern relativ oft, WEA sind mit etwa 35% Anteil eine wesentliche Verlustursache. Mit dem neuen Fall liegt der erste Nachweis für das Gebiet der Stadt Sehnde vor.
Rotmilane jagen oft in Höhen von 40 bis 80 Metern und fliegen dann im Rotorbereich vieler Anlagen. Sie kollidieren direkt oder werden durch den Sog der Rotorblätter zu Boden oder an den Masten geschleudert. Die dokumentierten Todfunde unter den WEA sind nur ein Teil der tatsächlichen Verluste, da Füchse und Krähen die toten Tiere fressen, bevor ein Mensch dorthin gelangt. Trotzdem sind in der von der Staatlichen Vogelschutzwarte Brandenburg geführten deutschlandweiten „Schlagopferdatei“ bis 2014 für Deutschland 247 und für Niedersachsen 21 Nachweise getöteter Milane registriert. Seriöse Hochrechnungen gehen von jeweils 90.000 Vögeln und Fledermäusen aus, die im Bundesgebiet jährlich an den über 23.000 WEA getötet werden.
Der Rotmilan wird in Niedersachsen in der Roten Liste in Kategorie 2 (stark gefährdet) geführt. Sein landesweiter Bestand beträgt etwa 1.100 Paare und nimmt seit Jahren regional ab. Neben der Verschlechterung der Lebensräume durch Intensivierung der Landnutzung wirken sich auch illegale Verfolgung sowie besonders Anflüge an WEA negativ auf den Bestand aus.
Deutschland hat für die Arterhaltung dieses schönen Greifvogels eine besondere Verantwortung, denn hier brüten mehr als die Hälfte des Weltbestandes. Die Art ist deshalb im Fokus von Schutzbemühungen
Bei Planungen von neuen WEA sind die Betreiber wegen der Gefahren für den Rotmilan und andere Großvögel verpflichtet, Untersuchungen auf benachbarte Brutvorkommen durchzuführen und einen Abstand von mindestens 1.000 Meter zu Brutplätzen einzuhalten. Der Todfund in Klein Lobke ist auch ein Signal an den Rat und die Verwaltung von Sehnde, diese Abstandsempfehlungen beim geplanten Windpark auf dem Leierberg bei Dolgen gegenüber den Investoren durchzusetzen. Bisher sehen die Planungen und das vom Naturschutzbund Hannover-Sehnde stark kritisierte Gutachten lediglich einen Abstand von etwa 400 bis 500 Metern zum bekannten Brutplatz vor. Weitere erschlagene Rotmilane sind dann vorprogrammiert.