Regional Museum Sehnde präsentiert Mopeds aus der Wirtschaftswunderzeit

Gleich drei bekennende Quickly-Fans eröffneten die Sonderschau „Nicht mehr laufen, Quickly kaufen“ im Regionalmuseum Sehnde-Rethmar: Der SPD-Europaabgeordnete Bernd Lange (v.l.), Museumsleiter Erhard Niemann und Leihgeber Helmut Knuschke. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Wie jeder weiß, macht Rot schnell: Leihgeber Helmut Knuschkes Liebling ist die fixe rote Quickly TT, wobei das TT für „Tourist Trophy“ steht – die Quickly gewann zwei Mal diese berühmte Rallye. (Foto: Susanna Veenhuis)
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Ein Beitrag von Susanna Veenhus - „Nicht mehr laufen – Quickly kaufen!“ - Sonderschau in Rethmar

SEHNDE-RETHMAR (sv). Massenmotorisierung per Moped: Aus dem Straßenbild in den 50er- und 60er-Jahren waren die Mopeds der Marke NSU Quickly nicht wegzudenken. 1,5 Millionen Exemplare verkaufte das NSU-Werk in Neckarsulm insgesamt und leistete damit seinen Anteil am Wiederaufbau und Wirtschaftswunder in Deutschland.
In Zusammenarbeit mit dem Oldtimer-Restaurator und -Sammler Helmut Knuschke aus Nienburg präsentiert das Regional-Museum Sehnde (RMS) in einer Sonderschau jetzt zehn dieser Maschinen in seinem Ausstellungsraum auf dem Hofgut Rethmar.
Ohne Helm und Führerschein, aber schon mal bis zu 50 Stundenkilometer schnell flitzten damals die stolzen Moped-Fahrer an denen vorbei, die noch per Fahrrad zur Arbeit strampelten.
„Nicht mehr laufen, Quickly kaufen!“ lautete der Werbespruch des Herstellers NSU, der 1953 diese 30 Kilogramm leichte Mischung aus Fahrrad und Motorrad, kurz „Moped“ genannt, auf den Markt brachte. 100.000 Stück davon verkaufte das Unternehmen allein im ersten Jahr, wusste Bernd Lange zu berichten. Der Europaabgeordnete und Oldtimerfan aus Burgdorf ist selber Besitzer einer Quickly und ließ es sich nicht nehmen, zur Eröffnung der Ausstellung in Rethmar zu sprechen.
An die 500 Mark habe solch ein Moped damals gekostet, berichtete Lange. Das entsprach bei einem durchschnittlichen Stundenlohn von 1,80 D-Mark zwei Monatsgehältern. Das wären heute 263 Euro, sagte Lange. Tatsächlich gehen die Preise heutzutage für einen top gepflegten Oldtimer dieser Art bis in die Tausende. „Durch die Quickly leistete NSU einen wichtigen Beitrag zur Mobilisierung der Deutschen, es gilt, verbliebene Exemplare als Kulturgut zu erhalten und zu pflegen“, sagte der Europaabgeordnete.
Auch den Begriff „Moped“ gibt es nicht mehr, 2004 wurde er abgeschafft zugunsten von Bezeichnungen wie Mofas, Roller und Kleinkrafträder, was es wohl am besten trifft für die Quickly, wusste Helmut Knuschke. Der gelernte Kfz-Mechaniker und Berufsschullehrer warnte die Anwesenden, die sich dicht an dicht im Museum drängten, auf Grund eigener Erfahrung:„Wer eine Quickly kauft, hat selber schuld, da kommen bestimmt noch mehr dazu!“ 20 dieser Maschinchen nennt der Nienburger sein eigen, zehn davon präsentiert jetzt die Schau in Rethmar.
Knuschke war sieben, als die Quickly auf den Markt kam. Sieben Jahre später begann er seine Lehre und durfte nach einem Jahr auch an solchen Mopeds herumschrauben – klar besaß er selber auch mal eine. Zur Gesellenprüfung fuhr er schon im eigenen Auto vor – natürlich in einem NSU Prinz. Weil er aber erst 17 war und noch keinen Führerschein hatte, musste er sich noch einen Fahrer besorgen, erzählte er eine Anekdote aus seinem Leben.
Mit 40 besann er sich wieder auf seine alte Liebe - und restaurierte die erste Quickly, den Grundstein für seine Sammlung. Teile davon zeigte er bereits 2004 im Stadtmuseum Burgdorf, was mehr als 5.000 Besucher ins Museum brachte. Auf ähnliche Zahlen hofft RSM-Leiter Erhard Niemann für die 14. Sonderausstellung. Seine Frau habe ihn auf diese Idee gebracht, erklärte Niemann, selber Fan und Besitzer einer hellgrauen „Quickly N“, die dort ebenfalls gezeigt wird.
Auch draußen bot sich ein kleines Feld von Oldtimern den Besuchern. So waren unter anderem einige Mitglieder des Lehrter Vereins „Oldiepension“ mit drei Nimbus-Motorrädern, einer 250er-BMW von 1954 und einem Original Mokuli-Transportmoped angereist.
Die Sonderschau ist jeden Sonn- und Feiertag jeweils von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet und wird bis zum 25. April gezeigt.