Ralf Neumann: Nach 46 Jahren im Beruf Zeit für Hobbies und Freunde

Vor dem Ruhestand: Ralf Neumann erledigt in seinem teilweise schon leergeräumten Dienstzimmer letzte Aufgaben. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Einstiger Finanzamts-Angestellter gilt als Urgestein in der Stadtverwaltung Sehnde

SEHNDE (hdb). Mehr Zeit für die Partnerschaft, für Freunde und Hobbies: Das wünscht sich Ralf Neumann schon seit vielen Jahren. Nun gehen für den 62-Jährigen diese Träume endlich in Erfüllung. Denn der Beamte genießt jetzt nach 46-jähriger Berufstätigkeit - davon fast 41 Jahre bei der Stadtverwaltung Sehnde - vorzeitig seinen verdienten Ruhestand.
Neumanns letzter Arbeitstag im zweiten Stock des Sehnder Rathauses liegt genau 24 Stunden zurück. Seine „Abschiedstournee“ durch die ihm als Fachbereichsleiter unterstellten fünf Abteilungen hatten schon Tage zuvor begonnen. Eine spektakuläre, öffentlichkeitswirksame Feier hat sich der 1953 im Landkreis Peine geborene Städtische Oberrat (seit 2012) verkniffen – ganz so, wie es seine eher zurückhaltende Art in seiner gesamten Beamtenlaufbahn war.
Die begann nach dem Realschulabschluss mit der Ausbildung zum Finanzbeamten, führte über eine dreijährige Tätigkeit beim Finanzamt Peine und zwei Jahren als Zeitsoldat bei der Bundeswehr vor exakt 40 Jahren und elf Monaten zur damaligen Gemeinde Sehnde. Nach weiterer Fortbildung und zusätzlichen Verwaltungsprüfungen wurde Neumann im August 1981 als damaliger Gemeindeinspektor zum Beamten auf Lebenszeit ernannt.
In der Gemeinde und späteren Stadt Sehnde wechselte er dreimal den Standort und sieben Mal sein Büro. Er verdiente sich Meriten in der Steuerabteilung, im Ratssekretariat, in der Gemeindekasse sowie in der Schul-, Kultur- und Umweltabteilung. 1993 übernahm Neumann die Funktion eines Amtsleiters, ehe ihm im Herbst 2004 – nach einer Umorganisation der Verwaltung – die Verantwortung für den Fachbereich Bürgerservice mit etwa 50 Angestellten übertragen wurde. Seitdem verantwortete er, weitestgehend geräuschlos, aber effektiv, eine breite Sachgebietspalette vom Bürgerbüro über das Wohngeld, die Sozialhilfe, Sport, Kultur und Schule bis zur Ordnung und der Feuerwehr.
Der Rat hatte dem verdienten Beamten per Beschluss die Möglichkeit eröffnet, vorzeitig in den Ruhestand zu wechseln (was das Beamtenrecht ab dem 60. Lebensjahr zulässt) – wenn auch mit finanziellen Abstrichen, wie Neumann klaglos einräumt. Dafür bleibt jetzt endlich Zeit für Hobbies wie Computer programmieren, Sprachkenntnisse auffrischen, Wandern, Kontakte knüpfen. „Ich habe mal versucht, einen freien Termin zum Treffen mit einem alten Kumpel zu finden, das hat in einem dreiviertel Jahr nicht geklappt“, beschreibt Neumann die Nachteile in seinem bisherigen Amt.
Rückblickend werden ihm ein einwöchiger Aufenthalt mit dem ehemaligen Gemeindedirektor Manfred Kotter in Kasachstan wegen einer möglichen Städtepartnerschaft mit der Hauptstadt dieser Republik vor etwa 25 Jahren, das verheerende Feuer in der Kooperativen Gesamtschule Anfang dieses Jahres und aktuell die Flüchtlingsproblematik in Erinnerung bleiben. Fehlen wird ihm nach eigenen Angaben die Gespräche mit den Menschen, „aber ganz bestimmt nicht der volle Terminkalender und das Glockenspiel am Rathaus“.
„Ralf Neumann ist nicht eins zu eins zu ersetzen“, lobt Sehndes 1. Stadtrat Rolf Steinhoff den Scheidenden in den höchsten Tönen. Einen Nachfolger wird es allerdings ohnehin nicht geben, weil – wie der Rat schon beschlossen hat, eine erneute Neustrukturierung der Verwaltung bevorsteht (darüber demnächst mehr im MARKTSPIEGEL).