Pilotprojekt setzt Strafgefangene in Sehnde beim Basketballspiel in Rollstühle

Im Rollstuhl sitzen und Basketball spielen: Diese neue Perspektive soll bei Insassen der JVA Sehnde die Sinne für Inklusion und Integration schärfen. (Foto: Horst-Dieter Brand)
Sehnde: Justizvollzugsanstalt |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Zweitägiger Workshop in der JVA Sehnde bietet ungewohnte Perspektive

SEHNDE (hdb). Blasen an den Händen, Muskelkater in den Armen und Schultern: Schmerzhafte Spuren hat ein zweitägiger Workshop bei zehn Strafgefangenen der Justizvollzugsanstalt (JVA) hinterlassen. Die Teilnehmer setzten sich bei einem Basketballturnier erstmalig in Rollstühle, um Sport aus der Sicht von Behinderten zu erleben.
Die Initiative für das Projekt war vom Verein für Integrative Medien-, Kommunikations- und Fortbildungsdienste ausgegangen. Den Kontakt zur Sehnder JVA hatte Renate Weidner maßgeblich geknüpft. Sie hatte sich auch darum gekümmert, dass neun gemietete, für den Sport besonders um- und ausgerüstete Rollstühle zur Verfügung standen.
VA-Sportlehrer Karsten Rehse hatte mit den externen Trainern Tarik Cajo und Tan Caglar aus der Profi-Bundesliga, die alltäglich auf einen Rollstuhle angewiesen sind, ein Konzept entwickelt, um das Verständnis zwischen Behinderten und Nichtbehinderten zu verbessern.
Kuriosität am Rande: Die einzigen beiden derzeit auf einen Rollstuhl angewiesenen Insassen der JVA nahmen an den zwei Übungs- und Wettkampfeinheiten nicht teil. So lief eher ins Leere, was ein Teilnehmer als seine Motivation erläuterte: „Wir wollen den Behinderten zeigen, dass sie nicht allein sind.“ Vollkommen ungewohnt sei zum Auftakt das Beherrschen des Sportgerätes gewesen.
Viele Versuche und vor allem Geduld habe es benötigt, um den Rollstuhl zu beschleunigen, abzubremsen oder sich um die eigene Achse zu drehen. Hilfreiche Übungen wie beispielsweise ein Slalomparcours hätten aber dann doch zum Ziel geführt.
„Es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich bin in den ersten beiden Trainingsstunden nicht einmal aufgestanden, um etwas zu trinken“, zeigte sich ein anderer Hobbysportler von der etwas anderen Art sportlicher Betätigung begeistert.
Und warum zogen sich die Basketballspieler für die ungewohnten Bewegungsabläufe und Handgriffe keine schützenden Handschuhe an? „Dann hat man kein Ballgefühl“, berichtete Trainer Cajo aus eigener Erfahrung. So nahm der eine oder andere eben lieber Blasen an den inneren Handflächen in Kauf.
Beim „normalen“ Sportbetrieb mit Fußball, Handball, Volleyball und Lauftraining können sich die Hände dann ja wieder regenerieren.