Orgel in Iltens Barockkirche stammt von Meister von Vater!

Als Sensation bezeichnen Experten den gelungenen Nachweis, dass Christian Vater im 18. Jahrhundert die Orgel gebaut hat. (Foto: Horst-Dieter Brand)
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Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Experten werden im Archiv fündig und sprechen von einer Sensation

ILTEN (hdb). Die Kirchengemeinde spricht von einer „herausragenden Besonderheit“, Fachleute sogar von einer Sensation: Die Orgel in Iltens Barockkirche stammt aus der Werkstatt von Baumeister Christan Vater – und nicht, wie bisher irrtümlich geglaubt, von dem unbedeutenderen Jonas Weigel mehr als 100 Jahre früher.
Akten aus dem Pfarrarchiv haben vor knapp vier Monaten den schlüssigen Nachweis erbracht. Lange und intensiv, aber vergeblich hatten die Experten in den noch vorhandenen Akten der Pfarrgemeinde Ilten und im Staatsarchiv nach Hinweisen gesucht.
Selbst ein Fachmann kam nach Untersuchungen und ersten Verdachtsmomenten 1972 in seiner Dissertation zu dem Schluss, das imposante Instrument könne keineswegs vom königlich-hannoverschen Hoforgelbaumeister Vater im Zuge des Neubaus des Kirchenschiffes um 1725 herum stammen.
Doch jüngst, im Rahmen der geplanten Restaurierung und geringen Spuren an alten Pfeifen der Orgel, blätterte der Sachverständige Axel Fischer nochmals in bisher unberührt gebliebenen Akten des Iltener Kirchenarchives – und wurde tatsächlich fündig.
Im August las er davon, wie sich ein Organist im Jahr 1741 darüber beklagte, dass „einige Flöten nicht anschlagen und Orgelbauer Vater“, der sie gemacht habe „herausgeholet“ werde, um diese zu reparieren.
„Wir wissen das Jahr immer noch nicht genau“, sagte Martin Kehlbeck, der die Kirchengemeinde bei der Aktion berät, aber nunmehr sei erwiesen, dass – „was gut klingt und lange hält“ – als „Gütesiegel“ verstanden werden könne und Ilten mit der Neuentdeckung einer seltenen Vater-Orgel künftig in der Champions-League spielen werde.
Wann das aber sein wird, steht noch in der Zukunft. Denn zwar hat die Kirchengemeinde bisher für die Renovierung des königlichen Instrumentes schon rund 40.000 Euro gesammelt. Die Reparatur und Restaurierung wird aber einen sechsstelligen Betrag verschlingen.
Die Ausschreibung läuft, und „der Beste, nicht unbedingt der Günstigste, soll es machen“, verriet Kehlbeck. Er rechnet mit weiteren Zuschüssen der Landeskirche und die Kirchengemeinde damit, dass die Vater-Orgel voraussichtlich erst in zwei Jahren in alter Pracht erklingen wird.