Orchester begeistert auch ohne Dirigenten und Noten für beliebten Radetzky-Marsch

Im TVE-Jugendorchester spielt Tamara Söchtig (rechts) die Soloflöte neben Vanessa Klöpper. (Foto: Horst-Dieter Brand)
 
Beim feurigen Csárdás leitet Miroslav Michnev das Hauptorchester, Verena Kaufmann spielt das technisch anspruchsvolle Klarinetten-Solo. (Foto: Horst-Dieter Brand)
Sehnde: Forum Kooperative Gesamtschule Sehnde |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Neujahrskonzert des TVE-Blasorchesters begeistert im Forum mehr als 600 Zuhörer

SEHNDE (hdb). Was tun, wenn der Dirigent zu spät kommt? Wie reagieren, wenn die Noten für den traditionellen Radetzky-Marsch fehlen – und das ausgerechnet bei einem Neujahrskonzert? Das Blasorchester des TV Eintracht Sehnde hat sich trotz dieser Pannen glänzend aus der Affäre gezogen und in zwei Konzerten mehr als 600 Besuchern zwei beschwingte Stunden beschert.
Die Musikerinnen und Musiker des Orchesters haben längst auf der Bühne im Forum der Kooperativen Gesamtschule Platz genommen. Aber von ihrem Dirigenten – laut Programmzettel ihr künstlerischer Leiter Miroslav Michnev – ist weit und breit nichts zu sehen. Ehe das erwartungsvolle Publikum unruhig wird, fangen die Blech- und Holzbläser einfach an und intonieren die aus einer früheren Fernsehshow bekannte Titelmelodie „Musik ist Trumpf“.
Das gelingt schwungvoll und präzise, der Orchesterleiter wird überhaupt nicht vermisst. Dann aber stürmt er doch herein und greift nach einem verzweifelten Blick zur Uhr nach dem Dirigentenstab.
Unter seiner Stabführung erklingen dann noch ein Csárdás von Vittorio Monti mit einem brillanten Klarinettensolo der angehenden Musiklehrerin Verena Kaufmann und – in Abänderung des Programms - als Hommage an den erst kürzlich verstorbenen Udo Jürgens ein Potpourri seiner beliebtesten Hits.
Später wird auch noch aus gleichem Anlass an den Rock- und Bluessänger Joe Cocker erinnert. Zum Abschluss vor der großen Kaffeepause kündigten dann die Moderatoren Christian Sander und Nina Graumüller den für ein Neujahrskonzert obligatorischen Radetzy-Marsch von Johann Strauß an, bei dem die Zuhörer so herrlich mitklatschen können.
Doch kaum hat das Blasorchester - diesmal geleitet von Verena Kaufmann - die ersten Takte geschmettert, gerät das musikalische Konzept aus den Fugen: Mehr als die Hälfte der Musikerinnen und Musiker hat schlichtweg die Noten vergessen. Nach mehreren Anläufen gibt Kaufmann ihre koordinierenden Bemühung auf, und die ebenso wie das Publikum bestens gelaunten Musikerinnen und Musiker unternehmen unter dem Titel „Marsch-Konfetti“ einen Parforceritt durch ein Arrangement von Xaver Lecheler – vom Bayerischen Defiliermarsch und Deutschmeister Regimentsmarsch über den „Jäger aus Kurpfalz“ und die „Holzhacker Buam“ bis zu klassischen Motiven aus Verdis Oper „Aida“ und Bizets „Carmen“. Der Jubel der Zuschauer fiel entsprechend enthusiastisch wie berechtigt aus.
Das Jugendorchester hatte den Nachmittag eröffnet. Der Nachwuchs unter Verena Kaufmann und Uwe Keunecke bewies bei anspruchsvollen Stücken wie „I will follow him“, Helene Fischers Hit „Atemlos“ und dem mexikanisch angehauchten „Sway“ seinen hohen Ausbildungsstand. Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke würdigte in kurzen Begrüßungsworten im Namen des Kulturvereins die Leistungen der annähernd 100 Musikerinnen und Musiker, die „den Namen der Stadt bis nach Norderney“ getragen hätten. Damit spielte Lehrke auf deren Gastspiel im Sommer an – und in diesem Sommer steht voraussichtlich ein Abstecher zur Kieler Woche an.