Neue Ausstellung in Rethmar zeigt "Zuckerfabriken aus der Region und um Sehnde"

Treffen auf großes Interesse: Die im Regionalmuseum Sehnde ausgestellten originalgetreuen Modelle von 14 einstigen Zuckerfabriken, darunter auch die in Sehnde und - angefangen - die in Lehrte. (Foto: RMS Sehnde)
Sehnde: Regional Museum Sehnde |

Insgesamt 14 Modelle sind im Regionalmuseum Sehnde zu besichtigen

SEHNDE/RETHMAR (r/kl). Wieder einmal gibt es zuckersüßes im Regionalmuseum Sehnde auf dem Gutshof in Rethmar, Gutsstraße 16, zu sehen. An jedem Sonntag ab 15.00 Uhr können die Besucher sich dort noch einmal in die Zeit der Zuckerherstellung im Raum Sehnde und Lehrte, aber auch darüber hinaus in andere Länder der Bundesrepublik zurückversetzen.
Zwar sind viele Fabriken inzwischen geschlossen, aber in der neuen Ausstellung wird vieles wieder lebendig. Rund 80 Besucher konnte der Vorsitzende des Vereins Regionalmuseum, Erhard Niemann, zur Eröffnung der auf Wunsch vieler Besucher aus dem Umland nach drei Jahren nochmals gezeigten Ausstellung begrüßen.
Hierhin hat Nils Kehrel dieses Mal 14 Modelle mitgebracht, darunter auch das angefangene der Lehrter Fabrik, das bereits in der Ausstellung 2013 nachgefragt worden war. Mit filigraner Modellbautechnik stellt er die historischen Anlagen dar und verbessert sie kontinuierlich, wenn er neue Unterlagen erhält – so wie an diesem Tag von Brigitte Thomas, die ihm ein Buch zur Fabrik in Schöppenstedt und Bilder zur Sehnder Raffinerie mitbrachte. Und dann wurde durch ihn die 16. Sonderausstellung des Regionalmuseums Sehnde zum Zucker in der Ostregion Hannovers offiziell eröffnet.
Als besonderen Gast stellte Niemann den Gästen Franz Hesse vor, der als Leiter des Agricenters von Nordzucker den Besuchern eingangs etwas über die Geschichte des Rübenzuckers, die 1750 begann, erzählte.
Dabei waren so bekannte Namen wie Andreas Sigismund Marggraf, erster beim Extrahieren von Rübenzucker, und Franz Carl Achard, der 1802 die erste Fabrik in Cunern/Schlesien erbaute und den Zuckergehalt der Rüben auf fünf Prozent steigerte.
1865 erreichte die Zuckerherstellung Nordstemmen und 1869 Clauen; 1876 kam Sehnde hinzu. Zunächst warf die Erzeugung große Gewinne ab, später aber kam es zu zahlreichen Fusionen, weil die Erträge einbrachen.
Einen neuen Boom gab es mit der Teilung nach dem II. Weltkrieg, als die Kapazitäten der Ostzone wegbrachen. Ende 1960 wurde dann die „Zuckermarkordnung“ eingeführt, die die Preise und Produktionsmengen bis 2016 festschrieben.
Nun fällt diese Marktregelung, aber die Nordzucker als Nachfolger der vielen Fabriken im Sehnder Raum sieht sich nach dem Worten von Hesse gut aufgestellt. Heute wachsen rund neun Rüben auf dem Quadratmeter, die Zuckermenge der einzelnen Runkel beträgt etwa 18 Prozent. Abschließend sprach Hesse eine Einladung an die Besucher aus, sich die Fabriken in Clauen oder Uelzen einmal selbst anzusehen.