Nach behobenem Wasserschaden öffnet die Bücherei Ilten wieder

Zwischen den Regalen, die am stärksten von dem Wasserschaden betroffen waren, präsentiert Peter Jungclaus das derzeit dezimierte Angebot. (Foto: Horst-Dieter Brand)
Sehnde: Ehemaliges Rathaus Ilten |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Peter Jungclaus beklagt den Verlust von zehn Prozent des Bestandes

ILTEN (hdb). In den mit den Buchstaben D bis J gekennzeichneten Regalen klaffen noch größere Lücken. Die übrigen Folgen eines von Handwerkern fahrlässig herbeigeführten Wasserschadens sind aber so weit behoben worden, dass die Iltener Bücherei am kommenden Montag wieder öffnen kann.
Sichtbarstes Zeichen des Malheurs, das sich am 18. Juni ereignet hatte, sind annähernd 600 Bücher, die noch auf dem Flur vor der Bibliothek gelagert sind. „Irgendwie müssen die weg“, weiß Büchereileiter Peter Jungclaus allerdings noch keine konkrete Lösung, wie „die matschigen Bücher“ entsorgt werden können. Auch die Versicherungsfrage nach der Havarie ist nach seinen Angaben noch nicht geklärt. Der Sachschaden beläuft sich nach seinen Schätzungen auf mehr als 8.000 Euro.
„Buchstabe E findet nicht statt“ schildert Jungclaus mit Galgenhumor die Lücke, die nach dem Vorfall im Bereich Belletristik und Kriminalromane entstanden ist. Damit die kommenden Besucher „davon nicht abgeschreckt werden, habe ich die Leere mit Einzelexemplaren geschickt ausgefüllt“, freut sich der ehrenamtliche Betreuer der Einrichtung über seinen kleinen Kunstgriff und darüber, dass zum Glück weiter entfernt platzierte Kinder- und Hörbücher nicht vom Wasserstrahl getroffen worden seien.
„Die Bücherei ist doch gerade auch in den Ferien wichtig für die Daheimgebliebenen“, gibt sich der rüstige Rentner Jungclaus zufrieden über die Wiedereröffnung am Montag, 3. August, in der Zeit von 16.00 bis 18.00 Uhr. Zur Auswahl bleiben auf den 63 Quadratmetern im alten Rathaus dann immer noch mehr als 4.400 Bücher - vor dem Schaden waren es exakt 5.132 - und 920 Hörbücher. Für das vergangene Jahr bilanzierte Jungclaus, seit 1997 für die Bücherei ehrenamtlich verantwortlich, 1.600 Buch- und 1.300 Hörbuchausleihen.
Der ehemalige Klischeesetzer und Lithograph, von Beruf wegen also schon mit Büchern engstens vertraut, hatte durch einen Alarmanruf von Ortsbürgermeisterin Gisela Neuse von dem Malheur erfahren. Er selbst hatte Anfang Juni auf ein defektes Heizungsventil hingewiesen. Als dieses dann am 18. Juni repariert werden sollte, versäumten es die Installateure offensichtlich, vorher das Wasser abzustellen.
Eine nicht eingeplante Fontäne setzte den vorderen Raum unter Wasser und bespritzte viele Bücherregale. „Ich musste jedes einzelne Buch in die Hand nehmen und kontrollieren“, schilderte Jungclaus die mühsamen Sanierungsarbeiten. Auch der klitschnasse Fußbodenbelag musste mittels großer Maschinen getrocknet werden.
Wenn die Bücherei, ursprünglich 1881 von Rudolf von Wahrendorff gegründet und ganz früher auch in der Volksschule untergebracht, am Montag wieder öffnet, gilt für Peter Jungclaus wieder die Devise: „Mit Speck fängt man Mäuse und mit Traubenzucker Leser“. Denn auf seinem kleinen Schreibtisch wartet auf die jungen Leseratten wie bisher wieder eine kleine Schale mit Süßigkeiten.