Martin Kind: Identifikation zwischen Hannover 96 und der Region intensivieren

Mit Humor und auch einer Prise Ironie beschrieb der Unternehmer, wie er den maroden Fußballverein aus der Krise lotste und zu einem standhaften Erstligisten machte. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Blumen für den Herren (von links): Ines Raulf von der Stadt Sehnde, Frank Jankowski-Zumbrink von der Energieversorgung Sehnde sowie Bürgermeister Carl-Jürgen Lehrke dankten Martin Kind für seine spannenden Ausführungen. (Foto: Susanna Veenhuis)

Von Susanna Veenhuis (aus technischen Gründen von Walter Klinger eingestellt): Hannover 96-Präsident berichtet beim Unternehmerfrühstück über den Fußball als Wirtschaftsbetrieb

SEHNDE/RETHMAR (sv). Hörgeräte sind sein ureigenes Standbein, Hannover 96 seine Passion: Vor 90 Gästen beschrieb Martin Kind beim Unternehmerfrühstück, wie er als Präsident den Drittligisten in die erste Liga gebracht und auf ein stabiles wirtschaftliches Fundament gestellt hat.
Schon zum sechsten Mal hatte die Wirtschaftsförderung der Stadt Sehnde zu diesem zweimal jährlich ausgerichteten morgendlichen Treffen in den Gutshof Rethmar eingeladen. Gesponsort wurde die Veranstaltung von der Energieversorgung Sehnde und der Volksbank. „Das Unternehmerfrühstück hat sich mittlerweile etabliert. Drei Tage nach Veröffentlichung war diese Veranstaltung komplett ausgebucht“, sagte Peter Wissmann, der diesen Erfolg der Zugkraft des Referenten zuschreibt.
Und, wie Bürgermeister Carl-Jürgen Lehrke hinterher anmerkte, folgten alle konzentriert den Ausführungen Martin Kinds, der 1997 die Präsidentschaft für den maroden, mit zehn Millionen Mark an Verbindlichkeiten verschuldeten Verein übernahm und ein erfolgreiches Rettungskonzept entwickelte. „Ich wurde gefragt und habe mir Bedenkzeit ausgebeten“, machte Kind klar, dass er sich dieser schwierigen Aufgabe nicht eben leichtfertig gestellt hatte.
Um darüber zu berichten, sei er gern nach Sehnde gekommen – dies sei ja ein Vorort von Großburgwedel, scherzte er unter dem Gelächter der Anwesenden. Ernst beschrieb er daraufhin er die Ausgangssituation des Fußballvereins und die Strategien, die er zur Lösung der Probleme von Hannover 96 entwickelte. Vorrangiges Ziel nach umfassender Analyse war es, aus dem Drittligisten ein wettbewerbsfähiges Produkt zu machen.
Den ersten Schritt in diese Richtung schaffte der Verein auf sportlicher Seite bereits im Jahr darauf mit dem Aufstieg in die zweite Liga, wobei diese nur eine Durchgangsstation sein sollte. 2002 gelang der Sprung in die erste Bundesliga. „96 spielt seit 13 Jahren in der ersten Liga – das ist das Besondere. Trotz vieler Rückschläge hat sich der Verein letztendlich erfolgreich in der Bundesliga etabliert“, machte Kind deutlich. Nun käme es auf Kontinuität und Nachhaltigkeit an.
Viel komplexer dagegen gestaltete sich die Rettung auf wirtschaftlicher Seite. Nur durch juristische Winkelzüge und die Trennung von gemeinnützigem Verein und Profi-Fußball sei dies möglich gewesen, dazu habe er sogar eine verbandsrechtliche Klage gegen den Deutschen Fußball-Bund DFB angestrengt.
„Das ist wie Gotteslästerung“, sagte Kind. Gleichzeitig habe er ohne Ende Klinken geputzt, um so genanntes Risiko-Kapital zur Sanierung der maroden Vereins-Finanzen aufzutreiben. „Das Risiko für die Geldgeber bestand darin, dass sie ihr Kapital schlimmstenfalls nicht zurückbekämen, habe ich ihnen klar gemacht", beschrieb der Vereinschef seine Vorgehensweise.
Die Bewerbung Hannovers für die Weltmeisterschaft nutzte der pfiffige Unternehmer, um dem damaligen Stadtoberhaupt Herbert Schmahlstieg seine Pläne für eine wettbewerbsfähige Fußball-Arena vorzulegen, denn er war der Überzeugung: "Eine Stadt kann kein Stadion betreiben!" Der Bürgermeister und sein damaliger Kämmerer Stefan Schostock nickten das Projekt ab. Stolz sei er vor allem darauf, dass die geplante Bauzeit um zwei Monate unterschritten wurde, dass die Investtionssumme genau eingehalten wurde und dass nur im Zusammenhang mit der Weltmeisterschft dieser Bau möglich war.
Das Fundament sei gelegt, jetzt müsse sich der Verein sportlich und wirtschaftlich weiter entwickeln. Durchaus noch ausbaubar sei die Identifikation der Region mit "ihrem" Fußballverein, meinte der Präsident. Und immer noch braucht Hannover 96 Geld. "Werden Sie Mitglied, kaufen Sie Saisonkarten", forderte Kind seine Zuhörer auf.