Kündigung droht: AWO-Kleiderkammer und die Sehnder Tafel schlagen Alarm

Civitan Club-Präsidentin Renate Grete (von links), ihre Stellvertreterin Marion Spillmann und Helfer Jürgen Hensen stellen sich auf eine baldige Kündigung ein, sorgen sich aber um die Zukunft der Sehnder Tafel. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Beide Organisationen erheben schwere Vorwürfe gegenüber Rat und Stadtverwaltung

SEHNDE (hdb). „Wenn wir in kurzer Zeit keine neuen Räume finden, bedeutet das eine Einstellung unserer Hilfe für Bedürftige“: Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und der Civitan-Club Sehnde schlagen Alarm, weil sie mit der kurzfristigen Kündigung der Räume in Gebäuden des Eon-Avacon-Energieversorgersunternehmens rechnen. Ein „Offener Brief“ an den Stadtrat ist bisher ohne Reaktion geblieben.
Das von der AWO-Vorsitzenden Corinna Gerardi und der Club-Präsidentin gemeinsam verfasste Schreiben war kurz vor Ostern verteilt worden. Vorausgegangen war ein erster Hilfeschrei bereits im vergangenen Herbst, nachdem seit Sommer 2012 immer wieder die Kündigung drohte, weil das Areal verkauft werden soll. Damals hatte sich Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke persönlich eingeschaltet – allerdings bisher erfolglos. Eine mögliche Raumvariante hatten die beiden Träger mit dem Jugendfreizeitheim ins Spiel gebracht. Das solle aber, hatte die Kommune abgewinkt, nach dem Umzug des Freizeitheimes in das Bonhoefferhaus verkauft werden.
Auf die Ratspolitiker sind die Vertretrinnen der beiden Organisationen nicht gut zu sprechen. Auf den vor Ostern verteilten Brief sei bisher von keiner Seite eine Reaktion erfolgt. „Wir übernehmen soziale Verantwortung und stehen damit allein da“, beschwert sich Gerardi. Grethe schlägt bereits resignative Töne an: „Irgendwann geht uns die Puste aus.“
Beide finden jedenfalls: „Unsere ehrenamtliche Arbeit wird gering geschätzt.“ Jürgen Hensen, ehemaliger Ortsbürgermeister von Bolzum und einer der aktivsten Helfer der Tafel, ergänzt: „Unsere Situation wird bei der Stadt nicht ernst genommen.“
Alle Beteiligten sehen nach wie vor die Stadt und ihre Ratsmitglieder in der Pflicht, sie bei der Raumsuche zu unterstützen. Die Stadt habe „mehr Überzeugungskraft“, die Ratspolitiker bessere Kontakt in ihren Ortschaften. „Setzen Sie bitte ihr politisches Gewicht ein und sprechen Sie mit potenziellen Vermietern, damit wir unsere ehrenamtliche Arbeit fortsetzen können“, endet der offene Brief. „Oder müssen wir erste eine Schule besetzen?“, versucht es Grethe mit Galgenhumor.