Informative Rathaus-Rallye in Sehnde endet mit einer halbstündigen Kinder-Ratssitzung

Sabine Kramann (2. von rechts) bildete mit den Teilnehmern der Kinderratssitzung die Stadt Sehnde mit ihren 15 Ortschaften mit Hilfe von "Negerküssen" nach. (Foto: Horst-Dieter Brand)
Sehnde: Rathaus Sehnde |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke heißt acht Nachwuchspolitiker willkommen

SEHNDE (hdb). Fußbälle, die durch Kinderarbeit entstehen, werden nicht mehr gekauft, mehr Bolzplätze nicht gebaut, neue Bushaltestellen eingerichtet: Das zweite Kinderparlament hat konkrete Vorstellungen formuliert. Der „echte“ Bürgermeister bremste allerdings mehrere Anträge mit Hinweis auf ihre finanziellen Auswirkungen.
Acht Mädchen und Jungen im Grundschulalter saßen dort, wo sonst die Erwachsenen Kommunalpolitik machen. Im Saal des Rathauses endete eine zweieinhalbstündige Rallye durch das städtische Verwaltungszentrum mit einem Abstecher zu den benachbarten Stadtwerken. Wie bei den „Großen“ gab es drei Fraktionen, wobei sich die „Grünen“ mit besonders vielen Anträgen am engagiertesten zeigten, wie Betreuerin Sabine Kramann berichtete.
Die für die Organisation des Ferienpasses Verantwortliche hatte die Kinder gut vorbereitet und mit ihnen zum Einstieg in die „Ratssitzung“ die 15 Sehnder Ortschaften nachgebaut – mit Negerküssen, die zur großen Freude der Teilnehmer anschließend verzehrt werden durften. Dann übernahm der siebenjährige Jeremy mit einem Glockenton die Leitung der Versammlung, in der Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke – wie „im richtigen Leben“ – stets die Sicht der Verwaltung darstellte (und seinem „Kollegen“ manche verbale Hilfestellung zuflüsterte).
Lehrke zeigte sich von einigen Sichtweisen der Kinder durchaus überrascht. Als beispielsweise aus der „Grünen-Fraktion“ die Problematik von Kinderarbeit in China bei der Herstellung von Fußbällen kritisiert und gefordert wurde, künftig derartige Waren nicht mehr zu kaufen, zog sich der Bürgermeister auf die Position zurück: „Ich werde das in der Verwaltung prüfen lassen.“ Seinen Bedenken, noch mehr Sportplätze zu bauen, folgte hingegen das Kinderparlament bei vier gegen vier Stimmen. Bei Stimmengleichheit, lernten die Mädchen und Jungen von Lehrke, sei ein Antrag abgelehnt. Auf persönliche Fragen reagierte er erfreulich offen: Die Arbeit mache ihm Spaß, Angst davor habe er nie gehabt. „Wer Angst hat, braucht damit gar nicht erst anzufangen“, schrieb er den möglichen künftigen Kommunalpolitikern ins Stammbuch.