In ehemaligem Hotel in Höver sollen ab Februar 150 Flüchtlinge untergebracht werden

Auf ein enormes Interesse stieß die Einwohner-Versammlung, in dessen Verlauf Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke im Schützenheim Höver über die Pläne zur Unterbringung von 150 Flüchtlingen informierte. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Anonym verteiltes Flugblatt versucht vergeblich, Angststimmung zu schüren

HÖVER (hdb). 140 Stühle waren aufgestellt. Die Plätze im Schützenheim reichten aber bei weitem nicht aus, um dem Interesse an einer Informationsveranstaltung gerecht zu werden. Das Thema: Unterbringung von bis zu 150 Flüchtlingen im ehemaligen Hotel „Zur Linde“ ab Februar 2016.
Im Vorfeld der Veranstaltung, in der die Stadt die Einwohner über ihre künftigen Pläne informieren wollte, hatte ein anonymes Flugblatt für eine aufgeheizte Stimmung gesorgt. Während der knapp zweistündigen Versammlung mit annähernd 300 Besuchern blieb die Diskussion aber weitestgehend sachlich – vorsorglich vor dem Lokal positionierte Ordnungskräfte brauchten nicht einschreiten. „Ich bin mit dem Verlauf absolut zufrieden“, zog denn auch Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke ein positives Fazit.
Der Ortsteil Höver hat rund 1.900 Einwohner. Weitere 150 sollen ab 1. Februar dazukommen, wenn das Hotel „Zur Linde“, das zum Jahresende geschlossen wird, nach Umbauarbeiten mit bis zu 150 Asylbewerbern belegt wird. Das passt ganz offensichtlich einer so genannten „Initiative besorgter Bürgerinnen und Bürger“ nicht, die vor „Ausschreitungen in Flüchtlingsheimen“ warnen und fragen: „Wer garantiert für die Sicherheit unserer kleinen Kinder, jungen Mütter mit Babys, wo die Männer und Väter die ganze Woche weg sind?“
Es kämen nämlich „überwiegend nur junge Männer“, behaupten die Kritiker. Diese Prognose verwies der Bürgermeister ins Reich der Phantasie, da die Stadt überhaupt noch nicht wisse, welche Personengruppen demnächst zugewiesen würden. Lehrke zeigte sich aber durchaus offen für sachliche Kritik und Ängste der Bevölkerung. Lehrtes Polizeichef Ulrich Bode trat der Befürchtung entgegen, mit steigender Zahl von Flüchtlingen erhöhe sich auch die Kriminalitätsrate.
Das bisherige Hotel mit drei Nebengebäuden schließt endgültig zum 31. Dezember. Dann will es die Kommune für sechs Jahre mieten. Im Moment wirkt es wegen verwaister Parkplätze, verschlossener Türen und fast überall heruntergelassener Rollläden wie ein Geisterhaus. Neun Arbeitsplätze gehen durch die Hotelschließung verloren.
Eine Familie mit zwei kleinen Kindern verliert nicht nur den Job, sondern außerdem ihre Wohnung im Vorderhaus. „Hauptsache, die Flüchtlinge haben ein Dach über dem Kopf“, blickt eine Noch-Angestellte verbittert in die Zukunft.