"Im Pfarrhaus Wirringen brennt wieder Licht . . .“

Der frühere Gemeindepastor Oliver Friedrich (rechts) übergibt seinen NachfolgerInnen Almut Wiesenfeldt und Christoph Becker symbolische Schlüssel zu "ihren" von Wirringen aus betreuten zwölf Kirchen der Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde. (Foto: 12 Apostel/Ralf Neite)

Pastorenpaar Almut Wiesenfeldt und Christoph Becker ordiniert

SEHNDE/WIRRINGEN/MÜLLINGEN/WASSEL (r/kl). „Im Pfarrhaus brennt wieder Licht.“ Die Freude und Erleichterung in den Worten des Landessuperintendenten Eckhard Gorka bei der Ordination des PastorInnenpaares Almut Wiesenfeldt und Christoph Becker - neu heimisch im Wirringer Pfarrhaus - war unüberhörbar.
Sie war auch abzulesen in der lebhaften Anteilnahme der Gemeinde; in der St.-Nicolai-Kirche in Oesselse waren sämtliche Sitz- und Stehplätze besetzt. Und die Freude war immer wieder herauszuhören aus der langen Reihe von Grußworten beim Empfang im Gemeindehaus im Anschluss an den Gottesdienst.
Nach gut einem Jahr der Vakanz konnten die anderthalb freien Pfarrstellen nun endlich wieder besetzt werden. Die evangelisch-lutherische Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde Sarstedt-Land ist zu Beginn des Jahres 2012 durch die Fusion mehrerer Gemeinden entstanden.
Sie umfasst 12 Kirchen in 13 Ortschaften (davon Wirringen, Müllingen und Wassel im Stadtgebiet Sehnde) mit gut 7.600 Gemeindemitgliedern. Die gelungene Fusion in diesem Umfang gilt als positives Beispiel dafür, wie Gemeinden mit den Herausforderungen durch schwindende Mitgliederzahlen und zurückgehende Finanzmittel konstruktiv umgehen können.
Doch die frei bleibenden Pastorenstellen, dazu weitere Ausfälle durch Krankheit machten den Neubeginn für die entstandene große Gemeinde nicht einfach. Der Kirchenvorstand forderte immer wieder Unterstützung ein. Diese Beharrlichkeit, der dabei stets menschliche Umgang hätten ihm Respekt abgenötigt, sagte Superintendent Helmut Aßmann in seinem Grußwort, „aber auch manche schlaflose Nacht.“
Er bedankte sich beim Kirchenvorstand und den Vertretungskräften und ausdrücklich bei Pastorin Annegret Austen, die seit Jahren als ehrenamtliche Pastorin tätig ist und der Gemeinde über die Zeit der knappen Besetzung hinweggeholfen hat. Sie hatte sich 13 Jahre nach ihrer Ordination nun für ihr erstes bezahltes Pastorenamt beworben, der Kirchenvorstand hätte ihre Ernennung gern gesehen, die Landeskirche lehnte die Einstellung der 53-Jährigen jedoch ab. Lediglich ein Zeitvertrag über ein halbes Jahr wurde ihr zugestanden. „Das tut schon weh“, sagt Annegret Austen. Doch sie werde nach Ablauf des Vertrages wieder ehrenamtlich arbeiten. „Ich gönne den beiden das von Herzen“, so Pastorin Austen über ihre neuen KollegInnen.
Die 33-jährige Almut Wiesenfeldt und der 29-jährige Christoph Becker werden sich die Stellen in der Zwölf-Apostel-Gemeinde teilen und ein Team bilden mit den Pastoren Burkhard Kugelann und Günter Albrecht. Für Pastorin Wiesenfeldt und Pastor Becker ist es die erste Pfarrstelle nach ihrem Vikariat, das Pfarrhaus in Wirringen die erste gemeinsame Wohnung. Wenn sie sich dort eingelebt haben, soll auch irgendwann die Hochzeit stattfinden, sagen die beiden.
Sie hatten sich vor zweieinhalb Jahren während ihrer Ausbildung im Kloster Loccum kennengelernt. Almut Wiesenfeldt stammt aus Hessisch-Oldendorf, Christoph Becker aus Steinbergen und damit der Landeskirche Schaumburg-Lippe: „Dass er hier einheiratet, betrachten wir als Kompliment“, scherzte Landessuperintendent Gorka.
In seiner Predigt ging er auf die Kraft des Wortes ein. Von Pastorinnen und Pastoren werde erwartet, dass sie Menschen ihre Stimme liehen, wenn diese selbst zu verstummen drohten. Sie müssten ihre Worte behutsam wählen, denn Worte könnten ebenso verletzen wie heilen, ebenso richten wie aufrichten.
Bei ihrer Ordination wurden Almut Wiesenfeldt und Christoph Becker von Verwandten, Freunden und beruflichen Wegbegleitern unterstützt. Viele Gemeindemitglieder, Vertreter der kirchlichen Gremien, der Vereine und Politik hießen sie Willkommen.
Dass die Tätigkeit in einer so großen Gemeinde für Berufseinsteiger eine echte Herausforderung sein könne, schrecke sie nicht, erklärte das Paar. Schließlich hätten sie mit den Pastoren Burkhard Kugelann, Günter Albrecht und Annegret Austen ein gutes Kollegenteam, außerdem viele ehrenamtliche Mitarbeiter, auf die sie sich verlassen könnten. Immerhin zehn der zwölf Kirchen ihrer neuen Gemeinde hätten sie sich auch schon angesehen.
Ihr Amtsvorgänger Pastor Oliver Friedrich gratulierte den beiden und betonte, er sei ausschließlich aus privaten Gründen gegangen. Die Menschen in der Gemeinde mit ihrer Power und ihrem Elan habe er nämlich sehr gern: „Die lege ich Ihnen ganz, ganz doll ans Herz.“ Sein Rat an Almut Wiesenfeldt und Christoph Becker: „Bleiben Sie hier.“