Grußwort der Stadt Sehnde zum Jahreswechsel 2014/2015

Carl Jürgen Lehrke, Bürgermeister der Stadt Sehnde. (Foto: Stadt Sehnde)
Sehnde: Rathaus Sehnde |

Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger,

haben Sie auch das Gefühl, das Jahr ist wieder wie im Flug vergangen?

Ich halte es in dieser schnelllebigen Zeit für ganz besonders wichtig, kurz inne zu halten und sich ein paar Momente für einen Rückblick zu gönnen. Dieses Grußwort nutze ich für einen kleinen Jahresrückblick aus Sicht unserer Stadt.

Was für ein Jahr! Im Sommer wurden wir Weltmeister, aber der Sommer kam erst im Herbst. Die Ebola-Epidemie fordert tausende Todesopfer, obwohl die Wissenschaft in der Lage ist, eine Landeeinheit in Kühlschrankgröße nach 11-jährigem Flug durch das Weltall auf einem Kometen zu landen. Während in vielen Ländern die Menschen für Ihre Unabhängigkeit, Freiheit und manchmal sogar für die Demokratie auf die Straße gehen, kämpfen, flüchten oder mit dem Leben bezahlen, betrug die Wahlbeteiligung zur Europawahl in diesem Jahr insgesamt nur gut 40%. Die Terrororganisation IS führt einen Glaubenskrieg mit ganz neuer Härte und katastrophalem Ausmaß. Und auch wenn wir meinen, das alles ist ganz weit weg, haben wir doch ganz nah mit den Folgen dieses Krieges zu tun. Tausende Menschen befinden sich auf der Flucht und absolut betrachtet nimmt Deutschland in Europa die meisten Flüchtlinge auf.

„Bedenken wir gerade in den Weihnachtstagen: Wir gehören zu den Glücklichen, die Freiheit in vollen Zügen genießen können. Das bedeutet, dass uns ein solches Übermaß besondere Verantwortung auferlegt, nicht zuletzt gegenüber unserem Nächsten“ – dieses Zitat des Verlegers Axel Springer passt geradezu perfekt in diese Zeit.

Bereits über 120 Flüchtlinge haben in Sehnde eine Unterkunft gefunden. Wir rechnen in den kommenden Monaten mit weiteren Zuweisungen durch Bund und Land. Das ist eine Herausforderung für die Verwaltung und für uns alle. Mit der möglichst dezentralen Unterbringung setzen wir ganz bewusst auf Integration und Zusammenleben vor Ort. Wie soll man einem schwer traumatisierten Menschen, der seine Heimat verloren und in einem völlig fremden Land eine Unterkunft gefunden hat, das Leben hier näher bringen und den Alltag erklären, wenn nicht durch Nächstenliebe und Nachbarschaftshilfe? Natürlich greift zunächst die Unterstützung durch die staatlichen Einrichtungen, aber Integration kann nicht staatlich geregelt werden.

Auch andere Bundesbeschlüsse haben Auswirkungen auf unser Leben. So wurde der Beschluss zur Energiewende auf Bundesebene noch von den meisten Menschen in Deutschland gefeiert, stößt aber bei eigener Betroffenheit auf Ablehnung. Die Trassenführung von Suedlink war und ist ein wichtiges aber auch emotionales Thema, welches aufgrund der unklaren Informations- und Öffentlichkeitsarbeit und der immer neuen Varianten viel Platz für Spekulationen und Sorgen lässt. Dieses Thema wird im kommenden Jahr sicherlich akut und muss dann auch klar vor Notwendigkeiten, Auswirkungen und den Sehnder Interessen betrachtet werden.

Unabhängig von den großen Bundesplänen zur Energiewende, laufen die Klimaschutz-programme hier in Sehnde mit Erfolg und sogar mit persönlichem Einsatz. So konnten die 92 für Sehnde angemeldeten Radfahrerinnen und Radfahrer beim Stadtradeln im Juni insgesamt 14.951 km erfahren und somit 2.153 Kg CO² einsparen.

Sehnde wächst stetig - mittlerweile zwar etwas langsamer, aber stetig. Um den Ansprüchen der Einwohnerinnen und Einwohner, Jung und Alt gerecht zu werden, wird an Kindertagesstätten, Schulen und Krippen gebaut, Betreuungsangebote ausgeweitet, Freizeitangebote geschaffen, Konzepte geändert und Satzungen den Bedürfnissen angepasst. Beispielhaft nenne ich hier für 2014 die Einweihung der Neubauten in Rethmar für die Grundschule, die Einweihung der Krippe in Sehnde West und den Hort in Ilten, die Sanierung der KGS und des Lehrschwimmbeckens, die Erstellung eines Feuerwehrbedarfsplanes, die Erarbeitung eines neuen Spielplatzkonzeptes, das Kooperationsprojekt „Sicherheitsberaterinnen und Sicherheitsberater“ und das Aufstellen der Outdoor-Fitnessgeräte auf Initiative des Seniorenbeirates.

Mit der Erarbeitung und Umsetzung der neuen Regelungen im Bestattungswesen sind wir zwar auf die Bedürfnisse und Wünsche der Sehnderinnen und Sehnder eingegangen, haben aber auch ein sehr emotionales Thema angesprochen. Hier war es ganz besonders wichtig gemeinsam mit der Politik ein zukunftsfähiges und Gefühle achtendes Konzept zu erarbeiten.

Zukunftsfähig und an die Gegebenheiten der neuen Zeit angepasst ist auch die Einführung der papierlosen Ratspost. Die politischen Entscheidungsträger können nun leichter, übersichtlicher und schneller via Internet auf Ihre Entscheidungsvorlagen und Einladungen zugreifen.

Im Sommer wurde die Homepage der Stadt –www.sehnde.de- nicht nur optisch grundlegend verändert. Auch hier haben wir uns zukunftsfähig aufgestellt, auf die Kundenwünsche reagiert und Informationen übersichtlich dargestellt. So können alle Interessierten auch hier z.B. die öffentlichen Drucksachen im Rahmen der papierlosen Verwaltung einsehen. Besuchen Sie doch einmal unsere neue Homepage! Hier finden Sie auch Bilder von den städtischen Veranstaltungen, wie den Generationentag.

Nach den durchweg positiven Rückmeldungen zum ersten Generationentag im Jahr 2012 war schnell klar, dass diese Veranstaltung wieder stattfinden soll. Am 20. September 2014 war es dann auch soweit: über 80 Ausstellerinnen und Aussteller mit Informationen und Mitmachaktionen und ein buntes Bühnenprogramm füllten das Motto „Familienstadt Sehnde - alt, jung & bunt“ mit Leben.

Im kommenden Jahr jährt sich das Ende des zweiten Weltkrieges zum 70. Mal. Ein Teil Deutscher und damit auch Sehnder Geschichte. Zur Identifikation mit der Stadt, in der man lebt, gehört auch die Auseinandersetzung und das Wissen um die Geschichte der Stadt. So hat auch Sehnde einige dunkle Kapitel Stadtgeschichte, die wir kennen sollten, zu denen wir stehen sollten und die wir nicht vergessen dürfen. Ein interfraktioneller Antrag unter der Überschrift „Verantwortung vor der Geschichte“ im Jahre 2011 setzte nicht nur ein politisches Zeichen, sondern war auch der Anlass für die Gründung der Projektgruppe „Stolpersteine“. Nach der Stolpersteinverlegung im Dezember 2012 wurde am 9. November 2014 –genau 76 Jahre nach den Novemberprogromen- die Gedenktafel „Scherben gegen das Vergessen“ im Foyer vor dem Ratssaal eingeweiht.

„Wir gehören zu den Glücklichen, die Freiheit in vollen Zügen genießen können!“ Gern komme ich noch einmal zu dem Zitat zurück und schließe damit auch mein Grußwort. Lassen Sie uns mit diesem guten Gefühl und voller Zuversicht in das neue Jahr gehen!

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien für das Jahr 2015 alles Gute, Gesundheit und Zufriedenheit!

Ihr Bürgermeister

Carl Jürgen Lehrke