Grußwort der Stadt Lehrte zum Jahreswechsel 2015/2016

Carl Jürgen Lehrke, Bürgermeister der Stadt Sehnde. (Foto: Stadt Sehnde)

Liebe Mitbürgerinnen,
liebe Mitbürger,

ich hoffe, Sie haben die Weihnachtsfeiertage gut verlebt und konnten die Zeit nutzen, um ein wenig inne zu halten und zu entspannen.
„Wo ist nur das Jahr geblieben? Die Monate sind wie im Flug vergangen!“ - zum Jahresende hört man diese und ähnliche Aussagen überall. Es geht den meisten Menschen so und wird in unserer schnelllebigen Zeit mit sozialen Medien, kurzfristigen Entscheidungen und den großen globalen Herausforderungen verstärkt wahrgenommen.
Lassen Sie uns der ganzen Hektik zum Trotz kurz innehalten und darüber nachdenken, was das alte Jahr gebracht hat und was das neue Jahr bringen wird; für uns ganz persönlich und für unsere Familie, aber auch für unsere Mitmenschen, unser Umfeld, die Stadt und das Land, in dem wir leben.
Am 16. November 2015 um 12 Uhr hat ganz Europa einen Moment inne gehalten und in einer Schweigeminute der Terroropfer gedacht. In solchen Momenten ist die Stille greifbar, die Trauer, das Mitgefühl und die Solidarität spürbar.
Im Sommer standen im Internet 60 Sekunden Stille in den Charts. Das Stück „Schweigeminute“ des österreichischen Künstlers Raoul Haspel konnte gegen eine Spenden-Gebühr heruntergeladen werden. So konnten alle Käuferinnen und Käufer ein Zeichen setzen und gleichzeitig für ein Flüchtlingsheim in Österreich spenden.
Eine Minute nichts, nur Schweigen. Vermutlich keine Lösung, aber ganz sicher ein Zeichen.
Der Terror im Nahen Osten hat eine neue, beängstigende Dimension erreicht und die Auswirkungen der kriegerischen und menschenverachtenden Auseinandersetzungen bekommen wir in Form von extremen Flüchtlingsströmen und furchterregenden Terroranschläge zu spüren.
Die Welt ist im Umbruch und auch an Sehnde geht das nicht spurlos vorüber. Bis Ende des Jahres werden rund 290 Asylbewerberinnen und Asylbewerber bei uns leben. Wie viele im kommenden Jahr hinzukommen, werden wir erst mit der nächsten Quotenmitteilung des Landes erfahren.
Ich möchte nicht verhehlen, dass uns die besondere Situation fordert. Sie fordert die Verwaltung, die Politik, die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer und sie fordert uns alle.
Wir in Sehnde können stolz sein auf das gute Gelingen der Unterbringung und das großartige ehrenamtliches Engagement in allen Ortsteilen. Im Gegensatz zu vielen anderen Kommunen konnten wir bisher auf die Unterbringungen in öffentlichen Einrichtungen und in Wohncontainern verzichten. Im ehrenamtlichen Netzwerk für Asylsuchende in Sehnde, kurz ENAS, engagieren sich zurzeit rund 130 Sehnderinnen und Sehnder. Sie betreuen die Flüchtlinge in Alltagsfragen, mit Sprachunterricht und diversen Freizeit- und Integrationsangeboten.
Die große Herausforderung der Flüchtlingsunterbringung und -betreuung können wir nur dank der aktiven und verantwortlichen Unterstützung der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer leisten. In diesen herausfordernden Zeiten zeigt sich wieder deutlich, dass das Ehrenamt DIE Stütze unseres gesellschaftlichen Lebens auf karitativem, kulturellem und sportlichem Gebiet ist. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer tragen entscheidend zur Lebensqualität in unserer Stadt bei und handeln aus Menschlichkeit und Solidarität.
Die Stimmung in Sehnde ist und war bisher gut. Lassen Sie uns weiterhin daran arbeiten und dafür einstehen, dass Menschen, die auf der Flucht sind, sich hier aufgenommen und wertgeschätzt fühlen.
Wir haben eine Flüchtlingsproblematik, die weltweit, europaweit und deutschlandweit zum Handeln zwingt und bewältigt werden will. Die großen Entscheidungen müssen in Europa und beim Bund fallen, dulden keinen Aufschub und benötigen Augenmaß.
Am 5. März um 16.54 Uhr ging der Feueralarm aus der KGS bei der Leitstelle der Region ein. Wenige Minuten später rückten die ehrenamtlichen Feuerwehrleute aus, um den Großbrand im O-Trakt der Schule zu löschen. Innerhalb kürzester Zeit waren die Rauchschwaden weit über Sehnde hinaus zu sehen und alle wussten, dass hier ein Unglück geschehen war. Bilanz nach einem mehrstündigen Löscheinsatz von insgesamt 155 Feuerwehrleuten: keine Verletzten aber Totalschaden in den meisten Räumlichkeiten des betroffenen Gebäudeteils – und das kurz vor dem erfolgreichen Abschluss der Sanierungsmaßnahmen in der KGS.
Wie gut Krisenmanagement und Hilfe in der Not in Sehnde funktionieren, zeigte sich auch hier ganz deutlich. Alle Beteiligten haben schnell und unbürokratisch gehandelt, unterstützt, geplant, umgesetzt und das Beste aus der Situation gemacht. Die sofortige Bereitstellung von Räumlichkeiten und Mobiliar durch Vereine und Verbände hat den Erhalt des Schulbetriebes gesichert und die Abiturientinnen und Abiturienten des Jahrganges 2015 sind als bester Abschlussjahrgang in die Geschichte der KGS eingegangen.
In der Kritik stand die Familienstadt Sehnde im Mai. Grund war der Streik der Beschäftigten des Sozial- und Erziehungsdienstes, der den Betrieb der 14 städtischen Kinderkrippen, -tagesstätten und Horte einen Monat lang stark einschränkte und Familien zur Verzweiflung und teilweise auch in Notsituationen brachte. Der Unmut der betroffenen Familien und die Forderungen der Tarifvertragsparteien kochten hoch und wurden teilweise leider auch unsachlich diskutiert. Egal wie man zu dem Thema steht –und das hängt ja nicht selten von der persönlichen Betroffenheit ab-, sollte für uns alle klar sein, dass die Tarifautonomie ein demokratisches und im Grundgesetz verankertes Recht ist. Die Qualität von Sehnde nur an solch einschränkenden Ereignissen zu messen ist nicht fair.
Dass politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen und Entscheidungen nicht immer allen gerecht werden und wir uns in Zeiten großen Wandels befinden, sollten wir als Herausforderung sehen und annehmen.
Auch mit Ihrer Hilfe und Unterstützung haben wir vieles in diesem Jahr erreicht. Trotz des ständig geringer werdenden finanziellen Spielraums haben die politisch Verantwortlichen eine Reihe von Vorhaben auf den Weg gebracht und entschieden.
Ich kann in diesem Grußwort nicht auf alle Themen eingehen, lade Sie aber herzlich zum Sehnder Neujahrsempfang am 22. Januar 2016 in die KGS ein. Lassen Sie uns da gemeinsam mit unserem Gastredner, Herrn Ministerpräsidenten Stephan Weil, das vergangene Jahr Revue passieren und einen Ausblick auf das Jahr 2016 wagen.
Ich wünsche Ihnen für das neue Jahr Gesundheit, Glück und Zufriedenheit.
Lassen Sie uns voller Zuversicht in das Jahr 2016 gehen!

Alles Gute!

Ihr Bürgermeister
Carl Jürgen Lehrke