Gefangene der JVA Sehnde spenden für Flüchtlinge

Bei der Spendenübergabe: Kerstin Buckup, die stellvertretende Anstaltsleiterin der JVA Sehnde, Anne Cécile Blanc Blanc, Vorsitzende des Vereins Flüchtlingshilfe Sehnde; Wissam N., Gefangener und Initiator der Spendenaktion und Anstaltsseelsorger Pastor Matthias Brockes. (Foto: JVA Sehnde)

Familie des initiators flüchtete einst selbst nach Deutschland

SEHNDE (r/kl). Menschen helfen, die noch mehr Unterstützung und Solidarität benötigen. Mit diesem Ziel haben Gefangene der JVA Sehnde eine Spendensammlung zugunsten der „Flüchtlingshilfe Sehnde “ mit einem beachtlichen Ergebnis organisiert.
Insgesamt 430 Euro konnten so in der Justizvollzugsanstalt Sehnde an Anne Cécile Blanc, Vorsitzende der Flüchtlingshilfe, übergeben werden. Der Verein wird damit die Integration der hier angekommenen Menschen beispielsweise durch Sprachkurse und Hilfe bei der Wohnungssuche unterstützen.
Anne Cécile Blanc würdigte die Spendenaktion als Beweis, dass jeder - im Rahmen seiner Möglichkeiten - helfen könne und bedankte sich sehr herzlich im
Namen des Vereins.
Initiiert hatte die Spendenaktion der Gefangene Wissam N., dessen Familie selbst in den 80er Jahren aus dem Bürgerkrieg im Libanon nach Deutschland geflohen und damals herzlich aufgenommen worden war.
Er fühle sich verpflichtet, jetzt selbst etwas zu tun und auf die einzige ihm derzeit mögliche Weise Menschen in Not zu helfen. „Wir wissen selbst, wie wichtig es ist, eine neue Chance zu bekommen. Auch Straftäter können das Schicksal anderer Menschen verstehen und sich für sie einsetzen“, begründetet Wissam N. seine Aktion.
Durch direkte Ansprache von Mitgefangenen sowie der sehr persönlichen Erläuterung seines Hintergrundes und seiner Motivation im Gottesdienst kam innerhalb von sechs Wochen der Betrag aus den oftmals schmalen Budgets der Gefangenen zusammen.
Die Gefangenen hätten Mitmenschlichkeit und Verständnis für Notlagen anderer
gezeigt, würdigte der Anstaltsseelsorger Pastor Matthias Brockes die Spendensammlung. Dies sei ein beeindruckender Beweis, dass man einen Beitrag
zur Integration von Menschen leisten könne, die vor Krieg und Elend geflohen und
bei uns Schutz suchten.
Unterstützung bekam die Spendenaktion auch von der Verwaltung der JVA Sehnde, die beim Sammeln der zumeist kleinen Beträge half. Man sei von der Initiative und der Anteilnahme der Gefangenen am Schicksal der Gefangenen sehr beeindruckt gewesen, so die stellvertretende Anstaltsleiterin Kerstin Buckup.
Auch das sei Willkommenskultur. Vielleicht könnten gerade Gefangene, die wenn auch selbstverschuldet, in Krisensituationen gekommen seien, besonders nachempfinden, dass man eine Zukunftsperspektive brauche und in die Gesellschaft integriert werden müsse.