Gedenktafel mit „Scherben des Vergessens“ erinnert an ermordete Juden durch Nazi-Terror

Nach der feierlichen Enthüllung nahmen die Besucher erstmals die Gedenktafel im Foyer des Sehnder Rathauses in Augenschein. (Foto: Horst-Dieter Brand)
Sehnde: Rathaus Sehnde |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Am Jahrestag der Reichspogromnacht im Rathaus Sehnde Kunstwerk von Rahel Bruns enthüllt

SEHNDE (hdb). Nach den vor zwei Jahren verlegten neun „Stolpersteinen“ hat die Stadt ein weiteres öffentliches Bekenntnis zu den Schattenseiten ihrer Geschichte abgelegt: Die Künstlerin Rahel Bruns hat eine Gedenktafel geschaffen, die an die vertriebenen, deportierten und ermordeten jüdischen Mitbürger Sehndes erinnern soll.
„Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben ist barbarisch“, zitierte die Hamburger Grafikerin und Bildhauerin den Philosophen Theodor W. Adorno, um das Zitat bei der Enthüllung ihres 1,25m x 2,53 m großen Kunstwerkes im Foyer des Rathauses für sich abzuwandeln: „Nach Auschwitz ein Denkmal zu schaffen ist barbarisch.“ Das ist der 35-Jährigen aber einfühlsam gelungen, indem sie die Namen der Opfer mit Sandstrahl in Glas gefräst und die Glasplatten vor dem Druck auf Papier mit einem kräftigen Hammerschlag zertrümmert hat in Anlehnung an die sogenannte „Reichskristallnacht“. In der Nacht vom 9. zum 10 November 1938 verbreiteten von den Nazis organisierte Gewalttaten gegen jüdische Geschäfte, Häuser und Synagogen eine entsprechende Pogromstimmung.
Eine Namenstafel im Ratssaal vervollständigt das dreiteilige Kunstobjekt mit dem Titel „Scherben gegen das Vergessen“. Vor seiner Enthüllung erinnerte Regina Runge-Beneke als Sprecherin der seit mehr als zwei Jahren engagierten Projektgruppe an eine mehr als 20-jährige Beschäftigung mit der Problematik und Thematik mit bis 1993 zurückreichenden Anfängen einer 8. Klasse der Kooperativen Gesamtschule mit Recherchen und Interviews von Zeitzeugen. Bei allen Erfolgen kritisierte die Pädagogin aber auch, dass es politisch nicht durchsetzbar gewesen sei, im Neubaugebiet Zuckerfabriksgelände mehr Straßen nach jüdischen Opfern zu benennen – außer die Paula-Königsheim-Straße“. Auch eine entsprechende Namensgebung für die KGS sei nicht durchsetzbar gewesen.
Neben musikalischen Beiträgen der Geschwister Anna-Liese und Thomas Siemens fügten sich Grußworte von Peter Wasserman, dem Enkelsohn der ehemaligen Sehnderin und in die USA emigrierten Gerda Wassermann, und des ehemaligen Bürgermeisters von Beverstedt, Martin Bensen, harmonisch in die Feierstunde ein. Er stellte historische Verbindungen zwischen den jüdischen Familien Schragenheim und Brumsack her, die Enkelsohn Julius Brumsack eindrucksvoll ergänzte.
Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke, der zu der Veranstaltung etwa 50 Besucher - unter ihnen die CDU-Bundestagsabgeordnete Maria Flachsbarthund Lehrtes stellvertretenden Bürgermeister Burkhard Hoppe – begrüßen konnte, dankte der Projektgruppe mit Regina Runge-Beneke, Angelika Thomaier, Susanne Paul, Anne Heineke, Ines Raulf und Jürgen Wattenberg für ihre geleistete Arbeit und Rahel Bruns für ihre künstlerische „Suche nach oft verwischten Spuren“.


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Foto: Horst-Dieter Brand

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Das Kunstwerk „Scherben gegen das Vergessen“ hat Rahel Bruns geschaffen.
Foto: Horst-Dieter Brand