Gedenken in Sehnde an die Opfer des Nationalsozialismus

Etwa 300 Schülerinnen und Schüler des 9. Jahrganges und des Geschichts-Leistungskurses der KGS Sehnde besichtigten die Gedenk-Ausstellung. (Foto: Horst-Dieter Brand)
Sehnde: Kooperative Gesamtschule Sehnde |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Erstmals aufwendige Ausstellung statt zentraler Feier

SEHNDE (hdb). Die Befreiung des Konzentrationslagers von Auschwitz-Birkenau vor 72 Jahren ist Neuntklässlern der Kooperativen Gesamtschule Sehnde unter die Haut gegangen. Das hat eine Ausstellung geschafft, die drei Geschichtslehrer der Schule einen Tag vor dem offiziellen Gedenktag initiiert haben. Im nächsten Jahr ist eine Fahrt nach Auschwitz geplant.
Mehr als 300 Schüler waren mit Fotos, Filmen und Schautafeln konfrontiert, als sie während des Unterrichtes in den vorübergehend leer stehenden Containern neben dem Mensagebäude durch die fünf Ausstellungsräume gingen. Dort hatten die Geschichtslehrer Lena Soltendieck, Dirk Krüger und Jens Wilczek in mühevoller Kleinarbeit Anschauungsmaterial zusammengetragen, das in beeindruckender Weise die mörderische Tötungsmaschinerie der Nationalsozialisten dokumentierte.
„Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen“, appellierte der erst kürzlich verstorbene Alt-Bundespräsident Roman Herzog schon im Jahr 1996. Die Schule „gegen Rassismus“ und für „Courage“ folgte diesem Aufruf bisher durch eine zentrale Gedenkfeier im Forum.
Die Ausstellung in diesem Jahr, wegen der Zeugnisausgabe einen Tag vor dem von Herzog als „Gedenken an die Opfer gewidmeten“ angeordneten Gedenktag, war die erstmalige Form der Erinnerung an die Befreiung von Auschwitz, als am 27. Januar 1941 die Rote Armee eingriff.
Jeder Form von Rassismus müsse entschlossen entgegengetreten werden, sei Teil des Ausstellungskonzeptes, wie Krüger erläuterte. „Es wurde geweint und gelacht; einige sind auch schnell wieder rausgegangen, andere haben die Zeit überzogen“, zog der Pädagoge ein erstes Zwischenfazit. Er und einige Kollegen waren im August 2016 Teilnehmer einer einwöchigen Fortbildung in Auschwitz, wo die Idee zu dieser Ausstellung entstand.
„Bei aller gebotener parteipolitischer Neutralität einer Schule wollen wir im Einklang mit unserem Bildungsauftrag unseren Beitrag dazu leisten, Populisten couragiert entgegenzutreten, die die Richtigkeit des Gedenkens öffentlich in Frage stellen," meint dazu Schulleiter Carsten Milde.
Und Ausstellungsbesucher Nico (17) aus dem Geschichts-Leistungskursus urteilt: „Die Ausstellung ist sehr gut, sie bringt einem die Geschehnisse näher und macht nachdenklich.“ Lena (17) ergänzt: „ Das ist sehr wichtig, dass das in der Schule stattfindet. Sehr gelungen und über die Hintergründe aufgeklärt."