Galgenfrist für den Wochenmarkt in Sehnde: Neuer Betreiber setzt auf Marketing

Ihre Unterschriften unter den neuen Nutzungsvertrag für den Wochenmarkt setzen (von links) Geschäftsführer Jörn Böttcher und Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke. Die Marktstrategie stammt von Michael Riebe (rechts). (Foto: Horst-Dieter Brand)
Sehnde: Marktplatz Sehnde |

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Großes Fest am 12. Juni und Werbung sollen mehr Kundschaft anlocken

SEHNDE (hdb). Gelingt die Wiederbelebung oder läutet bald das Totenglöckchen für den Sehnder Wochenmarkt? Die Hoffnungen auf eine bessere Zukunft setzt die Stadtverwaltung auf einen Betreiberwechsel. Der hannoverschen Großmarkt-Tochtergesellschaft „Attraktive Wochenmärkte“ soll die Trendwende gelingen.
Dafür bleiben dem federführenden Prokuristen Michael Riebe und seinem Team - ein neuer Marktleiter wird noch gesucht - eineinhalb Jahre Zeit. So lange läuft der jetzt von Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke und dem Geschäftsführer Jörn Böttcher unterschriebene Vertrag.
Gelingt es dem neuen Partner, der den bisherigen Betreiber „Deutsche Marktgilde“ zum 1. Mai abgelöst hat, bis Ende 2016 nicht, weitere Verkaufsstände zu akquirieren, dürfte der traditionelle Wochenmarkt sang- und klanglos in der Versenkung verschwinden. „Zumachen können wir dann selber“, sagte Lehrke mit perspektivischem Blick. Böttcher ergänzte: „Wenn die Bevölkerung unser Angebot nicht annimmt, können wir auch nicht zaubern.“
Zuletzt kamen jeden Freitagvormittag zwischen 9.00 und 13.00 Uhr gerade noch vier Lebensmittelhändler und ein Textilverkäufer – und auch nicht gerade die Kundschaft in Scharen. Dennoch will der neue Betreiber am bisherigen und eher ungünstigen Termin am Freitagvormittag festhalten
Andernfalls wären wohl die bisherigen Stammhändler verloren gegangen, weil diese nachmittags andernorts gebunden sind, wie Riebe den Spagat zwischen optimalem Termin- und reichhaltigem Warenangebot beschreibt. Der Manager ist aber zuversichtlich, mit einer offensiven Marketingstrategie für ein größeres Angebot und die daraus folgende Nachfrage zu sorgen.
Kernpunkte der Strategie, die zuvor im Sehnder Ortsrat und dem zuständigen Fachausschuss vorgestellt worden war, sollen mehr Werbung und häufigere wie regelmäßigere Aktivitäten bilden. Örtlichen Vereinen und Verbänden soll die Gelegenheit eingeräumt werden, ihre gemeinnützigen Angebote zu präsentieren.
Vorstellbar sei auch, dass Schulen und Kindergärten Selbstgebasteltes verkaufen können. „Wir sind nicht nur auf Gewinnstreben ausgerichtet“, zeigt sich Geschäftsführer Böttcher hinsichtlich eines Verzichtes auf Standgebühren großzügig.
Auch die Kommune will laut Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke ihren Beitrag zum Neustart leisten. Ein Jahr lang wird die Stadt auf ihren zehnprozentigen Anteil an den Standgebühren zugunsten des Marketingkonzeptes verzichten. Für eine Anschubfinanzierung stehen einmalig 1.000 Euro zweckgebunden für Werbemaßnahmen - zum Beispiel Hinweistafeln an drei Ortseingängen - zur Verfügung.
Lehrke weiß um das Risiko des Scheiterns: „Der Wochenmarkt ist derzeit äußerst übersichtlich. Da muss mehr Belebung rein“, beschwört er geradezu die erhoffte Trendwende. Das Fest am 12. Juni dürfte ein erster Prüfstein werden.