"Freie" Schützen in Wassel übten für ihr großes Fest auch das Marschieren in der Formation

Ein seltenes Bild: Bei einer "Formalausbildung" übten die Wassseler Schützinnen und Schützen das Marschieren in der Formation. (Foto: Wasseler Schützen)
 
Schon vor dem Fest haben für den Festausschuss der Wasseler Schützen mit den umfangreichen Vorbereitungen aufregende Tage begonnen. (Foto: Wasseler Schützen)

Festausschuss hat alle Hände voll zu tun - Viele originelle Programmhöhepunkte erwarten die Besucher

WASSEL (r/kl). Am Wochenende vom 9. bis zum 11. September feiern die Wasseler ihr traditionelles Schützenfest. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren . . .
. . . und der Festausschuss hat alle Hände voll zu tun; Einteilung der Schießdienste, Plakate kleben und aufhängen, Orden und Preise aussuchen, Auswertung der Schießen und schließlich muss das Zelt noch in Bierbergen ab- und am gleichen Tag in Wassel wieder aufgebaut werden.
„Dies klappt bei uns immer hervorragend“, so Friedhelm Schuldig, der Zeltverantwortliche in Wassel. „Es sind immer so um die 20 Helfer, die sich dafür teilweise extra Urlaub nehmen. Besonderer Dank gilt dabei unseren Treckerfahrern, die die zahlreichen Anhänger und Wagen nach Wassel überführen.
Inzwischen sind wir zusammen mit unserem Schausteller Wilhelm Musiolek aus Arpke ein eingespieltes Team. Immerhin kennen viele von uns Teddy Musiolek schon ihr ganzes Leben; das sind echt freundschaftliche Beziehungen“, so Schuldig.
Dieses Jahr haben sich die Wasseler noch etwas Besonderes einfallen lassen. Die Schützinnen, die nicht dem Kreisschützenverband angehören, wollten unbedingt lernen, wie man richtig in Formation antritt und marschiert. Also wurde kurzerhand „Formaldienst“ angeordnet.
So trafen sich an einem Samstagnachmittag 45 Schützinnen und Schützen, um den lauten Kommandos ihres Schützenhauptmanns zu folgen und abschließend in Uniform mit Gesang durchs Dorf zu marschieren.
„Da haben doch einige Wasseler Bürger ziemlich sparsam geschaut, als eine Horde „grüner“ Frauen und Männer singend durchs Dorf marschierten“, schmunzelt Schützenhauptmann Olaf Kobbelt, „aber wir hatten jede Menge Spaß, auch wenn einige das Marschlied ziemlich blöd fanden. Aber nach „Highway to hell“ lässt sich nun mal nicht marschieren“.
Das Schützenfest selbst hat in Wassel traditionell seit Jahrzehnten immer denselben Ablauf. Der Freitag beginnt für die Schützinnen und Schützen um 19.00 Uhr mit dem Schweigemarsch zum Ehrenmal. Hier wird den Gefallenen beider Weltkriege gedacht und ein Kranz niedergelegt. Nach einer kurzen Vesper beginnt die Königsproklamation, bei der die Könige des Vorjahres die Königskette an die neu gekürten Majestäten übergeben.
In Wassel werden jedes Jahr ein(e) Jugendkönig(in), eine Damenkönigin, ein Jungkönig (bis 40 Jahre) und ein Altkönig gekrönt. Im Anschluss spielt der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Wassel und heizt allen Wasselern bis 22.00 Uhr kräftig ein. Erst nach dem „Niedersachsenlied“ darf die Partynacht, dieses Jahr erstmalig mit DJ "Franky", beginnen.
Der Samstag startet dann für alle Wasseler (dies lässt sich niemand im Ort entgehen) um 13.00 Uhr mit dem Scheibenaufhängen bei den Königen. Begleitet wird der große Tross von den „Scheibennaglern“, einer Kapelle der besonderen Art, die den Wasseler Schützinnen und Schützen sehr ans Herz gewachsen ist.
Das Scheibenaufhängen ist ein Höhepunkt des Festes. Hier ist man unter sich und für jede Majestät lassen sich die Schützinnen und Schützen etwas Außergewöhnliches einfallen. Es werden kleine Theaterstücke oder Gesangseinlagen (gern auch als Helene Fischer Double) vorgeführt. Teilweise müssen auch sportliche Höchstleistungen vollbracht werden.
In jedem Fall steht die jeweilige Majestät immer gut dar und es gibt jede Menge zu lachen. Die „Scheibennagler“ sorgen zusätzlich für beste Stimmung. Begleitet wird der Umzug von einem Getränkewagen zur Bewirtung der Teilnehmer. Finanziert wird dies durch den Festausschuss, so dass sich die Kosten für die Könige stark in Grenzen halten. „Bei uns haben alle wieder Lust König zu werden“, so der Schützenhauptmann, „es kann sich einfach jeder leisten“.
Um 16.30 Uhr sind dann alle Schützinnen und Schützen, oft verkleidet und mit toll verzierten Wagen, wieder auf dem Festzelt. Dort steht Kaffee und Kuchen bereit und mit dem Kindertanz ab 17.00 Uhr kommen auch die Kleinsten auf ihre Kosten.
Ab 20.00 Uhr beginnt dann der Große Festball (Eintritt frei) mit DJ "Franky".
Der Sonntag beginnt bereits um 09.45 Uhr unter Begleitung der „Scheibennagler“ mit dem Abholen der Könige. Ab 12.30 Uhr schließlich findet das Königsessen im traditionell prall gefüllten Festzelt statt. Der nächste Höhepunkt ist dann ab 14:30 Uhr der Empfang der Gastvereine.
„Dies ist uns Wasselern immer besonders wichtig“, so Beate Büttner, die für die Aufstellung der Gastvereine verantwortlich ist. „Einige unserer jüngeren Schützinnen haben sich extra zusammengefunden und unter dem Motto 'Unser Zelt soll schöner werden' die Dekoration des Zeltes übernommen. Dies ist bereits im letzten Jahr toll gelungen und wir sind gespannt darauf, was sie sich dieses Jahr haben einfallen lassen. Schließlich sollen sich unsere Gäste wohl fühlen!“
Um 15.00 Uhr startet schließlich der „Große Festumzug“ durch ein festlich geschmücktes Dorf mit musikalischer Begleitung der Bürgerschützengesellschaft Lehrte und der „Scheibennagler“.
„Anschließend wird gemeinsam mit unseren Gästen, den Musikern und unserem Festwirt gefeiert, was der Zapfhahn hergibt", so der Schützenhauptmann.