Flüchtlingshelfer aus Sehnde im Landtag

Die Helferinnen des Sehnder Flüchtlingsnetzwerks wurden von Doris Schröder-Köpf (vorn, vor dem Rednerpult links) und Dr. Silke Lesemann (in der 2. Reihe, 3.v.l.) im Landtag begrüßt. (Foto: SPD LTFS)

Von Dr. Silke Lesemann und Doris Schröder-Köpf empfangen

SEHNDE (r/kl). Passender Empfang für die Flüchtlingshelfer aus Sehnde: Bei ihrem Besuch im Niedersächsischen Landtag wurden die Ehrenamtlichen jetzt von Doris Schröder-Köpf, der Landesbeauftragten für Migration und Teilhabe, begrüßt.
Sie hieß die knapp 30 Mitglieder des Ehrenamtlichen Netzwerks für Asylsuchende in Sehnde (ENAS) gemeinsam mit der Sehnder SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Silke Lesemann willkommen, welche die Helfer eingeladen hatte.
Schröder-Köpf blickte in ihrer Begrüßungsrede auf die Flüchtlingsbewegungen der vergangenen zwei Jahre zurück und erläuterte die aktuelle Situation. Niedersachsen habe eine Herkulesaufgabe bewältigen müssen, so die Landesbeauftragte.
Allein 2015 seien mehr als 100.000 Menschen nach Niedersachsen geflüchtet, überall habe man rund um die Uhr daran gearbeitet, genügend Unterkünfte bereitstellen zu können. Das Land habe seine Aufnahmekapazitäten innerhalb kürzester Zeit von 1700 Plätzen auf bis zu 50.000 Plätze ausweiten müssen.
„Ich bin sehr glücklich darüber, dass kein Geflüchteter obdachlos blieb“, so die Landesbeauftragte. Ohne die vielen Ehrenamtlichen aus Feuerwehren, Vereinen oder Helferinitiativen wäre dieser Kraftakt allerdings nicht möglich gewesen, sagte Schröder-Köpf in Richtung der Sehnder Ehrenamtlichen.
Als eine der großen Herausforderungen für die nächsten Jahre bezeichnete sie die Sprachvermittlung: 36.000 Schülerinnen und Schüler an niedersächsischen Schulen sprechen kein oder nur wenig deutsch. Eine weitere Herausforderung sei die berufliche Integration, die oft an eben jenen mangelnden Sprachkenntnissen scheitere. „Wir müssen jetzt Geld in die Hand nehmen, damit dies gut geht“, betonte Schröder-Köpf.
Anschließend hatten die Sehnder Gelegenheit, Doris Schröder-Köpf Fragen zu stellen. Welche Standards es bei Abschiebungen gebe, wollten sie beispielsweise wissen. „Die Polizei hält die Einsätze so klein wie möglich“, so Schröder-Köpf. Sofort nach dem Regierungswechsel im Jahr 2013 habe die SPD-geführte Landesregierung einen Rückführungserlass verabschiedet, der auf Freiwilligkeit setzt.
Allerdings habe der Bund die Abschiebungen mittlerweile verschärft und das Land müsse sich dem beugen. „Als SPD geht es uns um Standards der Menschlichkeit“, versicherte Schröder-Köpf. So biete das Land jenen Geflüchteten, die keine Aussicht auf ein Bleiberecht haben – beispielsweise Flüchtlinge aus Mazedonien – eine kompetente Rückkehrberatung an.
Viele seien von Schleppern mit falschen Versprechungen hierher gelockt worden. Bei der Abschiebung setze das Land auf Freiwilligkeit, bei einer drohenden Abschiebung würden die Betroffenen noch einmal vorgewarnt. Erst, wenn die Beamten niemanden anträfen, komme es zu einem weiteren Abschiebeversuch ohne Vorankündigung. So sehe es die Bundesgesetzgebung vor.
Anschließend erklärte Lesemann den Besuchern den Landtagsbetrieb und führte sie durch die Räume.