Eltern sollten „mutig fragen und besonnen handeln“

Gemeinsam aktiv beim Präventionsprojekt gegen sexuelle Gewalt an Kindern: Jennifer Glandorf (v.l.) und Katharina Fischer von der Stadt Sehnde, Referentin Petra Karger vom Verein "Heckenrose" und Renate Grethe vom Civitan Club Sehnde. (Foto: Dana Noll)

Ein Beitrag von Dana Noll - Präventionsprojekt gegen sexualisierte Gewalt an Kindern

SEHNDE/ILTEN (dno). Gemeinsam mit dem Präventionsrat der Stadt Sehnde bot der Civitan Club Sehnde ein Präventionsprojekt gegen sexualisierte Gewalt an Kindern in der Wilhelm-Raabe-Grundschule Ilten an. Die Aufführung des Theaterstücks „Finger weg von Julia“ sowie eine Informationsveranstaltung für Eltern und das Lehrerkollegium bildeten dabei die Schwerpunkte des seit 2011 laufenden Projektes an verschiedenen Sehnder Grundschulen.
„Mit dem Theaterstück konnten wir bereits etwa 1.200 Kinder erreichen. Es ist ein sehr komplexes und schwieriges Thema, aber es ist wichtig und wir konnten mit den Projekten viele Anstöße geben“, so Renate Grethe, Präsidentin des Civitan Club Sehnde.
Etwa 50 Interessierte folgten den Vorträgen der Fachleute aus einer Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt, des Zentralen Kriminaldienstes Hannover sowie vom Präventionsrat der Stadt Sehnde.
„Ziel ist es, Kinder in behutsamer und kindgerechter Weise zu stärken, Eltern einzubeziehen und zu unterstützen, pädagogische Fachkräfte für die Problematik der sexualisierten Gewalt an Kindern zu sensibilisieren und ihre Kompetenz zu stärken“, so Renate Grethe.
„Die meisten Täter planen ihre Tat und nähern sich ihrem Opfer behutsam“, berichtet Michael Huwald vom Zentralen Kriminaldienst Hannover, „Sie wissen ganz genau, was sie tun.“
143 Fälle von sexualisierter Gewalt, davon 72 Prozent an Mädchen, wurden 2016 in der Region Hannover zur Anzeige gebracht – die Dunkelziffer ist aber weitaus höher. 130 Tatverdächtige konnten ermittelt werden, die meisten aus dem näheren Umfeld wie Familie, Nachbarschaft oder dem Freundeskreis.
„In ganz Deutschland gibt es jährlich nur etwa drei bis fünf Fälle, wo Kinder von der Straße in ein Auto gezerrt werden, das ist sehr selten. Die Mehrzahl der Täter nähern sich geschickter. Sie beobachten genau, bauen eine Beziehung zum Opfer oder auch zu den Eltern auf, schaffen Vertrautheit“, so Huwald, „Irgendwann fordern sie eine Grenzüberschreitung.“
Für die Kinder beginnt hier ein sehr schwieriger Weg, denn der „Täter“ gab ihnen bislang ein gutes Gefühl – sie sind verwirrt. In dieser Phase sollten Eltern besonders gut hinhören und Signale erkennen.
„Wichtig ist, dass Kinder Stärke zeigen, dann lassen die Täter meistens ab. Denn diese haben den Drang Macht auszuüben, Kinder eignen sich gut dafür, weil sie schwächer sind“, so Huwald.
„Da sein, zuhören, Kinder stärken“, das rät auch Petra Karger, Sozialpädagogin und aktiv in der "Heckenrose e.V.", „Und, vor allem, nicht weggucken!“ An die Kontakt- und Beratungsstelle können sich sowohl Betroffene als auch Eltern, Pädagogen oder jede Person, die helfen möchte, wenden.
Dort gibt es Informationen, Beratung, Hilfe und jegliche Art von Unterstützung, für Menschen, die aktuell oder in der Vergangenheit sexuelle Gewalt erlebt haben oder damit konfrontiert wurden. Die Beratungen sind anonym und kostenfrei.