Einst sollte Lehrte und nicht Sehnde Hafenstadt werden . . .

Früher gab es sogar offizielle Schwimmbäder am Mittellandkanal, und auch heute noch ist das Baden – außer an bestimmten Stellen - nicht verboten, wenn es auch nicht gern gesehen wird. (Foto: Repro: Susanna Veenhuis)

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - Bernd Ellerbrock berichtet Spannendes über den Bau des Mittellandkanals

SEHNDE/LEHRTE (sv). Beinahe wäre Lehrte statt Sehnde Hafenstadt geworden: Wenn es nach einem der zahlreichen Kanalbau-Komitees zum Bau des Mittellandkanals gegangen und die zuerst favorisierte „Nordlinie“ realisiert worden wäre. Dies und noch viele weitere spannende Fakten wusste der Fotojournalist Bernd Ellerbrock zu berichten.
Auf Einladung der "Bücherstube" Veenhuis in Zusammenarbeit mit der Bibliothek des Klinikums Wahrendorff stellte Ellerbrock seinen Bildband „Der Mittellandkanal“ mit einer hinreißenden Bilderschau im "Anderen Kino" Lehrte vor. Im trotz hochsommerlicher Temperaturen außerordentlich gut besuchten Kinosaal erfuhren die Zuschauer, dass zu diesem Zweck im Jahr 1890 ein gewisser Herr Geck im Schliephack'schen Hotel einen ebenfalls gut besuchten Informationsvortrag hielt.
Doch wie es so ist bei Großprojekten, fand die „Nordlinie“ nicht genug Unterstützung in der Politik, so dass der Kanal nun hinter Misburg nach Süden verläuft und nach der Anderter Schleuse das Sehnder Gebiet quert.
Überhaupt wusste Ellerbrock viel Geschichtliches um den Bau der mit 325,3 Kilometern längsten künstlichen Wasserstraße Deutschlands von anfänglichem politischen Hickhack aus wilhelminischer Zeit bis heute zu berichten. Der Referent vermittelte auch technisches Wissen um den Bau von Brücken, Schleusen, Schiffshebewerken und anderen Bauten sowie den Kanal selber und beantwortete fundiert die Fragen der Besucher.
„Ich bin platt“, sagte Ellerbrock angesichts des großen Interesses der Lehrter. Der so positiv überraschte Autor kündigte auch gleich den Folge-Bildbände an. Sein Buch „Der Mittellandkanal“ ist alphabetisch nach Stichworten geordnet, so dass sich jeder nach seiner individuellen Interessenlage informieren kann – wobei Texte und Bilder natürlich leicht zum Weiterlesen animieren.
„Man geht dort spazieren, führt den Hund aus oder macht eine schöne Radtour, aber man hatte ja keine Ahnung, was alles dahinter steckt“, sagte ein Besucher. Er werde den Mittellandkanal jetzt mit ganz anderen Augen betrachten.