Der heilige Martin teilte im Pfarrhof Sehnde seinen Mantel

Hinter Ross und Reiter(in) setzte sich der Sehnder Martinsumzug in Bewegung. (Foto: Dana Noll)
 
Am Feuerkorb auf dem Sehnder Pfarrhof teilte Sankt Martin mit dem Bettler seinen Mantel. (Foto: Dana Noll)

Ein Beitrag von Dana Noll - Martinsumzug der katholisch und evangelischen Kirchengemeinde

SEHNDE (dno). Neben der Tradition des Martinssingens werden die Martinsumzüge vielerorts gepflegt. So auch in Sehnde, als am vergangenen Freitag die katholische und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde zum gemeinsamen Gedenken einluden.
Mit Ross und Reiter(in) ging es nach einer kindgerechten Andacht von der Pfarrkirche St. Maria mit bunten Laternen und Gesang in Richtung Chausseestraße und wieder zurück.
Etwa 100 halbe Hörnchen mit Schokospitze warteten hier bereits auf die Kinder. Bei der großen Kinderschar war nicht ganz klar, ob es für alle reichen würde. „Das ist doch der Sinn von Sankt Martin, dann muss eben noch einmal geteilt werden“, so die fleißigen Helferinnen.
Nach dem gut halbstündigen Spaziergang, kamen die heißen Getränke und die kleine Stärkung gerade recht. Gleich drei ganze Brote mussten geschnitten und herzhaft belegt werden, um die zahlreichen Umzügler satt zu bekommen.
Bereits zum 1.700 Mal jährte sich am 11. November diesen Jahres das Fest des heiligen Martin. Martin von Tours war Soldat bei einer römischen Reiterabteilung in Gallien. 334 war er in Amiens in Frankreich stationiert – hier begegnete ihm an einem kalten Wintertag ein Bettler, der kaum etwas anhatte und fürchterlich fror.
Ohne viel zu überlegen, ignorierte er das Leid des Bettlers nicht und teilte seinen Mantel mit dem Schwert in zwei Hälften. Diese Mantelteilung symbolisiert bis heute die Wohltätigkeit des Sankt Martin.
In der darauffolgenden Nacht soll dem schlafenden Martin Jesus erschienen sein, der seinen halben Mantel trug. Für Martin stand fest, dass dies ein Zeichen war. Er verließ die Armee und stellte sich ganz in den Dienst Gottes und wurde Priester.
Im Jahre 375 baute er in der Nähe von Tours das Kloster Marmoutier. Dort fanden sich bald Gleichgesinnte, die mit ihm ein Leben in Einfachheit, Gebet und persönlicher Besitzlosigkeit lebten.
Am 4. Juli 372 wurde er zum Bischof von Tours geweiht. Am 8. November 397 starb Martin im Alter von 81 Jahren in Candes und wurde am 11. November in Tours beigesetzt. Im Gedenken an ihn und sein wohltätiges Handeln wird der heutige Martinstag daher an seinem Beisetzungstag gefeiert.
Im Sehnder Pfarrhof wurde bei Kerzenschein eindrucksvoll die Szene der Mantelteilung nachgestellt. Dazu wurde gesungen, denn auch das Martinssingen hat eine lange Tradition. Am 10. November 1483 wurde Luther geboren, der einen Tag darauf auf den Namen Martin getauft wurde. Als Schuljunge zog er mit Freunden um die Häuser, klingelte an die Türen und sang Lieder – dafür gab es etwas zu essen.
„Die Tradition der heutigen Kinderumzüge ist eine schöne Sache. So begegnen sich Menschen, die sich sonst nicht unbedingt begegnen würden und mancher hat wie der heilige Martin sicher auch richtig Spaß daran, etwas mit Kindern zu teilen, auch wenn diese es heutzutage sicher nicht so nötig haben wie zu Zeiten Martin Luthers“, so Damaris Frehrking, Pastorin in Sehnde.
Mit Halloween kommt am 31. Oktober nun ein „neuer Umzug“ in die Straßen. „In den USA wird mit dem spaßigen Gruselfest die Botschaft übermittelt, dass der Tod uns nicht schrecken muss, dass wir sogar unseren Schabernack mit ihm treiben und so unsere Angst vertreiben können. Eine Gedanke, den wir als Kirche nicht verteufeln müssen, solange der Spuk wirklich ein Spaß bleibt“, ergänzte Frehrking.