DDR-Regimekritiker fordert Jugendliche in Sehnde zu viel mehr politischem Engagement auf

Kundiger Führer durch die Dokumentation über menschliche Schicksale während der SED-Diktatur war zur Eröffnung in der KGS-Mensa der ehemalige DDR-Regimekritiker Alexander W. Bauersfeld (links). (Foto: Brand)
Sehnde: KGS-Mensa |

Ein Beitrag von Horst Dieter Brand - Ausstellung über kommunistische Gewalt offenbart Wissenslücken

SEHNDE (hdb). Den aktuellen Fernsehfilm „Der Turm“? hat am Vorabend keiner gesehen. Die Nachfolgepartei der SED? Kennt auch niemand - ebenso wenig wie Artikel 1 des Grundgesetzes. Folgerichtig hat der ehemalige DDR-Regimekritiker Alexander W. Bauersfeld 20 Zehntklässer der Kooperativen Gesamtschule (KGS) aufgefordert,: „Kümmern Sie sich immer ein bisschen um Politik.“
Zum Auftakt der Ausstellungseröffnung in der Mensa der KGS „Mauern, Gitter, Stacheldraht“ hatte Schulleiterin Helga Akkermann noch lobend betont, wie zielgenau die Dokumentation über menschliche Schicksale während der SED-Diktatur zum Tag der deutschen Einheit passe.
Der 16-jährige Julian allerdings dachte zu Beginn des Vortrages von Bauersfeld - verurteilt und inhaftiert wegen „landesverräterischer Nachrichtenübermittlung und Agententätigkeit“ und später von der Bundesrepublik freigekauft – noch das Unterrichtsthema sei „irgendwas mit Nationalsozialismus“.
Immerhin: Nach dem Vortrag des Pazifisten und evangelischen Theologen mit der Schilderung eigener Erlebnisse und den Unrechtstaten der Staatssicherheit und der Justiz gegenüber Dissidenten und unangepassten DDR-Bürgern zeigte sich der Jugendliche doch tief beeindruckt und bereit, Bauersfelds Ratschläge, zum Beispiel auch demnächst von seinem Wahlrecht Gebrauch zu machen und sich politisch mehr zu engagieren, zu befolgen.
Die Wissenslücken der Zehntklässler allerdings entschuldigte der Fachbereichsleiter Stefan Bahls mit der inzwischen auf zwölf Jahre verkürzten Schulzeit, wodurch die Geschichte vom Wiener Kongress bis zum Nationalsozialismus nur in einem „Crashkurs“ zu bewältigen gewesen sei.
Ähnliches werde für die politischen Ereignisse von der Potsdamer Konferenz bis zum Mauerfall gelten.
Die Wanderausstellung der Konrad-Adenauer-Stiftung mit der beispielhaften Darstellung von vier Einzelschicksalen politischer Gefangener während des DDR-Regimes. Die Ausstellung werden nach Bahls Aussage etwa 300 KGS-Schülerinnen und Schülen sehen können. Bis Sonnabend, 13. Oktober, ist die Dokumentation auch für die Bevölkerung zugänglich - werktags von 10.00 bis 14.00 Uhr.