Bürgermeister Lehrke zur Flüchtlingssituation in Sehnde: „Wir sind verdammt gut aufgestellt“

In der Mensa der Kooperativen Gesamtschule trafen sich der Rat und die zehn Ortsräte zu einer Sondersitzung, in der die Verwaltung Informationen zur Flüchtlingssituation lieferte. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Verwaltung informiert Rat und Ortsräte in Sondersitzung auch über künftige Pläne

SEHNDE (hdb). „Mehr mit den Asylsuchenden reden als über sie“: Mahnende Worte hat Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke den Kritikern der Flüchtlingspolitik ins Stammbuch geschrieben. Trotz weiterer Zuweisungen im zweiten Quartal strahlte Lehrke bei einer Sondersitzung des Rates und der Ortsräte Zuversicht aus: „Wir sind im Regionsvergleich verdammt gut aufgestellt.“
Das ist aber auch erforderlich, wenn man weiß, dass im ersten Quartal dieses Jahres entsprechend der Quote noch 135 von 166 Flüchtlinge unterzubringen sind. Für das zweite Quartal rechnet die Kommune mit einer eher noch höheren Quote. „Prognosen sind schwierig, wir stochern im dichten Nebel“, machte der Bürgermeister die Herausforderung für seine Verwaltung mit der Fachbereichsleiterin Susann Thier an der Spitze deutlich. Bisher, bilanzierte sie, habe die Stadt – weitgehend dezentral – 316 Asylsuchende aufgenommen.
„Nicht an den Stadtrand“ verdrängt und auch nicht in Containern, Sporthallen und Dorfgemeinschaftshäusern einquartiert sieht der Bürgermeister die Flüchtlinge gut untergebracht.
Aktuell sind die Kernstadt mit 65 Asyl-bewerbern sowie die Ortsteile Ilten (63) und Bilm (34) am stärksten betroffen. Den Rang ablaufen wird ihnen schon bald Höver, wenn die 150 Plätze in einem ehemaligen Hotel belegt sein werden. Ab dem Frühjahr stehen im Bundessortenamt insgesamt 75, im umgebauten Avacon-Gebäude weitere 48 Plätze zur Verfügung. Die Kreissiedlungsgesellschaft (KSG) baut 44 neue Wohnungen.
Die 35 Ratsmitglieder und die Vertreter aus zehn Ortsräten wurden von den Verwaltungsmitarbeiterinnen Susann Thier und Laura Höfgen vor nur etwa 30 Zuhörern in der Mensa der Kooperativen Gesamtschule aus-führlich über die vielschichtige Asylproblematik von der Antragstellung über eine Arbeitserlaubnis bis zu Sozial- und Sachleistungen informiert. Auch Fragen wie „Wofür ist die Kommune zuständig?“ und „Wer bezahlt was?“ beantworteten die Expertinnen, die bei der Betreuung mit Hilfsorganisationen wie der Caritas und der Arbeiterwohlfahrt zusammenarbeiten.
Aber auch das im Februar 2015 gegründete Netzwerk „Enas“ ( Ehrenamtliches Netzwerk für Asylsuchende in Sehnde) leistet mit bis zu 200 Unterstützern wichtige Hilfe - zum Beispiel durch Deutsch-Kurse - bei der In-tegration. Die KGS Sehnde hat drei Sprachlernklassen eingerichtet.
Eine Art Staatsbürgerkunde, wie von einem Ratsmitglied gefordert, könne die Stadt aber nicht leisten, weil „dafür keine Kapazitäten“ zur Verfügung stehen, machte Bürgermeister Lehrke Grenzen der Belastbarkeit deutlich. Er sah die Forderung nach mehr Polizei in den Ortschaften aufgrund bisheriger Erfahrungen als unberechtigt an.