Bürgermeinungen zum Haushalt Sehnde kommen auch zum "Schaufenster"

War sich mit der Politik einig, dass diese Entscheidungen für den Bürger verständlicher werden müssen: Gastredner Superintendent Dr. Ralph Charbonnier (3.v.r., Mitte), hier mit Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke und der Bundestagsabgeordneten Dr. Maria Flachsbarth (vorn). (Foto: Walter Klinger)
 
Start des "Sehnder Dialogs": Bürger vergeben Punkte für die Spar- und Investitions-Schwerpunkte des Stadthaushaltes 2014 - aber es ist immer noch der Stadtrat, der die Entscheidung darüber trifft. (Foto: Walter Klinger)

"Sehnder Dialog" zum Etat 2014 hat begonnen - Gastredner lobt und mahnt

SEHNDE. Vor dem Motto der Stadt "Leben in Sehnde - ganz nah draußen" spendete als Gastredner beim bürgeroffenen Neujahrsempfang der Stadt Sehnde im überfüllten Forum der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Burgdorf, Dr. Ralph Charbonnier, Lob für die Vielfalt der Initiativen und Angebote in der Familienstadt Sehnde, warnte aber auch vor der steigenden Komplexität der Sachfragen, deren Entscheidung von immer stärker gestressten Kommunalpolitikern bei gleichzeitig defizitären Haushalten den Bürgern immer weniger erfolgreich nahe gebracht werden könnten.
Insgesamt seien immer mehr Haushalte auf ehrenamtliche Betreuung angewiesen. Nach dem Sozialbericht der Region machten die Ein-Personen-Haushalte bereits 30 Prozent, die von Alleinerziehenden 20 Prozent und von Menschen über 75 Jahre zehn Prozent aus.
Der Superintendent nannte aber auch Zahlen, die geeignet sind, den Pessimismus zu vertreiben: 70 Prozent der Menschen nehmen danach am öffentlichen Leben teil, 35 Prozent seien ehrenamtlich engagiert, im Durchschnitt sogar über mehr als zehn Jahre, die meisten in der agilen Altersstufe zwischen 35 bis 44 Jahre.
Nur ein durch das ehrenamt gestütztes starkes öffentliches Leben könne auch die Grundlage für eine starke Stadt sein, in der sich alle Lebensfelder entwickeln, bis hin zu gesinnungsbildenden Orten wie die Kirchen, "an denen ein weltanschauliches Fundament aufgebaut wird".
Aber es gäbe Krisenzeichen. Zum Beispiel nämlich gar keine Einigung darüber, welche Leistungen eine Kommune tatsächlich vorzuhalten habe und wie sie diese durch ihre Steueranteile auch finanzieren könne: "Diese Debatte wird noch nicht stark genug geführt", rügte der Theologe. Die künftigen Einnahmeprognosen der Kommunen gründeten sich dabei zu sehr auf "unbegründeten Spekulationen".
Indes opferten Kommunalpolitiker, die mitreden wollten, bis zu 20 Stunden pro Woche für dieses Ehrenamt. Nicht zuletzt, weil die Probleme immer komplexer würden, werde die leistungsfähige Verwaltung auch auf Stadtebene immer wichtiger. Sie könne aber nicht einfach den Weg vorgeben, sondern dürfe ihre grundsätzlich dienende Funktion nicht vergessen.
"Trotz sauber geführter politischer Entscheidungsprozesse können weite Bevölkerungskreise nicht mehr nachvollziehen, was warum entschieden wird". Die Politik müsse "mit Vertrauen die Komplexität reduzieren", damit die Probleme der Öffentlichkeit verständlich bleiben.
Der Superintendent wertete den an Stelltafeln im Foyer am gleichen Abend begonnenen "Sehnder Dialog" zum Stadthaushalt 2014 als ein gutes Beispiel dafür, "nicht auf eine außerparlmentarische Opposition zu warten".
Wo soll angesichts des heute schon 2,65 Millionen-Lochs gespart werden? Was ist unverzichtbar? Wie hoch darf die Verschuldung sein? Mit vier Kernfragen und mehreren Möglichkeiten wenden sich Rat und Verwaltung dazu an die Bürger. Wie beim Neujahrsempfang wird auch bei der Leistungsschau "Schaufenster Sehnde" im April die Stadt mit ihrem Dialog-Stand vor Ort sein, an dem die Bürgermeinung durch vergebene Klebepunkte und Kommentare deutlich gemacht wird. Im März geht der Fragebogen an alle Haushalte. Er kann in öffentlichen Gebäuden und auch unter sehnder-dialog@sehnde.de zurückgegeben werden.
Zum Start gab es bereits viel Resonanz, Zurückhaltung aber bei der Feuerwehr: Das mögliche Sparen beim "Brandschutz" blieb ihren Vertretern unverständlich, handelt es sich dabei doch um eine Pflichtaufgabe - und hatte der Bürgermeister zuvor ja sogar noch weitere Neubaugebiete angekündigt.