Begeisterndes Christmas Konzert von "Rhythm & Flutes" aus Ahlten

Auf engstem Raum vor dem Altar der Iltener Barockkirche agierend, gelang den gut 50 Musikerinnen von "Rhythm & Flutes" unter Stabführung von musikdirektorin Dorothee Bock eine musikalisch furiose Reise durch internationale Vorweihnachtsmusik. (Foto: Walter Klinger)
 
Ergreifend: Die Ahltenerin Heike Köhler sang das "Ave Maria". (Foto: Walter Klinger)
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Stehende Ovationen für Solo- und Gesamtleistung in der Barockkirche zu Ilten

ILTEN. "Das ist zuviel", klagte zu Beginn des Christmas Konzertes des Ahltener Flötenorchesters "Rhythm & Flutes" in der Barockkirche zu Ilten Moderator Rudolf Krieger von Radio NDR 1 Niedersachsen. Der Macher der Sendung "Musikland" meinte jedoch nicht den Spagat zwischen anspruchsvoller Musikliteratur und beliebten Volksweisen im Repertoire, sondern schlicht das Wetter.
Wintergewitter mit Blitzen, Hagel- und Starkregen mussten die Besucher/innen der beiden nacheinander liegenden Konzerttermine trotzen. Mehr als 550 Musik- und Vorweihnachtsfreunde kamen dennoch - ein (wie die beiden, wieder vom MARKTSPIEGEL präsentierten, Konzerte selbst) begeisternder Erfolg.
Für die zur Ahltener Schützengesellschaft gehörenden Musiker/innen fand Musikexperte Krieger, sonst um keine sachliche Erklärung zu klassischen wie modernen Stücken verlegen, nur ein emotionales Wort des Lobes: "Super!". Die meisten verwendeten Flöteninstrumente gibt es nämlich kaum länger als anderthalb Jahrzehnte und deshalb auch nur wenig Musikliteratur dafür.
Um so anerkennswerter fand der Musikredakteur, Mitglied übrigens auch des Landesmusikrates, nicht nur die Verbindung von Klassik und Moderne, sondern auch, dass die Ahltener Musiker/innen ihre Arrangements selbst schreiben.
Und auch die Vielseitigkeit der "Flötenmusiker" fand die besondere Anerkennung von Rudolf Krieger und dem Publikum: Von der Percussion zum Keyboard und wieder zur Flöte - hier sind halt Multitalente am Werk.
Nach dem würdigen Auftakt riss gleich der Rhythmus der "Petersburger Schlittenfahrt" (Solo-Piccolo-Flöte: Isabel Fichtner, Peitsche: Jonas Beinsen) die Zuhörer/innen mit. Dem Konzertort in der Barockkirche gut an stand die folgende "Renaissance Suite" (auch, weil der Vater von Komponist Nicolaus Adam Strungk ein bekannter Kirchenmusiker des Barock in Braunschweig war). An der Solo-Flöte brillierte Linda Wulf, das Arrangement schrieb Tobias Lempfer.
Dass die alten Klassiker nicht so einfach zu interpretieren sind, erfuhr das Publikum beim Mintsinge-Experiment bei "Dona Nobis Pacem", arrangiert vom "Rhythm & Flutes"-Abteilungsleiter (die Schützen haben solche, wobei dieser zugleich auch Vorsitzender der gesamten Schützengesellschaft ist) Andreas Wulf. Es sei keine Rüge, dass hier dem Orchester der überwiegende Teil des Applauses gebühre, aber einige Stimmen im Publikum seien durchaus achtbar gewesen.
Mit was für einer Stimme frau die Herzen erreicht, zeigte dann die Ahltenerin Heike Köhler mit "Ich gehör nur mir" aus dem Musical „Elisabeth“ von Komponist Sylvester Levay. Mit Andreas Wulf am Keyboard erhielt diese Darbietung rauschenden Beifall. Thomas Maronna, sonst an der fast zwei Meter hohen Großbassflöte, brachte das Publikum dann bei der Volksweise "Felice Navidad" zum emotionalen Mitklatschen.
Zwei Mal rührte als Geschichtenerzählerin auch die Ahltenerin Manuela Hardt die Herzen der Zuhörerinnen, mit den verlöschenden Frieden, Glaube und Liebe, die von der Hoffnung als vierte Kerze wieder entzündet werden. Und mit der Weihnacht der Tiere, die auch an das Kind in der Krippen denken - und sich fragen, ob die Menschen das ebenfalls tun.
In der Pause (bei dem Wetter zum Glück auch zwei Stunden zuvor geöffnet) lockten im geheizten GemeindesaalGlühwein und leckerer Imbiss vom Ahltener Caterer und Kochtrainer "Geschmackssachen". Die verständnisvolle orangene Illumination der Kirche durch Eventfachmann Jan Boe indes fand im Starkregen zu wenig Aufmerksamkeit.
Mit "Chariots of Fire" (Solo-Piccolo-Flöte: Melina Jäckel), "Sleigh Ride" (Schlittenglocken) mit Solist Finn Beinsen, "You raise me up" (Solo-Flöte: Michaela Kerkhoff, arrangiert von Patrik Wirth) und "Hallelujah" (besonders beklatschte Solo-Flöten: Christoph Bock und Dirk Manthey) und "Little Drummer Boy" (mit dem zwölfjährigen Finn Beinsen an der keinesfalls einfachen kleinen Solo-Trommel, arrangiert von Dirk Manthey) fand auch der zweite Teil des Konzertes einen so einfühlsamen wie im Repertoire auch internationalen Beginn.
Tribut an eine neue Weihnachtstradition war die Titelmelodie des tschechischen Märchenfilms "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" (Heiligabend um 20.15 Uhr wieder auf "einsfestival") mit Isabel Fichtner an der Solo-Piccolo-Flöte.
Ergreifend dann das "Ave Maria", erneut sicher und ausdrucksstark von Heike Köhler gesungen, aber in der Fassung von F. Schubert und dem Text (Gebetsbitte der ungewollt Schwangeren für ihr Kind) von Walter Scott.
Mit "In der Weihnachtsbäckerei" hatten die Besucher/innen in der Mitte des zweiten Teils schon einmal vorgeübt, "O du fröhliche . . .", "Macht hoch die Tür" und "Alle Jahre wieder" gingen dann so von den Lippen, dass auch dem singenden Publikum Anerkennung gebührte. Dass auch Musikdirektorin Dorothee Bock als Dirigentin die ihr gebührende Anerkennung erhielt, dafür sorgte der unaufdringlich alle wichtigen und interessanten Informationen vermittelnde Moderator (unsere Meinung: unbedingt wieder verpflichten!), für die Anerkennung der begeisternden Gesamtleistung dann der stehende Beifall des Publikums.