Am Sonntag (17. April 2016) wieder Botanische Führung durch die Höverschen Kippen

Projektleiter Karsten Poschadel von der BUND-Arbeitsgemeinschaft Naturschutz erläutert bei der morgigen Führung wieder die vielfältigen Maßnahmen, mit denen die AG dieses einzigartige Flora-Fauna-Habitat erhält. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Auch im Mergelbruch am Wegesrand gedeiht der Krähenfuß-Wegerich, dem zum Jubiläum der AG Naturschutz bereits zahlreiche Interessierte mit dem aus dem Fernsehen bekannten „Extrembotaniker“ Jürgen Feder (rechts) auf der Spur waren. (Foto: Susanna Veenhuis)

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - Spannende Exkursion zu „Pissnelke“ und „Stinkendem Storchschnabel“

SEHNDE (sv). Dass es an den Höverschen Kippen seltene Pflanzen zu bestaunen gibt, ist unter Wildpflanzenfans bekannt. Dies ist vor allem das Verdienst der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz, die nunmehr seit mehr als 25 Jahren unter anderem mit regelmäßigen Mäh-Aktionen auf dem schwierigen Gelände dafür sorgt, dass diese Naturschätze nicht von aufkommenden Büschen und Bäumen überwuchert und verdrängt werden.
Einen Eindruck von der Pflanzenvielfalt auf den Höverschen Kippen vermitelt eine weitere Botanische Führung am Sonntag, 17. April 2016. Treffpunkt für interessierte Teilnehmer/innen ist um 16.00 Uhr an der Bushaltestelle Hannoversche Straße/Petersweg in Höver.
Bereits am Vormittag ab 09.00 Uhr führt die AG Naturschutz auch wieder einen ihrer ehrenamtlichen Arbeitseinsätze zur Pflege dieses einzigartigen, seit 25 Jahren vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) angemieteten Biotops durch.
Die AG Naturschutz kann für die Pflegearbeiten gut Verstärkung gebrauchen. Wer mithelfen will, dieses Kleinod inmitten einer Industrie- und Ackerbaulandschaft zu erhalten, kann sich an Karsten Poschel unter Telefon (05132) 62 79 oder unter karsten.poschadel@uws-spielzeugwelt.de wenden.
Die Botanische Führung dieses Mal zur Nachmittagszeit ab 16.00 Uhr dürfte morgen wieder großes Interesse finden, wenn auch nicht so viel wie im vergangenen Jahr zum Jubiläum, als die AG Interessierte zu zwei Pflanzenexkursionen unter der Leitung des Botanikers Jürgen Feder eingeladen hatte.
Der Name des aus dem Fernsehen bekannten Pflanzenexperten zog. An den beiden sonntäglichen Exkursionen nahmen insgesamt 60 Personen teil. Und die zeigten sich nach drei mit Informationen, Entdeckungen und viel Humor vollgepackten Stunden auch nicht enttäuscht, im Gegenteil. Viele hatten Notizblöcke dabei und schrieben des Meisters Worte eifrig mit, machten auch zahlreiche Fotografien – teilweise von winzigen Pflänzchen, an denen man sonst achtlos vorübergegangen, womöglich sogar darauf getreten wäre.
Schon am Weg direkt neben der Mergelgrube gab es schon faszinierende Entdeckungen zu machen: Denn dort wuchs die Pflanze, der Jürgen Feder seine Berühmtheit verdankt: Als „Pissnelke“ bezeichnet er scherzhaft den Krähenfuß-Wegerich, ein salzliebendes Küstengewächs, das es dank seiner Samen in den Schmutzresten von Autoreifenprofilen entlang der Autobahn inzwischen von der See bis ins absolute Binnenland geschafft hat. Auf zugegeben etwas unappetitliche Art: Dort wächst er bevorzugt an Autobahn-Rasthäuschen, wo sich Autofahrer oft schon draußen an der Wand erleichtern – und so der Pflanze den nötigen Salzgehalt verschaffen.
Im angrenzenden hannoverschen Stadtwald „Gaim“ erfuhren die Exkursionsteilnehmer, dass es sich dabei um einen so genannten Niederwald handelte. „Das heißt, die Hannoveraner haben hier alle zehn bis 15 Jahre alles für Brennholz auf den Stock gesetzt und danach wieder wachsen lassen – bis zur nächsten Holzernte“, berichtete Karsten Poschadel, Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Lehrte/Sehnde des BUND (Bund Umwelt- und Naturschutz Deutschland).
Die AG Naturschutz kürzt die Bäume weiterhin regelmäßig, um das einzigartige Niederwald-Habitat für die typische Fauna und Flora und viele Rote-Liste-Arten daraus zu erhalten. Totholz verbleibt bisweilen an Ort und Stelle und bietet so vielen Tieren und Organismen Nahrung und Schutz.
Dass es an dieser Stelle überhaupt noch Wald gibt und nicht längst alle Bäume verdorrt sind, ist ebenfalls den fleißigen Naturschützern um Poschadel zu verdanken: Der Bach, der den Wald bewässerte, war durch den Bau des Mittellandkanals abgeschnitten; die AG Naturschutz setzte eine Wasserversorgung vom Kanals aus durch. Nun bewässert ein extra geschaffener Seitenarm des Mittellandkanals das Waldstück.
Hier lernten die Teilnehmer nicht nur die drei heimischen Ahornarten kennen – Spitzahorn, Bergahorn und Feldahorn – sondern entdeckten zwischen den Baumstämmen so manches bislang unbekannte Kraut. Wie beispielsweise das behaarte Sumpf-Vergissmeinnicht, den Stinkenden Storchschnabel, Hexenkraut, Teufelskralle und die giftige Einbeere. „Die wächst gern an etwas lichteren stellen – Sie können sie anwenden, um ihre Familie etwas auszulichten“, scherzte der Botaniker, dessen spannende, schnell getaktete Ausführungen die Gruppe eifrig verfolgte.
Nach Bärenschote und Bittersüßem Nachtschatten sahen die Sonntagsbotaniker auf den Höverschen Kippen auch seltene, teilweise unscheinbare Orchideen. Zwischenzeitlich sollte dort, wo der kalkhaltige Aushub vom Bau der Hindenburgschleuse seltenen Tier- und Pflanzenarten ein Refugium bietet, ein Kohlekraftwerk gebaut werden, berichtete Poschadel. Durch seinen Einsatz kann der BUND, der das rund zehn Hektar große Gelände gepachtet hat, dieses Habitat auch für viele vom Aussterben bedrohten Pflanzen und Tiere erhalten.