Wie Hauke Jagau die Region für den Zukunfts-Wettbewerb mit anderen Standorten fit macht . . .

Viele Themen wie die Rente mit 63 (Bund) oder die daniederliegende Halfpipe für Skater (Stadt), aber gar keine Probleme oder Beschwerden zur Region: Deren Präsident mag seinen Wahlkampfbesuch auch in Sehnde als Beleg dafür nehmen, dass die Einwohner mit der Region ganz zufrieden sind. (Foto: Walter Klinger)
 
Ganz besonders familiär war der Wahlkampf von Hauke Jagau (re.) in Sehnde: Die dortige Landtagsabgeordnete Silke Lesemann und andere Sehnder freuten sich auch über das (freiwillige) Wiedersehen mit Klaus Habenicht, der Fahrer von Jagau über 14 Jahre (davon zwei über die Rentengrenze hinaus). Für Hauke Jagau (bislang 1.800 Wahlkampfkilometer) hat sich der Ex-Sehnder nun während des Wahlkampfes wieder freiwillig ans Steuer gesetzt (daher das HH-Kennzeichen) - was ja einiges auch über die Qualitäten von Jagau (Foto: Walter Klinger)
Sehnde: Bürgertreff SPD Sehnde-Mitte |

Impressionen aus dem Wahlkampf: Regionspräsident von der SPD bindet Städte, Wrtschaft und Handwerk mit ein

SEHNDE/LEHRTE/REGION. Wie man kleinere Verwaltungseinheiten inklusive einer Großstadt in eine funktionierende Region umandelt, die ihren 21 zugehörigen Kommunen viele (Wahl-)Leistungen bietet, das wollen bei Besuchen in der jetzt im 14. Jahr bestehenden Region Hannover Fachdelegationen aus vieler Herren Länder wissen, zuletzt aus Finnland, aber auch Chinas Top-Verwaltungsfachleute waren schon da. Ganz und gar kein Fachchinesisch, sondern die Leistungsfähigkeit der Regionsverwaltung und -Betriebe für die 1,1 Millionen Einwohner der Region und deren gute Aufstellung im Wettbewerb mit anderen Regionen sind das Thema im derzeitigen Wahlkampf von Regionspräsident Hauke Jagau (SPD), der sich am Sonntag, 25. Mai, um die Wiederwahl bewirbt.
Zumal am gleichen Tag Europawahl ist, hat Jagau jetzt zusammen mit Ministerpräsident Stephan Weil und dem Präsidenten des Europaparlamentes, Martin Schulz, auf der großen Bühne am Kröpcke bisweilen auch ein Riesenpublikum. Mehr Zeit aber investiert der Präsident bei Besuchen vor Ort in der Region. Wobei der jetzt in Sehnde in die Wahlkampfannalen eingehen dürfte, denn erstmals in diesen Wochen beschien hier durchgehend und mit voller Kraft die Sonne ein - wie stets bei den Sehnder Sozialdemokraten - familiär-informatives Beisammensein an ihrem "Bürgertreff". Und auch einen Wahlkampfausflug auch in die benachbarte "Einkaufsmeile" Mittelstraße.
"Große" Politik, aber auch großes Bemühen um Vorsorge auch für die Attraktivität kleiner (Wohn-)Orte: Ganz besonders über die positiven Nachrichten vom Dorfladen Bolzum freut sich der Regionspräsident in Sehnde, ist hier doch wieder ein Beratungsangebot der Region vor Ort angekommen: Die Einzelhandelsversorgung auch im ländlichen Bereich ist ein wichtiges Anliegen, der Planungsdezernent der Region persönlich hat sich in Bolzum engagiert, jetzt ist die dortige Dorfladeninitiative gegründet und auch in Sachen Eigenfinanzierung auf einem guten Weg.
Zukunftsfähig aufgestellt will Jagau überhaupt die ganze Region sehen, Wettbewerbsfähigkeit stärken, zukunftsweisend steuern und alles dafür notwendige, fachlich fundiert, natürlich rechtzeitig auf den Weg bringen. Deshalb nimmt es Jagau auch überhaupt nicht übel, dass beim nächsten Termin wegen der spät kommunizierten Verlegung des Veranstaltungsortes von Steinwedel ins Lehrter Restaurant "Visier" nur eine Handvoll Genossen im Saal ist. Denn es handelt sich - Fraktionschef und Bürgermeister nach (Regen-)Wahlkampf jedoch sichtlich erkältet - allesamt um aktiv Mitwirkende beim Umsetzen der Anregungen und Modelle, für welche oft genug die Region vorgearbeitet hat.
Sehr zufrieden zeigt sich der Regionspräsident darüber, dass seine Verwaltung längst Fachdienst übergreifend und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen arbeite. "Es genügt nicht, nur die eigene direkte Zuständigkeit zu sehen", so Jagau. Und auch was die Sozialpsychologen beitrügen, mache die Interventionen zielgerichteter.
Dies auch für die 15 bis 20 Prozent der Jugendlichen ohne qualifizierten Schulabschluss, die besonders im Mittelpunkt abgestimmter Maßnahmen und Angebote stehen. Und gleichfalls für Schulschwänzer, die nun ihre "2. Chance" erhalten. Erfreut ist Jagau über die steigene Zahl von schon 35 Kooperationsverträgen zwischen Schulen, Behörden, Handwerk und Industrie, die Angebote für den Berufseinstieg schon während der Schulzeit möglich machen.
Frühe Förderung hilft: Wenn die Sprachschwäche erst bei der Schuleingangsuntersuchung festgestellt wird, ist es zu spät, schärft Jagau seinen Parteifreunden ein. Um früher einzusetzen, bietet die Region konkrete Unterstützung. "Man wirft der Region oft vor, dass wir zuviel Papier produzieren - aber auf dieser Vorarbeit fußend, können die Kommunen ihre eigenen Maßnahmen entwickeln". So erfreut es Jagau sichtlich, dass die Stadt Lehrte eigene Qualifizierungsmaßnahmen für ihre 170 Erzieher/innen umsetzt.
"Es ist nicht so, dass wir in der Region Däumchen drehen", sagt Jagau in Hinblick auf die Zukunftssicherung. Und nennt als Beispiel auch die Fachkräfteallianz in der Region, denn bei der Entscheidung wo sie arbeiten werden, werde für Qualifizierte künftig immer stärker die (Standort-)Attraktivität zählen, besonders ein qalifiziertes Kita- und Schulangebot.
Leistungsfähig im Wettbewerb mit anderen Standorten bleibe die Region besonders deshalb, weil sie ihr "Tafelsilber" wie Nahverkehr oder Abfallentsorgung eben nicht privat veräußert habe und damit in wichtigen Bereichen selbst gestalten könne. Die Übernahme der 250 Mitarbeiter aus den Jobcentern vergrößere zwar die Regionsverwaltung, böte durch die dort größere Nähe zu sozialen Fachdiensten aber auch die größere Chance für koordinierte Maßnahmen.
Für die Daseinsvorsorge gleichfalls wichtig auch die Krankenhäusern, deren - im übrigen ein landesweites - Problem die chronische Unterfinanzierung sei. Mit weiteren 30 Millionen Euro Investitionen vor allem in die medizinische Schwerpunktsetzung sei das Klinikum der Region aber auf einem Erfolg versprechenden Weg für den Erhalt der Versorgung in der Fläche. Das auch mit den Stimmen der Arbeitnehmerinnen im Aufsichtsrat beschlossene Zukunftskonzept ermögliche, dass in vier Jahren auch wieder schwarze Zahlen geschrieben werden könnten.
Unterstützt durch die Niedrigzinsphase, seien erneut die Nettokreditaufnahme zurückgefahren worden und habe im zweiten Jahr in Folge auch die zur Finanzierung der Region von den Kommunen erhobene Regionsumlage gesenkt werden können.
Und auch am anderen Ende der Alterspyramide treffe sich gebündeltes Handeln der Region mit akutem Bedarf: Gemeinsam mit "hannover impuls", der Gesellschaft, welche zugleich interessierte Unternehmensgründerinnen betreut, wird nun auch den 300 mittelständischen Firmen in der Region, die keinen Unternehmensnachfolger finden, Beratung und Vermittlung angeboten.
Nicht immer agiere die Region allein. Beim Engagement für flächendeckende Pflegestützpunkte direkt vor Ort etwa, zögen die Krankenkassen nicht bei der Finanzierung für jede Kommune mit. Schon das Ganze im Blick, aber im realen Konzept durch das von der CDU erzwungene Gerichtsurteil in ihren Maßnahmen beschränkt, sei die Region auch bei der Abfallentsorgung. Die Mitarbeiter von aha fühlten sich nach den jüngsten, eindeutig auf Verunsicherung zielenden Anwürfen des politischen Gegners von Teilen der Bevölkerung fast "wie Betrüger" angesehen. Dabei seien die Tonnen nach CE-Industrienorm auf genau 40 Liter ausgelegt, aber dazu zähle eben auch der Deckelinhalt.
Insgesamt 43 Tariflösungen habe aha nach dem Urteil nachgerechnet. Wenn jetzt jeder gewissermaßen "mit Schloss am Tonnendeckel" nur genau das zahlen wolle, was er an Abfall selbst produziere, gäbe es die beliebten Wertstoffhöfe und Grüngutsammelstellen nicht mehr. "Dann möchte ich mal sehen, was in der Region lost ist", sagt Jagau, "dabei machen wir das alles doch nur, damit unsere Städte und Straßen sauber bleiben. Und warum soll der Miethaushalt im Mehrfamilienhaus in Hannover für den Hauseigentümer mit Grundstück im Umland mitbezahlen?". Walter Klinger
BILDUNTERSCHRIFT:
Ganz besonders familiär war der Wahlkampf von Hauke Jagau (re.) in Sehnde: Die dortige Landtagsabgeordnete Silke Lesemann (li.) und andere Sehnder freuten sich riesig auch über das Wiedersehen mit Manfred Habenicht, der Fahrer von Jagau über 14 Jahre (davon zwei über die Rentengrenze hinaus). Für Hauke Jagau (in den letzten drei Wochen 1.800 Wahlkampfkilometer) hat sich der Ex-Sehnder nun während des Wahlkampfes wieder freiwillig ans Steuer gesetzt (daher das HH-Kennzeichen) - was ja einiges auch über die Qualitäten von Jagau als mitreißendem Chef aussagt . . . Foto: Walter Klinger