Mehr als 1.400 kamen zur Mai-Kundgebung in Lehrte

Erst nach vielen Erinnerungsfotos und Autogrammen konnte Sarah Wagenknecht (Mitte, links; hier im Gespräch mit Lehrtes DGB-Chef Reinhard Nold), aufs Podium. Erstmals gab es für die Lehrter Kundgebung die Auflage, eigene Ordner zu stellen. (Foto: Walter Klinger)
Lehrte: Rathausplatz Lehrte |

Deutliche Steigerung - Wagenknecht kritisiert Dumpingspirale

LEHRTE (kl). Großes Interesse für Flüchtlingsintegration, die Zukunft des Lehrter Krankenhauses und die aktuelle Lage der Arbeitnehmer/innen: Deren Löhne heute eine Kaufkraft wie vor 15 Jahren haben, kritisierte als Hauptrednerin Sarah Wagenknecht, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Partei "Die Linke" im Bundestag, bei der traditionellen Maikundgebung des DGB-Ortskartells Lehrte.
"Der Rathausplatz ist rappelvoll", freute sich Bürgermeister Klaus Sidortschuk (SPD): "Lehrte ist nach Hannover die größte Kundgebung in der Region". Mit 1.400 Besucher/innen war in diesem Jahr die Hälfte mehr gekommen, als noch im vergangenen Jahr. Wegen der erneut prominenten Rednerin? Weil die Lage insgesamt tatsächlich prekärer geworden ist?
Das Kanzlerinnenwort "Deutschland geht es gut!" empfindet die Linken-Politikerin Wagenknecht jedenfalls als zynisch. Und es waren sichtlich auch viele Sozialdemokraten, die ihr bei dieser Einschätzung in Lehrte zuklatschten.
Lehrtes Gewerkschaftschef Reinhard Nold hatte zuvor herausgestellt, mit dem hart umkämpften Mindestlohn bekämen jetzt 3,7 Millionen Menschen in Deutschland mehr als bisher. Davon dürfe es keine Ausnahme geben, waren sich Nold und Wagenknecht einig.
Reichen werde der Mindestlohn aber nicht. Nicht einmal dafür, dass Normalverdiener künftig nach 43 Jahren mit ihrer Rente das Niveau der jedem zustehende Grundsicherung erreichen, rechnet Wagenknecht vor.
Mit Minijobs, Hartz IV-Aufstockern und besten Voraussetzungen für Lohndumping hätten die Schröder- und Merkel-Regierungen der Wirtschaft einen "Roten Teppich" ausgelegt und den Überschuss erkauft. Längst sei die deutsche Dumping-Spirale nach Europa exportiert, vernichte in anderen Ländern lokale Märkte und soziale Standards.
Des einen Überschüsse seien der anderen Defizite. Wobei Staatsdefizite durch die nicht gezahlten Steuern der Reichen entstünden. Gehe es so weiter, besäße in zehn Jahren ein Prozent der Deutschen mehr Geld als der Rest der Bevölkerung, welche diesen Reichtum erarbeite. Eine Erhöhung der Erbschaftssteuer und die von der Linken geforderte Vermögensabgabe von fünf Prozent auf Millionenvermögen seien da nichts weiter als eine Rückgabe.
Thema bei der Maikundgebung waren auch das Klinikum Region Hannover, um dessen weiteres Vorgehen bei der "Medizinstrategie 2000" sich weitere Konflikte entzünden (siehe auch unter "Aus der Region").