„Wortstark“-Projekt zur alltagsintegrierten Sprachbildung für Kinder in Lehrte

Die Teilnehmerinnen der Weiterbildung „Wortstark in Lehrte“ sind in Sachen nachhaltige Sprachbildung fit: Der dritte Kursus zur „Alltagsintegrierten Sprachbildung“ nach Uwe Hügle (ganz links) ist abgeschlossen. (Foto: Susanna Veenhuis)

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - Stadt schult Kita-Mitarbeiterinnen gezielt zum Thema Sprachförderung

LEHRTE (sv). Der Schlüssel zu Bildung und Integration ist Sprache. Je früher das Sprechen und später auch Lesen gefördert werden, desto höher sind die Chancen eines Kindes auf eine gute Ausbildung. „Sprache als Schlüssel zur Bildung – Bildung als Tor zur Welt“ ist ein Informationsblatt überschrieben, das Eltern von Kindergartenkindern in Lehrte über das neue Sprachförderprojekt „Wortstark“ der Stadt Lehrte aufklärt.
Mit Abschluss des dritten Kurses haben bereits 60 Mitarbeiterinnen der Lehrter Kindertagesstätten das Training zur „Alltagsintegrierten Sprachbildung“ durchlaufen, dessen Konzept der Logopäde und Diplompädagoge Uwe Hügle entwickelt hat. Es gibt pädagogischen Fachkräften das nötige Rüstzeug an die Hand, um das Augenmerk gezielt auf Sprache, Sprachentwicklung und -förderung im alltäglichen Umgang mit den Kindern zu lenken. 30 Stunden beansprucht der Kursus. Dazu treffen sich jeweils 20 Mitarbeiterinnen im Landhotel Behre in Ahlten, um unter Anleitung Hügles fünf Module zu durchlaufen.
„Fünf Minuten pro Tag und Kind“ lautet (bitte Präsens) das zentrale Haupt-Postulat Hügles zur individuellen Entwicklungsbeobachtung und Dokumentation jedes Kindes. Durch dieses persönliche Widmen erfahren die Fachkräfte, womit sich das Kind aktuell befasst – vielleicht steht gerade ein Haustier im Zentrum seines Interesses, Monster oder aber andere Themen wie beispielsweise der Tod.
Sie ermuntern das Kind, dazu einen Themenkasten zu erstellen, in denen es zusammenträgt, was es zu diesem Thema interessiert und fasziniert. Einen hohen Stellenwert nehmen dazu Bilderbücher ein: Sind dazu passende Bücher vorhanden, haben die Kinder freien Zugang dazu? Auch mit Musik, Rhythmus und Rollenspielen kann das Thema aufgenommen werden.
„Wir beobachten in unseren Kitas allgemein eine Zunahme der sprachlichen Entwicklungsverzögerungen“, berichtet Karin Schulte-Derne, Fachberaterin für Kindertagesstätten bei der Stadt Lehrte. So gebe es neben Kindern mit migrationsbedingten Sprachproblemen auch immer häufiger Familien, in denen geschwiegen oder nur in Zwei-Wort-Sätzen und im Befehlston mit den Kindern kommuniziert werde – Beispiel: „Lass das! Hör auf! Schlaf jetzt!“
Bislang hatten speziell ausgebildete Pädagoginnen zur Sprachförderung die verschiedenen Kindergartengruppen aufgesucht, um stundenweise mit Kindern mit Sprachproblemen zu arbeiten – mit mäßigem Erfolg. Von der bislang vielfach erfolgreich angewandten Hügle-Methode verspricht sich Schulte-Derne eine weitaus intensivere und nachhaltigere Sprachbildung, zumal als unerlässlicher Faktor auch die persönliche Bindung des Kindes zu seiner Betreuungsperson einen großen Einfluss hat.
Das Land Niedersachsen fördert diese Kurse jeweils mit 6000 Euro. Insgesamt sind sechs dieser Fortbildungen geplant, um alle pädagogischen Mitarbeiterinnen der Kitas schulen zu können.