Weniger Angst tut gut – mit Sicherheit!

Will den Menschen die Angst nehmen: Dirk Jonas, Pastor an St. Pankratius Burgdorf und stellvertretender Superintendent. (Foto: Wolfgang Hornig)

Beitrag für die Rubrik „Glaubenssache“ von Dirk Jonas, Pastor an St. Pankratius Burgdorf und stellvertretender Superintendent

Angst scheint für viele Menschen im zu Ende gehenden Jahr eine ständige Begleiterin gewesen zu sein. Fast jeder dritte Deutsche fürchtet sich laut einer repräsentativen Umfrage, Opfer einer Straftat oder eines Gewaltverbrechens zu werden. Und das obwohl die Zahl der Straftaten in Deutschland seit zehn Jahren weitgehend unverändert, in manchen Bereichen sogar nachweislich deutlich gesunken ist. Jeder Dritte der Befragten schätzt die Wahrscheinlichkeit, direktes Opfer eines Terroranschlages zu werden, höher als 40% ein. Eigentlich müssten wir viel mehr Angst davor haben, hierzulande von einem Auto überfahren zu werden. Diese Wahrscheinlichkeit ist um ein Vielfaches höher bei uns.

Missverstehen Sie mich nicht: Ich sehe auch die medial berichteten Katastrophen und Bedrohungen. Ich kenne noch viel besser die persönlichen Ängste im Alltag, die Menschen umtreiben können. Nichts davon will ich bagatellisieren. Ich frage mich nur – gerade mit Blick auf das Jahr 2017 und das neue vor uns liegende Jahr 2018 mit seinen Herausforderungen: Wieso klaffen Realitätswahrnehmung und Angstempfinden oft so weit auseinander? Und dann schüren die Ängste (der einen) nur neue Ängste (bei anderen). Warum ist das so?

Das Gefühl der Angst ist nur bedingt kompatibel mit statistisch berechenbaren Wahrscheinlichkeiten. „Es reicht, dass wir den Eindruck haben, bedroht zu sein. Das ist von der Natur so vorgesehen und nicht unklug: Lieber einmal zu viel vor einem schwarzen Schatten weglaufen, der sich dann doch nicht als Bär entpuppt, als einmal zu wenig.“ (Bert Strebe, HAZ vom 11.11.2017, Seite 2).

Ich meine, wir sind klug beraten, im neuen Jahr sowohl im persönlichen Bereich als auch auf der Weltbühne nicht weniger wachsam, aber doch etwas präziser, etwas gelassener und etwas realitätsgebundener darauf zu schauen, was uns (und anderen Menschen) Angst macht.

Der katholische Theologe und Journalist Mattias Drobinski hat in einem Beitrag in der Süddeutschen Zeitung im Sommer, wie ich finde, dazu heilsam unterschieden zwischen einem Versicherungsglauben, der in unsicheren Zeiten immer an seine Grenzen kommt, ja letztlich nicht halten kann, was er suggeriert, und einem christlichen Glauben, der sich auf das Verunsichernde einlässt, der sich dem schwankenden Boden anvertraut – im Vertrauen darauf, das er trägt.

In christlicher Perspektive weist die biblische Jahreslosung für 2018 in dieselbe Richtung: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (Offenbarung 21,6)“.

Mit solchem Verunsicherungsglauben müsste jede Angst, die uns womöglich in das neue Jahr hinüber begleitet, ihren ihr zustehenden Platz zugewiesen werden können. Nicht mehr und nicht weniger.

Ich wünsche Ihnen etwas weniger Angst und sehr viel Gutes im neuen Jahr 2018.

Ihr Dirk Jonas
Pastor an St. Pankratius Burgdorf und stellvertretender Superintendent