Weitere 450 Flüchtlinge kommen bis Ende März in die Stadt Lehrte

Auch haupt- und ehrenamtliche Flüchtlinhsfelfer/innen waren unter den 350 Gästen des Neujahrsempfanges im Lehrter Kurt-Hirschfeld-Forum. (Foto: Walter Klinger)
Lehrte: Kurt-Hirschfeld-Forum |

Bürgermeister: Jeder muss Rechtsordnung anerkennen

LEHRTE (r/kl). Beim Neujahrsempfang der Stadt vor 350 geladenen Gästen am vergangenen Freitag im Kurt-Hirschfeld-Forum hat der Lehrter Bürgermeister Klaus Sidortschuk die Flüchtlingssituation vor Ort an den Beginn seines Jahresrückblicks gestellt.
"Beginnen möchte ich mit einem Thema, das nicht nur die Stadt Lehrte, sondern ganz Deutschland, Europa und die Welt intensiv beschäftigt hat. Ein Thema, das allgegenwärtig war und ist und vieles andere scheinbar zu verdrängen mag. Bei Allem war es DIE Herausforderung des Jahres 2015. Der große Zustrom von Menschen, die bei uns Schutz suchen. Und ohne anderem vorgreifen zu wollen, es wird auch in der vor uns liegenden Zeit wohl DIE Herausforderung für unsere Gemein-schaft bleiben.
Besonders sichtbar wurde die Situation bei uns in Lehrte mit den Sonderzügen, die am 29. September, 3. und 4. Oktober hier ankamen. Mehrere hundert Flüchtlinge sind hier in Busse zu den Erstaufnahmeeinrichtungen in ganz Norddeutschland umgestiegen. Bedanken möchte ich mich bei den vielen Helferinnen und Helfern, die bis spät in die Nacht und auch in aller Frühe die Stellung gehalten haben.
Für Lehrte sind mit Stand 31. Dezember 2015 insgesamt rund 820 Asylbewerber und Flüchtlinge erfasst, von denen über 470 in städtischen und von uns angemieteten Wohneinheiten untergebracht sind, rund 90 Prozent davon in der Kernstadt.
Wir konnten zwar die stark angestiegenen Aufnahmequoten 2015 erfüllen, mussten aber zusätzlich zur Absicht, die Menschen möglichst dezentral wohnen zu lassen, erste Gemeinschaftsunterkünfte auf dem ehemaligen Stadtwerkegelände und in der Nordstraße in Betrieb nehmen. Darüber habe ich die Anwohnerinnen und Anwohner jeweils in öffentlichen Versammlungen informiert.
Inzwischen liegt die neue Aufnahmeverpflichtung für das erste Quartal 2016 vor. Wir müssen danach weitere 405 Menschen aufnehmen. Die Steigerung wird besonders deutlich, wenn man sich die Entwicklung von August 2015 bis Januar 2016 vergegenwärtigt. Von 14 Menschen je Monat im August über dann etwa 90 je Monat im letzten Quartal 2015 sind wir jetzt bei 135 je Monat ab Januar 2016. Und eine gesicherte Prognose für die Zeit ab April 2016 gibt es nicht.
Um die Menschen weiter aufnehmen zu können, laufen Verhandlungen für Gewerbeobjekte, die entsprechend umgerüstet werden können. Außerdem werden wir weitere Container oder andere Modulbauten aufstellen müssen. Denn der Wohnungsmarkt bei uns ist nahezu erschöpft. Und eine langfristige Belegung von Sporthallen möchte ich weiterhin unbedingt vermeiden, kann sie aber dennoch nicht ausschließen. Das zu versprechen wäre unredlich!
Bereits im Mai wurde mit der „Lehrter Erklärung“ ein Zeichen „für Demokratie, Toleranz und Vielfalt“ gesetzt. Besonders danken möchte ich allen, die unsere neuen Einwohnerinnen und Einwohner willkommen heißen und darüber hinaus tatkräftig bei der Integration mithelfen. Sowohl die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch die vielen Ehrenamtlichen bei Hilfsorganisationen oder bei der Plattform „Lehrte hilft“ kommen an ihre Grenzen. Viele von ihnen sind heute hier unter uns. Vielen Dank, dass Sie sich so engagieren, denn ohne Sie können wir diese große Herausforderung nicht meistern!
Es wird am Ende nicht ausreichen, die Menschen hier willkommen zu heißen, ihnen Schutz und ein Dach über dem Kopf zu gewähren. Die größere Herausforderung wird sein, eine Integrationskultur zu entwickeln und zu leben, damit die Menschen, die lange oder dauerhaft bei uns bleiben werden, in die Lage kommen, aus eigener Kraft am wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben teilzuha-ben.
Genauso klar muss aber auch sein, dass sich die zu uns Kommenden auf das Leben und die Regeln in unserem Land auch einlassen. Und dafür ist die entscheidende Voraussetzung, dass unser Grundgesetz als unumstößliches Fundament unserer Rechtsordnung und damit als Rahmen für unser gesellschaftliches Zusammenleben von Jedem und Jeder anerkannt und beachtet wird", bekräftigte Sidortschuk.