Vor 170 Jahren traf der erste Zug in Lehrte ein . . .

Gewissermaßen ein interaktives Museum hat der Lehrter Bahnhof im Museumsstellwerk "Lpf" (auch am Sonntag, 27. Oktober, wieder Besuchertag von 10.00 bis 13.00 Uhr), wo im Obergeschoss (mit bestem Blick auf den heutigen Bahnhof) die Weichen noch per Hand gestellt werden können. (Foto: MEV Lehrte)
 
Der Bahnhof Lehrte in seiner Gründungszeit um 1843. (Foto: MEV Lehrte/Helmut Ehlen)
Lehrte: Museumsstellwerk Lpf |

Ein Beitrag von Helmut Ehlen (MEV Lehrte) - Blick zurück auf die Entwicklungsgeschichte des Bahnhofs

LEHRTE/HANNOVER. Vor genau 170 Jahren, am 22. Oktober 1843, fuhr der erste Zug nach Lehrte. Aus diesem Anlass hat Helmut Ehlen, einst selbst Eisenbahner und jetzt im Modelleisenbahnverein Lehrte aktiv, der das Museumsstellwerk "Lpf" betreibt, im folgenden Beitrag die wichtigsten Stationen der Geschichte des Lehrter Bahnhofes und seiner Geschichte zusammengefasst:
Nachdem 1835 die erste deutsche Eisenbahn eröffnet war, entstand der Plan, das Königreich Hannover durch eine Eisenbahn mit dem Herzogtum Braunschweig zu verbinden. Für den Streckenverlauf von Hannover nach Braunschweig gab es viele Varianten und Ideen verschiedener Planer.
Nach der Einigung über den Verlauf der Strecke wurde am 19. März 1841 mit Braunschweig ein Abkommen getroffen, die Eisenbahn von Hannover über Lehrte und Peine nach Braunschweig und von Hildesheim über Lehrte und Celle nach Harburg zu bauen.
Am 27. Juni 1841 gab König Ernst-August von Hannover bekannt, dass die Städte Hannover, Braunschweig, Celle und Hildesheim mit einer Kreuzbahn verbunden werden und die Linien sich bei Lehrte durchkreuzen sollen.
Die Bauarbeiten der ersten Eisenbahnstrecke von Hannover nach Braunschweig wurden am 18. Juli 1842 in Lehrte begonnen. Über die Gestaltung der Kreuzbahn in Lehrte gab es Schwierigkeiten, die aber durch Heranziehung ausländischer Techniker als Gutachter gelöst wurden, in dem man eine Imitation des schienengleichen Eisenbahnkreuzes von Mecheln in Nordbelgien plante.
Mit dem Bau des Bahnhofgebäudes wurde erst im Frühjahr 1844 begonnen. Am 22. Oktober 1843 traf der erste Zug von Hannover kommend in Lehrte ein.
Der Bau in Richtung Braunschweig wurde am 19. März 1844 vollendet. Die Strecke von Lehrte nach Celle wurde am 15. Oktober 1845 und die Strecke von Lehrte nach Hildesheim am 11. Juli 1846 eröffnet.
Der Kreuzbahnhof erhielt 1848 die erste Fernschreibvermittlung des Systems Morse. Am 1. November 1871 erfolgte die Eröffnung der Strecke von Berlin nach Lehrte und der vorgesehene „Berliner (Bahn) Hof“ wurde zur Güterabfertigung Lehrte. Durch die Zunahme des Zugverkehrs wurde der Bahnhof auf 7 Bahnsteiggleise erweitert und weitere Betriebsgleise angelegt. 1874 erhielt der Bahnhof als erster acht „Centralapparate“ von denen Weichen und Signale fern gestellt wurden, es waren die ersten Stellwerke.
1874 wurde auch der Bahnübergang von der Sedanstraße zur Germaniastraße durch einen Tunnel ersetzt, der 1974/75 erneuert und erweitert wurde. Zu dem einzigen Zugang zum Bahnhof, dem „Ziegenbocksweg“, wurde 1894 der Stadttunnel mit Treppenaufgang zum Bahnhof gebaut.
Gleichzeitig wurde am westlichen Ende der Bahnsteige ein Tunnel für den Zugang zu den einzelnen Bahnsteiggleisen angelegt. Dieser entfiel, als der „Stadttunnel“ 1979/1981 erneuert und erweitert wurde mit Treppenaufgängen und Fahrstühlen zu den einzelnen Bahnsteiggleisen.
Bis 1938 mussten alle Züge der Relation Hamburg - Hannover und umgekehrt im Bahnhof Lehrte Kopfmachen (Spitzkehre). Nach 1861 entstand westlich vom Bahnhof der Rangierbahnhof Lehrte, der 1906 selbstständig wurde und den Namen „Verschiebebahnhof Lehrte“ erhielt. Infolgedessen bekam der bisherige Bahnhof den Namen „Personenbahnhof Lehrte“.
Diese Namensänderung wurde durch die Stilllegung des Verschiebebahnhofs 1964 wieder aufgehoben und beide Bahnhöfe als „Bahnhof Lehrte“ vereinigt. Am 6. April 1965 war die Elektrifizierung des Bahnhofs vollzogen. Der Bahnübergang „Burgdorfer Straße“ wurde 1971 durch eine Unterführung ersetzt. Das Bahnbetriebswerk Lehrte wurde 1976 aufgelöst und 1977 war die Zeit der Dampflokomotiven zu Ende. 1981 wurde das neue Verkehrszentrum der Bahn mit Fahrkartenausgabe und für den Güterverkehr eingeweiht.
Durch die Erneuerung der Signaltechnik im Bahnhof Lehrte wurde am 27. Oktober 1986 das Spurplanstellwerk „Lf“ der Bauform SpDrS 600 in Betrieb genommen, das 14 noch vorhandene mechanische Stellwerke ersetzte. Das bisherige Fahrdienstleiterstellwerk "Lpf" von 1896 blieb mit seiner Technik von 1912 als einziges Stellwerk erhalten und wurde an den Modelleisenbahnverein Lehrte (MEV) vermietet. Dieser hat die Pflicht, das Stellwerk zu erhalten und es in „Museumsstellwerk Lpf“ umbenannt. In ihm befindet sich das Modell des Bahnhofs Lehrte von 1960 und ist an jedem 4. Sonntag des Monats von 10.00 bis 13.00 Uhr für Besucher geöffnet.
Am 27. Mai 1990 wurde die Strecke nach Hildesheim „Umfahrung Lehrte“ mit Wegfall des „Ziegenbockwegs“ und der Bahnübergänge „Ahltener Straße“ und „Iltener Straße“ eröffnet.1992 bis 1994 Bau der Unterführung mit Beseitigung des Bahnüberganges „Braunschweiger Straße“. 1997 wurde die Zufahrt (Westtangente) zum Güterverkehrszentrum (GVZ) durch Überbrückung des ehemaligen Verschiebebahnhofs gebaut.
Für den Ausbau der Schnellbahn Hannover-Berlin mit der „Durchfahrung Lehrte“, die am 27. September 1998 für den ICE-Verkehr in Betrieb ging, wurde der Spurplan von Lehrte erheblich verändert. Personen- und Güterverkehr wurden durch die Verlegung von Weichen auf die Strecke im Westen und durch Überwerfungsbauwerke im Osten von Lehrte entflochten.
ICE und IC fahren nun mit 120 km/h statt mit 80 km/h durch Lehrte. Die Bahnübergänge „Köthenwaldstraße“ und „Schillerstraße“ wurden durch Tunnel für Fußgänger und Radfahrer ersetzt.
Im Jahr 2000 wurde der S-Bahnverkehr eingeführt. Hierfür wurden die Bahnsteighöhen angepasst. Heute halten in Lehrte nur noch Züge des Regionalverkehrs sowie der S-Bahnlinien.
Durch die Umwandlung der DB in die Bahn AG wurde der Bahnhof Lehrte als Dienststelle aufgehoben und in das neue System integriert. Das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude von 1844 wird nur von Tauben im Dachgeschoss und der Bahnhofsmission am Gleis 11 genutzt.