Vergnügliche Erinnerungsarbeit: Reinkarnationen von Elvis auf der Spur

FIPS-Geschäftsführer Hans Jörg Fritzsche (v.l.) begrüßte Arndt Schulz, Wolfram Hänel und Hartmut El Kurdi zu einem äußerst vergnüglichen Lehrter Literatur-Abend. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Wieder aufgetaucht aus der Rund-um-Woodstock-Ära applaudierte des Publikum heftig. (Foto: Susanna Veenhuis)

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - Mit Wolfram Hänel, Hartmut El Kurdi und Arndt Schulz beim FIPS

LEHRTE (sv). Über mangelndes Besucherinteresse konnte der Verein FIPS (Verein zur Förderung und Integration psychisch Kranker) bei seinem diesjährigen Lehrter Literatur-Abend nicht klagen und die zahlreichen Besucher beschwerten sich auch nicht über Langeweile.
Im Gegenteil: Der Abend zwischen Storytelling, szenischer Lesung und literarischem Kabinett mit den beiden hannoverschen Schriftstellern und Bühnenautoren Wolfram Hänel und Hartmut El Kurdi sowie dem Rockmusiker Arndt Schulz geriet zu einer außerordentlich amüsanten Retrospektive über die Rockmusik der 1960er- und 70er-Jahre.
Allerdings musste Gastgeber und Geschäftsführer Hans-Jörg Fritzsche bei der Begrüßung von seinen Besuchern erst noch daran erinnert werden, dass dies eigentlich die 30. Geburtstagsfeier des Fips sein könnte. „Dann feiern wir das hiermit“, erweiterte der Fips-Chef kurzerhand die Bestimmung des Abends, um sogleich in die „wilden Zeiten“ mit Jimi Hendrix, Janis Joplin, Keith Richards, Bob Dylon und anderen prägenden Rock-Größen abzutauchen.
Doch für persönliche Erinnerungen war in der rasanten Show des Trios kein Platz. In ihrem Programm „Unter Geiern oder: Der Mann, der mit Jimi Hendrix tanzte“ überboten sich Hänel und El Kurdi an fantastischen, manchmal noch nie gehörten, oft intimen bis peinlichen Geschichten der Idole ihrer Jugendzeit.
Wer dann noch Erinnerungsnachhilfe brauchte, bekam sie von Arndt Schulz, der den musikalischen Teil der Rückschau mit Simon & Garfunkels „Boxer“ eröffnete – zumindest beim schlichten La-la-la-Kehrreim schonmal der erste Titel zum Mitsummen. „How many roads“, „Hey, Joe“ oder andere Kracher aus der So-um-Woodstock-Ära folgten, der Ex-Gitarrist der hannoverschen Rock-Gruppe Jane kannte und konnte sie natürlich alle.
Hänel gab gern und gut den Unsympathen als abgehalfterter Rock-Manager, der mit den drogengewohnten Stars harte Verhandlungen um Auftritte führen musste – so sie denn stattgefunden hatten und nicht wegen allzu großzügigen Drogenkonsums der Stars frühzeitig abgebrochen oder ganz ausgefallen waren.
El Kurdi, ebenfalls kundiger Gitarrenspieler und gelegentlich mit Schultz im Duett aktiv, forschte schon als Jugendlicher in seiner Heimatstadt Kassel möglichen Inkarnationen des King of Rock'n'Roll nach – denn Elvis ist selbstverständlich nicht tot.
Eine davon meinte er in einem örtlichen Rock-Hero ausfindig gemacht zu haben, der wie das Vorbild auf offener Bühne seine Gitarre zertrümmerte und in Flammen aufgehen ließ – bis er dessen betrügerischem Gitarrentausch auf die Spur kam.
Mögen auch die menschlichen Überreste jener viel zu früh dem Drogentod Erlegenen dahin sein, die Gips-Schwestern aus Chicago zogen sich in punkto Erinnerungsarbeit thematisch durch den Abend. Die beiden Groupies Cythia und Dianne gossen damals die besten Stücke ihrer berühmten Liebhaber in Gips ab und bewahrten, wenn nicht das Antlitz, so doch etwas für viele der seinerzeit Beteiligten Wichtiges für die Ewigkeit.
Nebenbei erfuhren die Besucher, dass Gorillas einen höheren IQ als die meisten Menschen haben. Als Bestätigung gab es ein Zitat von Ex-Kanzler Kohl: „Die Realität ist allemal schlimmer als die Wirklichkeit!“