Unvergessliche Blues-Reise entlang des Mississippi

Klaus „Mojo“ Kilian (links) und Bernd „Snoopy“ Simon unterhielten ihr Publikum im Anderen Kino aufs Beste mit Musik und Geschichten über amerikanische Bluesgrößen. (Foto: Susanne Veenhuis)

Gut 70 Besucher genossen das „Blues Special No. 2“

LEHRTE (sv). Darauf hatten sich viele Besucher im Anderen Kino gefreut: Auf einen gemütlichen Blues-Abend mit den „Down Home Percolators“ und ihrem Delta-Blues. Der Verein Blues in Lehrte hatte das Frankfurter Duo zum zweiten „Blues Special“ in dieser Saison zum Konzert eingeladen.
Und die Erwartungen der Besucher wurden aufs Angenehmste erfüllt: Der Bluesharp-Spieler Klaus Kilian und sein Partner Bernd Simon an der Gitarre nahmen sie mit auf eine unvergessliche musikalische und stilistische Zeitreise entlang des Mississippi – und unter anderem freilich auch nach Chicago.
Klaus „Mojo“ Kilian und „Snoopy“ alias Bernd Simon ließen berühmte Blues-Größen wie Big Bill Broonzy, die Chatmon-Brothers und deren Cousin Walter Vinson, Blind Boy Fuller, Big Joe Williams und viele andere aus den 1920-er bis 1960-er Jahren in deren Songs auf der Kino-Bühne wieder aufleben. Dabei brachten sie ausgezeichnete musikalische Qualitäten zum Einsatz – das gefühlvolle „One-note-fingerpicking“ auf der Akustik- und Resonator-Gitarre und eine sämtliche Gefühlslagen darstellenden Mundharmonika, die ausgezeichnete Stimme Kilians und zweistimmigen Gesang.
Robert Johnsons legendärer „Phonograph Blues“ voller sexueller Anspielungen fehlte im Programm ebenso wenig wie Broonzy's „I Feel So Good“ - „ein Beispiel für den Happy Blues, bei dem es mal um etwas Positives geht“, erklärte Simon.
„Man könnte glauben, der Mann spielt zwei Instrumente gleichzeitig, weil er den Bass immer durchlaufen lässt“, bescheinigte Besucher Jürgen Dämmer, der extra zu diesem Konzert aus Berlin angereist war, dem Gitarristen. Auch „Mojo“ Kilian kannte sich nicht nur mit der handlichen Blues-Harp aus, sondern verstand sich ebenso aufs Bottleneck-Gitarrenspiel und Fingerpicking wie sein Kollege, mit dem er schon seit 30 Jahren in der „Matchbox Blues Band“ zusammen spielt.
Das Können der beiden honorierte die Jury des Deutschen Schallplatten-Preises 2006 mit einem Preis für das erste Album „Homebrew“. „Ich habe sie in Osnabrück gehört und wollte sie sofort hierher holen, alles in allem hat das nun sieben Jahre gedauert“, sagte Bernd-Ulrich Ohr vom Bluesverein. Er freute sich über die gute Resonanz mit etwa 70 Gästen. Die hierzulande unbekannten Musiker hatten gegen starke Veranstaltungskonkurrenz anzutreten, dennoch kamen sogar noch in der Pause stetig weitere Besucher dazu.
„Des is ja mehr Begeisterung als bei der Meenzer Fasnacht hier“, sagte Simon in typisch hessischem Idiom, das sich beim Singen allerdings nicht bemerkbar machte. Denn ohne Zugaben mochte das Publikum die beiden Blueser nicht ziehen lassen.
Treue und frisch gewonnene Fans können sich auf ein Wiedersehen am 17. Dezember freuen. Dann sind die „Down Home Percolators“ zusammen mit dem „Frank-Muschalle-Trio“ bei den Jazzfreunden Burgdorf zu Gast.