„Unser Ziel: Weniger schwere Lkw-Unfälle auf der A 2"

Das Interesse am gefährlichsten Abschnitt der A 2 ist groß: Vor einem starken Medienaufgebot erläuterte Landesverkehrsminister Olaf Lies die zu einem ganzen Bündel von Verkehrssicherheitsmaßnahmen gehörende präventive Plakataktion. Rechts im Bild Ministeriumssprecher Stefan Wittke, dem die Gefahren auf der hiesigen A 2 schon seit seiner Zeit als Lehrter Lokalredakteur vertraut sind. (Foto: Walter Klinger)
 
Interessante Selbsteinschätzung: Noch viel drastischer müssten die Plakatmotive (im Hintergrund) sein, forderten polnische Lkw-Fahrer von Polizeioberrätin Nicola Simon vom Landesinnenministerium. Schocker-Motive aber, so sagten bei der Motivauswahl Experten, hätten nur dann Sinn, wenn es eine persönliche Nachbereitung gibt. Wie aber sollte das gehen bei im Schnitt bis zu täglich 92.000 Verkehrsteilnehmern täglich . . . (Foto: Walter Klinger)

Minister Olaf Lies enthüllt in Lehrte neue Plakate für mehr Verkehrssicherheit

LEHRTE (r/kl). Verkehrsminister Olaf Lies hat am Montag am Rasthof "Lehrter See" eine neue Plakat-Kampagne für mehr Verkehrssicherheit auf der Autobahn 2 vorgestellt. Die Plakat-Aktion ist eines der Resultate des „Runden Tisches A 2" von Ende Mai mit Verkehrsminister Olaf Lies und Innenminister Boris Pistorius. Weitere Verbesserungen sollen folgen.
Anlass des Runden Tisches zu den Autobahnunfällen mit Vertreter/innen der Autobahnpolizei, der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, der Landesverkehrswacht, des ADAC und des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Nord (GVN) war eine Häufung schwerer Auffahrunfälle von Lastwagen am Ende von Baustellenstaus.
Insgesamt haben sich nach Polizeiangaben auf der A 2 zwischen Hämelerwald und Garbsen seit dem 1. April, dem Beginn der ersten von bisher drei Baustellen, zehn schwere Lkw-Unfälle ereignet, davon sechs Auffahrunfälle.
Die Verantwortlichen in Landesregierung, Fachbehörden und Verbänden haben sich auf ein Maßnahmenpaket verständigt, mit dem dieses Unfallrisiko verringert und damit insgesamt die Sicherheit auf der A 2 erhöht werden soll.
Dazu gehört die jetzt gestartete Plakat-Aktion von Verkehrsministerium, Landesstraßenbaubehörde und Landesverkehrswacht:
Drei 3 x 4 Meter große Plakatewarnen jetzt besonders die Lkw-Fahrer dreisprachig, zunächst auf der A 2 in Fahrtrichtung Westen, vor den Unfallgefahren durch zu geringen Sicherheitsabstand.
Die Schilder zeigen eine inhaltlich zusammenhängende Serie: 1. Eine Stausituation, 2. Zu dicht auffahrende Lastwagen, 3. Einen Lkw-Unfall. Die Plakatserie ist im ersten Schritt im Bereich des Rasthofes "Lehrter See" in Fahrtrichtung Hannover-Dortmund aufgestellt.
Das Besondere an diesen Plakaten: Sie sind künftig an verschiedenen Orten einsetzbar, können und sollen auch an anderen Autobahnbaustellen in Niedersachsen eingesetzt werden - jeweils dort, wo Staus und eine erhöhte Unfallgefahr zu erwarten sind.
Aktuell wird bei Langenhagen die nächste Baustelle auf der A 2 eingerichtet, daher der Beginn der Plakat-Aktion zum jetzigen Zeitpunkt und an dieser Stelle. An drei bisherigen A2-Baustellen (Hämelerwald Richtung Braunschweig, Bothfeld und bei Herrenhausen in Richtung Westen) werden die Arbeiten jetzt beendet.
Die weiteren Maßnahmen des Runden Tisches:
Die Polizei hat auf der A 2 die Verkehrsüberwachung verstärkt. In den vergangenen Wochen haben vier Abstands- und Geschwindigkeitskontrollen auf der A 2 im Raum Hannover stattgefunden. Dabei hat die Polizei insgesamt rund 700 Verdachtsfälle registriert.
Eine weitere Maßnahme ist das Einrichten von Tempolimits schon im Vorfeld von Baustellen. Bei größeren Baumaßnahmen auf der A 2 wird je nach Situation jetzt schon einige Kilometer vor Beginn der Baustelle ein Tempolimit (60 km/h für Lastkraftwagen, Tempo 100 für Pkws) angeordnet. Dies soll dazu führen, dass der Verkehr langsamer und homogener an das Stauende heranführt wird.
Darüber hinaus setzen sich die Beteiligten des Runden Tisches langfristig für folgende Maßnahmen ein:
• eine schnellere Durchdringung der Fahrzeugflotten mit Fahrerassistenzsystemen (insbesondere Notbrems-Assistenten) sowie eine Nutzungsverpflichtung und eine bessere Qualität der Systeme,
• die Einführung von Abstandswarnern,
• eine spürbare Erhöhung der Bußgelder insbesondere für Abstandsverstöße von Lkw (und eine Verfolgbarkeit der Verstöße auch im Ausland - Enforcement-Richtlinie),
• den achtstreifigen Ausbau der A 2 im Bereich Hannover, und
• die Modernisierung der bestehenden Streckenbeeinflussungsanlage, um intelligentere Schaltung zu ermöglichen.
Verkehrsminister Olaf Lies erklärte heute: „Jeder Unfall ist einer zu viel. Und gerade die Auffahrunfälle am Stauende haben oft sehr gravierende Folgen. Ich hoffe deshalb sehr, dass unsere Maßnahmen Erfolg haben werden. Seit Einführung der Tempo-60-Regelung scheint sich bereits eine leichte Entspannung der Lage abzuzeichnen.
Wir werden aber die Situation weiter sehr genau beobachten. Mit der Plakat-Aktion wollen wir die Aufmerksamkeit der Lkw-Fahrer jetzt noch mehr erhöhen. Ich setze darauf, dass alle Verkehrsteilnehmer und besonders Trucker die Warnung ernst nehmen und so am Ende schwere Unfälle vermieden werden."
Heiner Bartling, Präsident der Landesverkehrswacht Niedersachen, betonte zu der Aktion: „Mit derartigen Appellen an die Verkehrsteilnehmer haben wir an anderen unfallträchtigen Strecken positive Ergebnisse erzielt. Wir wollen auch hier den Lkw-Fahrern vermitteln, dass ein Unfall auf der A 2 ein reales Risiko und nicht nur eine theoretische Gefahr ist.
Nur durch angemessenes Verhalten lässt sich das Risiko minimieren. Die Fahrer müssen verstehen: wer unaufmerksam ist und nicht den nötigen Abstand einhält, spielt mit seinem Leben."