Umschlagkapazität der MegaHub-Anlage Lehrte wird drei Mal so hoch!

Die bislang von den Bauverantwortlichen der Bahn (rechts) bei den Infoveranstaltungen den Bürgern und Bürgermeister Klaus Sidortschuk (2.v.l., hinten) genannten Zahlen zur MegaHub-Anlage stimmen nicht - sie liegen drei Mal so hoch! (Foto: Archiv/Walter Klinger)

Bahn korrigiert auf Anfrage ihre Zahlen - Bürgermeister empört

LEHRTE (r/kl). Nachdem Anfang März bei der Informationsveranstaltung der Deutschen Bahn am die erwartete Zahl der Ladeeinheiten (LE) mit 135.000 LE/Jahr für die Verladung Schiene/Schiene und mit 35.000 LE/Jahr für die Verladung Schiene/Straße (gesamt 170.000 LE/Jahr) als Startszenario angegeben wurde, sah sich die Stadt Lehrte veranlasst, sich an den zuständigen Projektleiter bei der DB ProjektBau zu wenden und die nach oben abweichenden Zahlen zu hinterfragen. Denn im Vorfeld der Informationsveranstaltung wurden seitens der Bahn bei allen Veranstaltungen und Arbeitsgesprächen immer niedrige Zahlen kommuniziert, konkret 100.000 LE/Jahr im Umschlag Schiene/Schiene und 30.000 LE/Jahr im Umschlag Schiene/Straße (gesamt 130.000 LE/Jahr).
"Die Antwort der DB ProjektBau hat im Rathaus für Empörung gesorgt. Es wurde mitgeteilt, dass die MegaHub-Anlage eine deutlich höhere Kapazität haben wird als bislang kommuniziert, konkret 245.000 LE/Jahr im Schiene/Schiene-Umschlag sowie von 100.000 LE/Jahr im Schiene/Straße-Umschlag (gesamt 345.000 LE/Jahr).
Dies bedeutet nahezu eine Verdreifachung der bisher der Stadt Lehrte genannten und auch seitens der Bahn öffentlich dargestellten Kapazität der Anlage mit allen damit einhergehenden Belastungen," informiert Stadtsprecher Fabian Nolting.
In einem Schreiben an den Konzernbeauftragten der DB für den Bereich Niedersachsen/Bremen, Ulrich Bischoping, hat Bürgermeister Sidortschuk am Donnerstag deshalb seinen Unmut über die Vorgehensweise und den Umgang mit der Stadt Lehrte als Verfahrensbeteiligte kund getan.
Darin wurde deutlich gemacht, dass es absolut inakzeptabel ist, diese bereits bekannten Zahlen der Öffentlichkeit und auch den Gremien der Stadt Lehrte vorzuenthalten und auf gezielte Nachfrage mit deutlich niedrigeren Zahlen zu agieren. Schließlich habe die Prognose der Umschlagmengen der geplanten MegaHub-Anlage erhebliche Auswirkungen auf die zu erwartenden Lärm- und Verkehrsbelastungen. Weiter hat der Bürgermeister erhebliche Bedenken geäußert, ob unter diesen Voraussetzungen das Verfahren zur Realisierung der MegaHub-Anlage rechtlich einwandfrei durchgeführt wurde.
Eine Durchschrift dieses Schreibens wurde an das Eisenbahn-Bundesamt (Aufsichtsbehörde über das Verfahren) mit der dringenden Bitte übersandt, die vom Projektträger benannten Änderungen nicht in vereinfachten Verfahren durchzuführen sondern in solchen mit Öffentlichkeitsbeteiligung.
In weiteren Schreiben an den Landeswirtschaftsminister, die örtlichen Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie den Regionspräsidenten wurde die politische Unterstützung für ein vollständig transparentes Verfahren unter Beteiligung der Öffentlichkeit eingefordert.
"Zwischenzeitlich ist bei der Stadt Lehrte leider der Eindruck entstanden, dass die Projektverantwortlichen der DB den Lehrterinnen und Lehrtern vorsätzlich wesentliche Daten vorenthalten haben", so Nolting.

ZUM HINTERGRUND (Bericht von unserem Mitarbeiter Horst-Dieter Brand über die Info-Veranstaltung der Deutschen Bahn am 6. März im Kurt-Hirschfeld-Forum Lehrte):
Trotz umfassender Informationen bleiben für die Ahltener ihre Sorgen
Deutsche Bahn wartet mit viel Zahlen- und Bildmaterial zur MegaHub-Anlage auf
LEHRTE (hdb). Ahltens Ortsbürgermeister Jürgen Kelich und Rathaus-Chef Klaus Sidortschuk sind sich einig: Die Bahn zeigte sich diesmal bei einer Informationsveranstaltung zur MegaHub-Anlage deutlich besser vorbereitet als bei früheren Anlässen. „Aber die großen Sorgen vieler Ahltener bleiben“, fasste Sidortschuk seine Eindrücke nach der fast dreistündigen Bahn-Präsentation zusammen.
Viel weitestgehende bekanntes Zahlen-, Bild- und Filmmaterial mussten die etwa 160 Besucher der Info-Veranstaltung im Kurt-Hirschfeld-Forum über sich ergehen lassen, ehe sie die unter ihren Nägeln brennenden Fragen an die DB-Experten stellen konnten. Diese hatten zu möglichen Befürchtungen über mehr Lärm, zunehmenden Lastwagenverkehr und Beeinträchtigungen durch nächtliche Beleuchtung beschwichtigende Nachrichten. Als „verschwindend gering“ stufte der Bahn-Vertreter die Lärmemission durch den Containerumschlag im 24-Stunden-Betrieb.
Während die Bahn für die Ortschaft Aligse keinen Anspruch auf passiven Lärmschutz zugestand, sind in Ahltens „Sternenviertel“ immerhin 55 Anwohner betroffen, weil die geltenden Dezibel-Werte überschritten werden. Die Hauseigentümer haben Anspruch auf passiven Schallschutz. Das trifft ganz besonders auf ein Wohnhaus am Eisenbahnlängsweg zu, das nach Bahn-Angaben bereits in den Genuss von Sanierungsmaßnahmen gekommen sein soll. Nach Recherchen des MARKTSPIEGEL trifft das aber nicht zu.
Das längst planfestgestellte Vorhaben hat bereits die ersten Spuren hinterlassen. Die Flächenrodung sei abgeschlossen, erfuhren die Zuhörer. Der eigentliche Baubeginn steht in den kommenden Wochen bevor, 2016 soll der Probebetrieb aufgenommen werden. 2017 soll die MegaHub-Anlage dann im Vollbetrieb laufen – mit maximal acht Güterzügen mehr tagsüber und 24 in der Nacht.
Sidortschuk sagte auf Anfrage, das Eisenbahnbundesamt habe bisher auf die Stellungnahme der Stadt zu dem vereinfachten Verfahren noch nicht reagiert. Kürzlich hatten der Bauausschuss und der Ortsrat Ahlten gemeinsam ein zusätzliches Schallgutachten gefordert. „Es gibt noch keine Entscheidung“, sagte der Bürgermeister. Der Ortsrat Ahlten, der nach der Informationsveranstaltung turnusmäßig tagte, sagte laut Ortsbürgermeister Jürgen Kelich besorgten Einwohnern in der Fragestunde zu, das Projekt „sorgfältig zu begleiten“.