SPD-Landespolitiker zu Gast im Amtsgericht

Direktor Robert Glaß (links) erläutert mit seinem Stellvertreter Uwe Bengsch (3.v.r.) und Geschäftsleiterin Melanie Schwede (4.v.r.) den SPD-Politikern (von rechts) Silke Lesemann, Michael Hans Höntsch, Stefan Politze und Marco Brunotte den Amtsgerichtsalltag. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Offenes Ohr für die wachsenden Alltagsprobleme

LEHRTE (hdb). Das 1968 errichtete Gebäude ist in die Jahre gekommen. Die Personaldecke ist zu dünn. Die Verfahren wurden mehr und immer komplexer: Alltagssorgen des Amtsgerichtes Lehrte haben sich SPD-Landespolitiker bei einem Besuch vor Ort von Direktor Robert Glaß schildern lassen.
„Wir müssen die dritte Gewalt stärken“, zeigte sich Silke Lesemann (Bolzum) bei ihrem Fazit überzeugt. Das gelinge letztlich nur über den Landeshaushalt, war sich das Quartett - neben Lesemann noch Michael Hans Höntsch, Marco Brunotte und Stefan Politze - einig. Eine Standortdiskussion wie beim Lehrter Krankenhaus wollten sie gar nicht erst aufkommen lassen. „Die dritte Gewalt muss vor Ort sichtbar und wirksam sein, und deshalb sind dezentrale Standorte wichtig“, machte Marco Brunotte unmissverständlich deutlich.
Deutliche Worte fanden auch Amtsgerichtdirektor Robert Glaß, sein Stellvertreter Uwe Bengsch und Geschäftsleiterin Melanie Schewe in dem Gedankenaustausch mit den Landespolitikern. „Im Hinblick auf die gestiegene Qualität und Kompliziertheit der Verfahren haben wir zu wenig Personal“, wies Glaß auf die dünn gewordene Personaldecke hin.
In Zahlen: Von früher mehr als 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Stammbelegschaft auf 44 Personen gesunken. Gleichzeitig aber ist deren Belastung mit bis zu 700 Zivilverfahren, rund 500 Strafverfahren und etwa 2.200 Betreuungsverfahren pro Jahr erheblich gestiegen, bedingt auch durch das Klinikum Wahrendorff und die Sehnder Justizvollzugsanstalt.
Als „Dienstleister vor Ort“ wollte Uwe Bengsch das Amtsgericht verstanden und geschätzt wissen. Nach der Besichtigung des großen Gerichtssaales und sogar der Verwahrzelle im Keller sowie Hinweisen unter anderem auf einen Nachholbedarf bei der Barrierefreiheit war Silke Lesemann beeindruckt: Sie habe jetzt ein viel besseres Verständnis für die Sorgen der Justiz und könne künftig guten Gewissens im Parlament die Hand heben, wenn für mehr Personal mehr Geld gefordert werde.