SPD, Jusos und Grüne fordern Erhalt des Klinikums in Lehrte

In etwa sechs Jahren das "Aus" für das Krankenhaus mitten in der Stadt? Das Klinikum Region Hannover diskutiert die Schließung seines Klinikums in Lehrte (unser Foto) - auch im benachbarten Sehnde haben diese Pläne erschrecken ausgelöst. (Foto: Walter Klinger)
Lehrte: Klinikum Region Hannover Lehrte |

Resolution im Rat angekündigt - Mittwochabend erstes Protesttreffen

LEHRTE/REGION (r/kl). Der jetzt als Teil der „Medizinstrategie 2020“ bekannt gewordene Vorschlag der Geschäftsführung des Klinikums Region Hannover (KRH), das Klinikum Lehrte in etwa sechs Jahren zu schließen, ebenso das Krankenhaus in Großburgwedel, und in Burgdorf oder Isernhagen in der Zwischenzeit ein neues zentrales Klinikum für den Ostkreis Hannover zu bauen, wird von der Lehrter SPD, ihrer Nachfolgeorganisations Jusos und den Grünen entschieden abgelehnt.
„Für uns ist eine qualifizierte, wohnortnahe Krankenhausversorgung für Lehrte mit seinen umliegenden Ortschaften auch in Zukunft unverzichtbar“, bekräftigt dazu der SPD-Vorsitzende Bodo Wiechmann.
"Neben der medizinischen Versorgung gehe es auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen und Wertschöpfung durch einen der größten Arbeitgeber Lehrtes", ergänzt der SPD-Landesvorsitzende für Arbeitnehmerfragen, Hans-Jürgen Licht. Die Lehrter SPD werde sich auf allen Ebenen für den Erhalt des Klinikums Lehrte einsetzen.
Erste Maßnahme sei das Einbringen einer entsprechenden Resolution in den Lehrter Rat. Umgehende Gespräche mit der SPD-Regionsfraktion und dem Personalrat des Klinikums Lehrte sollen folgen. Unter anderem wollen die Sozialdemokraten wissen, welche Alternativen untersucht wurden und welche Bewertungs- und Auswahlkriterien angelegt wurden.
"Vollkommen unverständlich wäre eine Schließung nicht zuletzt auch deshalb, weil gerade in den letzten zwei Jahren knapp fünf Millionen Euro in den Umbau der Operationssäle investiert wurden", ergänzt Ekkehard Bock-Wegener, Vorsitzender der SPD Lehrte-Kernstadt.
Auf das Bekanntwerden der Pläne der Geschäftsführung des Regionsklinikums, das Lehrter Krankenhaus zu schließen, haben auch die Lehrter Jusos mit Empörung reagiert. Gleichzeitig forderten sie Regionspräsident Hauke Jagau auf, dass Lehrter Krankenhaus zu erhalten.
Noch im Regionswahlkampf hatte sich Hauke Jagau hinter alle Regionskrankenhäuser gestellt und gesagt, dass das Klinikum bald wieder schwarze Zahlen schreiben werde, sodass keines der Krankenhäuser geschlossen werden müsse. „Diese Aussagen werden nun infrage gestellt“, so Juso-Sprecher Christoph Lokotsch.
Aus Sicht der Jusos ist eine wohnortnahe medizinische Versorgung im Osten der Region Hannover von elementarer Bedeutung. Auch gehört eine flächendeckende Versorgung innerhalb der Region dazu, die nicht mehr gewährleistet sei, wenn das nächste Krankenhaus in Laatzen oder Isernhagen steht
„Es darf nicht sein, dass die gesamte östliche Region - mit Burgdorf, Sehnde, Uetze und Lehrte, also mit über 115.000 Einwohnern - abgehängt wird und der Transport zum nächsten Krankenhaus plötzlich 20 Minuten dauert“, ergänzte Annika Melles, ebenfalls Sprecherin der Lehrter Jusos.
Einen weiteren Aspekt, der zu berücksichtigen sei, liege in der umfangreichen Lehrter Infrastruktur. Die Autobahnen A2 und A7, zusätzlich fünf Eisenbahnlinien und die Mega-Hub befinden sich in Lehrte. „Ich warne die Geschäftsführung des Klinikums angesichts dieser potenziellen Gefahrenstellen eindringlich davor, dass Lehrter Krankenhaus zu schließen.
"Auf der A2 passieren jede Woche zum Teil massive Unfälle, da muss die Region die Situation nicht noch mehr verschärfen“, äußert André Tepper, Juso-Mitglied und Bürgervertreter im Verkehrsausschuss, seinen Unmut.
Bereits am Mittwoch, 15. Oktober, wollen die Jusos ab 18.30 Uhr im Lehrter SPD-Bürgerbüro in der Bahnhofstraße 2 (gegenüber dem Rathaus) beraten, wie der Erhalt des Lehrter Krankenhauses sichergestellt werden kann. Weitere am Thema Interessierte sind herzlich willkommen.
Zur aktuellen Diskussion um die möglichen Schließung des Lehrter Krankenhaus, welche aus Grüner Sicht nicht hinnehmbar ist, gibt es folgende Erklärungen von Thomas Schremmer (Landtagsabgeordneter), Doris Klawunde (Regionsabgeordnete und Ratsfrau der Stadt Lehrte) und Ronald Schütz (Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat Lehrte).
Thomas Schremmer, Landtagsabgeordneter, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Sprecher für Arbeitsmarkt, Öffentliches Dienstrecht, Gesundheit, Psychiatrie, Bauen und Wohnen:
„In der zweifellos auch für das KRH wichtigen Krankenhausstrukturdiskussion als erstes ohne Beteiligung der Betroffenen über den Standort Lehrte öffentlich zu spekulieren, halte ich für falsch. Natürlich ist es notwendig, das KRH wie andere Häuser in Niedersachsen an die Versorgungsbedarfe anzupassen und wirtschaftlich zu stärken. Dafür ist aber in erster Linie endlich ein Gesamtkonzept für die Region aufzustellen und insbesondere mit allen Beteiligten zu einigen!
Ein Gerede um einen möglichen Neubau an anderen Standorten trägt dazu weder bei, noch gibt es Hinweise auf realistische Finanzierungsmöglichkeiten durch Kommune oder Land! Besser wäre es, das Krankenhaus Lehrte unter Berücksichtigung der vergangenen Investitionen aktiv in ein Gesamtkonzept einzubeziehen und mögliche Erweiterungen ins Auge zu fassen!“
Doris Klawunde, Regionsabgeordneten und Ratsfrau der Stadt Lehrte:
„Die in den letzten Jahren erfolgten erheblichen Investitionen in die Modernisierung und die hervorragende medizinische und pflegerische Versorgung haben das Lehrter Krankenhaus zu einem unverzichtbaren Gesundheitsstandort geprägt. Eine Schließung des Standortes ist nicht nachvollziehbar, hinnehmbar und überhaupt in keinen politischen Gremien je erörtert worden.
Ich erwarte, das den Spekulationen ein Ende gesetzt werden und Politik, Verwaltung, Bürgerinnen und Bürger umfassend über etwaige Pläne informiert werden und einbezogen. Eine Verunsicherung für die Patientinnen und Patienten, auch der Beschäftigten ist nicht hinnehmbar.“
Ronald Schütz, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat Lehrte: „Lehrte ist der optimale Standort im Osten der Region Hannover für ein Klinikum. Bestens erschlossen mit Bus, Bahn und Autobahn, eine Stadt mit kurzen Wegen. Hier über die komplette Aufgabe des Standortes nachzudenken verbietet sich von selbst", so Ronald Schütz.