So stark war die Feuerwehr Steinwedel noch nie gefordert

Die bei der Jahresversammlung beförderten Steinwedeler Feuerwehrleute: Felix Ranft (v.l.), Adriano Fraterrigo, Jan Buhndorf, Arndt Lahmann, Berrit Böttcher, Alexander Gill, Silas Wehrmann, Jonas Grosse und Kai Böttcher. (Foto: Feuerwehr Steinwedel)

Versicherung deckt „Schnuppereinsatz" von Flüchtlingen nicht

STEINWEDEL (r/kl). Fast hätte es bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Steinwedel ein Rekordhoch gegeben, waren im Jahr 2015 haben doch 60 Einsätze abzuleisten, 16 mehr als 2014 und zugleich die Höchstzahl seit Bestehen der Ortsfeuerwehr Steinwedel. Den Chronisten hätte es dazu gefreut, wäre dies nicht die 114, sondern wegen der Optik schon die 115. Jahresbilanz in Steinwedel gewesen - und hätte es statt annährend doch genau 10.000 Arbeitsstunden der Aktiven gegeben ...
Jeweils zu einem Drittel bilanzierte Ortsbrandmeister Kai Böttcher technische Hilfeleistungen (22) und nachbarschaftliche Löschhilfen (23) bei den Einsätzen. Bei 779 Einsatzstunden leisteten, inklusive Kinderfeuerwehr, die Steinwedeler Aktiven insgesamt 9.829 ehrenamtliche Dienststunden.
Kein Aprilscherz waren an genau diesem Wochenende 2015 die acht Einsätze aufgrund einer Sturm- und Unwetterlage. Hier ging es hauptsächlich darum, herab gestürzte oder umgekippte Bäume zu beseitigen.
In einem sehr persönlichen Schreiben hat sich die am 16. April 2015 vom nächtlichen Brand ihres Einfamilienhauses betroffene Röddenser Familie bei den Steinwedeler Feuerwehrleuten bedankt. Zwar konnten auch mehreren Ortswehren das Haus nicht retten, aber viel persönliches Hab und Gut bergen.
Am 23. Juli und 16. Oktober haben Aktive der Steinwedeler Wehr an Gefahrguteinsätzen auf der Autobahn 2 teilgenommen. „Die Einsätze dauerten gute 11 und 13 Stunden und waren personell sowie auch materiell intensiv", berichtete der Ortsbrandmeister.
Von umgekippten Bäumen, Wasserschäden, Flächenbränden bis zum Wohnungsbrand und der Weiterleitung von mit Zügen in Lehrte ankommenden Flüchtlingen war wieder die komplette Breite der Aufgaben einer Ortsfeuerwehr abzuleisten.
Neuer Ausbilder der Steinwedeler Atemsachutzträger ist Stefan Ringel, der diese Aufgabe von Ralf Bühring übernommen hat. Als Kassenwart folgt Jörg Wehrmann auf Klaus-Herbert Scherf.
Es gab einen Austritt in der aktiven Abteilung und einen Austritt aus der Altersgruppe. Einschließlich ihrer 157 Förderer zählt die Ortsfeuerwehr Steinwedel jetzt 239 Mitglieder, darunter neun in der Jugend- und 21 in der Kinderfeuerwehr.
Fünf neue Mitglieder konnten aus der Jugendfeuerwehr in die 38 Aktive starke Einsatzabteilung übernommen werden: Jan Buhndorf, Adriano Frateriggo, Jonas Grosse, Arndt Lahmann und Silas Wehrmann.
Die Steinwedeler Feuerwehrleute sind auch in den Stadteinheiten ABC-Zug, Regionsfeuerwehrbereitschaft 4, Taucher, Stadtausbildung und Brandschutzerziehung aktiv. Ihre „Muckeltruppe" hält nicht nur das Feuerwehrhaus in Schuss, sondern überprüft auch die Hydranten im Dorf und hält die Sitzbänke in der Feldmark in Ordnung.
„Guckt man sich das Jahr 2015 von dieser Seite an, sind jeden zweiten Tag Feuerwehrleute aus unserem Dorf an Pflichtterminen unterwegs. Und das bei einer kleinen Ortsfeuerwehr mit Grundausstattung", sind Ortsbrandmeister Kai Böttcher und sein Stellvertreter Norbert Zilz zu Recht stolz auf ihre Aktiven.
Probehalber hatten sie einen Flüchtling aus Lehrte in der Wehr, der an einigen Diensten teilgenommen hat, nun aber Arbeit gefunden hat. „Außerdem hat die Feuerwehrunfallkasse für diesen Personenkreis noch keinen Versicherungsschutz zugeteilt. Leider konnten auch deswegen keine Schnupperdienste in der Stadtjugendfeuerwehr ermöglicht werden. Alle Jugendfeuerwehren der Stadtfeuerwehr wollten die Möglichkeit für Flüchtlingskinder bieten für gemeinsamen Schnupperdienste. Das ist zurzeit nicht möglich", berichtet Kai Böttcher.
Eine Werbeaktion für neue Mitglieder im November ist völlig gescheitert: „Wir haben in den Läden, Postwurfsendungen, Laternenumzügen und in persönlichen Gesprächen Werbung für unsere Arbeit gemacht und einen Infoabend für interessierte Steinwedeler angeboten. Es hatten rund ein Dutzend Mitbürger Interesse gezeigt. An dem Abend war keiner da", so der Ortsbrandmeister.
Dafür aber waren die Feuerwehrleute für das Gemeinschaftsleben aktiv, auch hier mit Zuwachs, etwa durch die erstmals von ihnen veranstaltete "Steinwedeler Waldweihnacht" und mit der Mitgliederwerbung nehmen sie in diesem Jahr einen neuen Anlauf.