Seit 1928 wird in Ypern - belgische Partnerstadt von Lehrte - täglich der Kriegstoten mit „The Last Post“ gedacht

„Yperner Straße“ statt „Am Rathaus“? In der belgischen Partnerstadt gibt es jetzt eine „Lehrter Straße“, aber in Lehrte passende Straßen für die fünf Partnerstädt zu finden ist schwer, sagt Bürgermeister Klaus Sidortschuk. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Jeden Abend wird in Ypern am Menentor mit „The Last Post“ und Kranzniederlegungen der gefallenen Soldaten aus dem ersten Weltkrieg gedacht. (Foto: Stadt Ypern)

Ein Beitrag von Susanna Veenhuis - Bürgermeister Klaus Sidortschuk zeigt sich beeindruckt von seinem ersten Besuch in der belgischen Partnerstadt

LEHRTE (sv). Die Städtefreundschaft zwischen Lehrte und der belgischen Stadt Ypern besteht schon seit ungefähr 40 Jahren, und im Lauf der Zeit hat es viele gegenseitige Besuche auf offizieller Seite wie auch zwischen Organisationen und Vereinen sowie Privatpersonen gegeben. Lehrtes Stadtoberhaupt Klaus Sidortschuk ist kürzlich mit einer sechsköpfigen Delegation nach Ypern gefahren - und kehrte tief beeindruckt von seinem ersten Trip in diese Partnerstadt zurück.
Ihren Feuerwehren verdanken die beiden Städte letztlich diese Freundschaft, die zwar keine offiziell eingetragene Partnerschaft ist, aber nichtsdestotrotz über die Jahre einen regen Austausch zwischen Lehrtern und Yperern ermöglichte. Folgerichtig war CDU-Ratsherr und ehemalige Stadtbrandmeister Erich Weber diesmal wieder in der Delegation dabei, der neben dem Bürgermeister auch Ulrike Giere (SPD), Christian Gailus (Grüne) und Dieter Münstermann (FDP) angehörten. Als erfahrener Ypern-Besucher war ebenfalls Ex-Kämmerer Olaf Nawrath mit von der Partie.
Außerordentlich beeindruckt zeigte sich der Lehrter Bürgermeister nicht nur von der streng protokollarischen Zeremonie des „Last Post“ zum Gedenken an die im ersten Weltkrieg Gefallenen, sondern auch von der Tatsache, dass diese seit 1928 jeden Abend am Menenpoort, einem zum Denkmal umgebauten Stadttor, vollzogen wird. Jeden Abend werden dort Kränze niedergelegt, und jeden Abend spielen vier Trompeter das gleichnamige Lied, und jeden Abend verfolgen sechs- bis achthundert Bürger und Touristen diese Zeremonie. Auch die Lehrter Delegation legte einen Kranz nieder.
Der Chairman der Zeremonie habe ihm diese Trompeter sogar persönlich vorgestellt, berichtete Sidortschuk. Von einem von ihnen habe er erfahren, dass er schon 86 ist und bereits seit 60 Jahren den „Last Post“ bläst. Mindestens bis Juni 2015 wolle er noch durchhalten, denn dann habe er diese Zeremonie 30.000 Mal absolviert, verriet er Sidortschuk.
Beeindruckt habe ihn auch die Tatsache, dass die wie kaum eine andere vom ersten Weltkrieg betroffene und bis auf ein Gebäude komplett zerstörte Stadt danach von ihren Einwohnern originalgetreu wieder so aufgebaut wurde, wie sie vorher war, sagte der Bürgermeister.
Beeindruckend fand er aber auch die modernen Entwicklungen wie beispielsweise die einer richtungweisenden Firma für Funkelektronik zur Erleichterung des Schiffsverkehrs und der Lotsendienste sowie die große und gut ausgestattete Bibliothek, die als PPP (Öffentlich-prtivates Partnerschafts-Projekt) in einer von zwei großen, leer stehenden Fabrikhallen mitten im Stadtzentrum konzipiert werden konnte. Die zweite Halle beherbergt eine Kunstakademie und eine Musikschule nebst großem Konzertsaal.
Das straffe Programm für den dreitägigen Aufenthalt barg noch viele weitere Attraktionen, unter anderem auch den Besuch einer kleinen Brauerei in den Kasematten unter dem Stadtwall.
Als Mitbringsel konnte er ein Straßenschild vorweisen, denn dort gibt es jetzt eine „Lehrtelaan“. Sidortschuk kann sich gut vorstellen, auch Lehrter Straßen mit den Namen der fünf Partnerstädte – außer Ypern sind das Trczianka in Polen, Mönteras in Schweden, Vanves in Frankreich und Staßfurt in der ehemaligen DDR - zu benennen, beteuerte er. „Aber welche? Das ist wirklich schwierig!“

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Foto: Susanna Veenhuis

BU privat 1:


BU privat 2:
An der täglichen Kranzniederlegung am Menentor in Ypern zu Ehren der Gefallenen aus dem ersten Weltkrieg beteiligte sich auch die Lehrter Delegation.

BU privat 3:
Im Gebiet um Ypern spielte sich während des ersten Weltkriegs ein langer, harter Stellungskrieg ab – zahlreiche Sodatenfriedhöfe zeugen noch heute davon.