Sechs zu Sechs: Zum Schluss der Dorffehde in Sievershausen waren alle glücklich

Bei allerlei lustigen Geschicklichkeitswettbewerben auf dem Sportplatz Sievershausen wurde die erbitterte Dorffehde fair ausgetragen - auf diesem Foto besser: angeschoben. (Foto: TSV Sievershausen)
 
Ortsbürgermeister (v.l.) Hans-Egon Seffers als Schirmherr mit seinen Kollegen "für einen Tag": In rot der so genannte Bürgermeister des Norddorfes, Ulrich Pröve, und in blau der Bürgermeister des Süddorfes, Walter Behrens. Der Riss in der Siegertafel symbolisiert nicht nur den jährlichen Zwist, sondern erstmals in der achtjährigen Geschichte der Dorffehde auch ein Patt. (Foto: TSV Sievershausen)

Hatte Sievershausens neue Pastorin ihren Segen zu gleich auf beide Dorfhälften verteilt?

LEHRTE/SIEVERSHAUSEN (r/kl). Lag es an der neuen Pastorin Hanna Dallmeier (die Bewohnerin des Norddorfes, aber natürlich auch für das Süddorf zuständig ist)? Zum ersten Mal endete die Sievershäuser Dorffehde „Norddorf gegen Süddorf“ sensationell unentschieden mit sechs zu sechs.
Traditionell begann die Dorffehde mit einem Freiluftgottesdienst im 16-Meter-Raum des Sievershäuser Sportplatzes am Schmiedeweg. Die inzwischen überaus bekannte Veranstaltung verzeichnete bereits am frühen Morgen einen neuen Rekord. Über 200 Gottesdienstbesucher stellen einen neuen Spitzenwert da.
Pastorin Hanna Dallmeier und Lektorin Maren Kühn versuchten unter dem Motto „Wann reißt der Himmel auf“, die Sievershäuser gütlich zu stimmen. Dies gelang auch für die Dauer des Gottesdienstes, länger aber auch nicht; denn der erste Punkt des dörflichen Wettstreits wird hier jährlich für die Dorfhälfte verteilt, die mit mehr Besuchern aus dem Norddorf (rote Kleidung) oder Süddorf (blaue Kleidung) verteilt wird.
Da die Sievershäuser Kirche im Norden liegt, ist dies eigentlich immer ein sicherer Punkt des Norddorfes. Beim Auszählen gab es in diesem Jahr eine große Überraschung. Das Süddorf hatte 116 Gottesdienstbesucher dabei, das Norddorf stellt lediglich 96 Besucher: Punkt fürs Norddorf.
Anschließend spielten Kinder, Jugendliche und Erwachsene Fußball gegeneinander. Nur die Süddorf-Erwachsenen konnten gewinnen. Ansonsten stellte der Norden die besseren Fußballer. In den spannenden Spielen musste allerdings zwei Mal das Elfmeterschießen herhalten. Neuer Spielstand: Zwei zu Zwei.
Immer mehr Besucher strömten auf die Sievershäuser Sportanlage. Pastorins Dallmeier Predigt schien gewirkt zu haben; denn der Himmel riss dauerhaft auf.
Dann begann das mit Spannung erwartete "Spiel ohne Grenzen". Die Organisatoren hatten sich lustige Spiele ausgedacht, die mit viel Gelächter und Beifall bedacht wurden. Die Kinder mussten beim Spiel „Fliegende Ohrreinigung“ Q-Tips mit einem Strohhalm in einen Eimer „schießen“, die von den Ortsbürgermeistern des Norddorfes Ulli Pröve und des Süddorfes Walter Behrens gehalten wurden. Auch hier gewann das Norddorf wie auch bei dem anschließenden Spiel „Müllentsorgung“. Spieler mussten in der blauen Papiertonne oder der O-Wertstofftonne durch einen Parcours gezogen werden. Zwischenstand: Vier zu zwei.
Viel zu Lachen gab es dann beim Promilleparcours. Der TSV-Bastler Jürgen „McGyver“ Viol hatte Brillen erfunden, mit denen die Spieler das Gefühl hatten, sie hätten einen ordentlichen Schwips. So torkelten sie um Fahnenstangen, warfen einen Ball weit an einem ganz nah stehenden Kübel vorbei oder sahen sich kaum in der Lage, einen Eimer über einen Ball zu stellen. Das Publikum tobte.
Der Süden hatte den Joker gesetzt und dies erfolgreich: Vier zu vier. Beim nächsten Spiel „Bierkutscher“, auf leeren Bierfässern balancieren, setzte dann auch die Sievershäuser Nordlichter erfolgreich den Joker. Die „Blauen“ hielten beim „Eier auslöffeln“ dagegen. Zwei Damen mussten Löffel durch die Hosenbeine von fünf auf einer Bank stehenden Herren von unten nach oben führen. Die Süddorfdamen waren geschickter. Einige der teilnehmenden Herren blieben allerdings verstört und irritiert zurück. Spielstand sechs zu fünf für den Norden.
Beim nächsten Spiel „Stolperfußball“ wurden wieder die Promillebrillen herausgeholt. Zunächst mussten die Spieler ein Neunmeterschießen durchführen. Gar nicht so einfach, wenn man nicht einschätzen kann, wo der Ball liegt. Beim anschließenden Spiel schlugen sich die zahlreichen Besucher vor Lachen auf die Schenkel. Luftlöcher wurden getreten, eine Slapstickeinlage folgte der nächsten und Zusammenstöße der Spieler waren unvermeidbar.
Die Moderatoren Stefan Kaiser und Jörg Schwieger fühlten sich an manch sonntägliche Auftritte der TSV-Kicker erinnert. Wie dem auch sei, 10 Sekunden vor Spielende glich das Süddorf viel umjubelt aus. Beide Teams einigten sich auf ein Neunmeterschießen, dass durch die Damen der Dorfhälften ausgeführt werden sollte. Doch dann verlor Pastorin Dallmeiers Gottesdienst die Wirkung und der Himmel öffnete die Schleusen. Nach einer kurzen Unterbrechung schossen die Damen dann im strömenden Regen mit Promillebrille ihre Neunmeter. Die Süddörflerinnen waren zielsicherer und glichen im Gesamtstand zum sechs zu sechs aus.
Da der Regenschauer kein Ende nehmen wollte, einigten sich beide Dorfhälften, die Dorffehde zu beenden und so kam es zum ersten Unentschieden bei der Dorffehde Norddorf gegen Süddorf. Wenn da man nicht auch Pastorin Hanna Dallmeier ihre Kontakte hat spielen lassen. Wie dem auch sei: Sievershausens Ortsbürgermeister Hans-Egon Seffers übergab an beiden Dorfhälftebürgermeistern unter großem Jubel die Ehrentafel. Von dem Regen ließen sich die Sievershäuser ihre Dorffehde nicht vermiesen und sie feierten noch lange und gemeinsam. Und schließlich riss dann auch doch noch wieder der Himmel auf.