„Runder Tisch Armut“ in Lehrte greift nach langer Pause wieder Probleme auf

Jürgen Witzmann (von rechts) als Vorsitzender des Präventionsrates, die städtische Gleichstellungsbeauftragte Annette Wiede (2.v.re.) und Teilnehmer am „Runden Tisch“ diskutieren über Ursachen und Möglichkeiten zur Bekämpfung von Armut. (Foto: Horst-Dieter Brand)

Ein Beitrag von Horst-Dieter Brand - Vorsitzender Witzmann: „Engagierte Leute treffen sich und reden miteinander“

LEHRTE (hdb). Nicht wenige Kinder werden ohne (gesundes) Frühstück in die Schule geschickt. Alleinerziehende erzielen oftmals ein Einkommen am Existenzminimum, Sprachbarrieren erschweren Migranten das Ausfüllen von Formularen: Der „Runde Tisch Armut“ will an vielen kleinen Stellschrauben drehen, um Missstände zu beheben. Ein nächster Schwerpunkt wird die Altersarmut sein.
Beim zweiten Treffen nach einjähriger Pause diskutierten die ehrenamtlichen Teilnehmer über unterschiedliche Hilfsmöglichkeiten und ein Frühstücksangebot für Grundschüler. In etwa sechs Monaten soll der nächste „Runde Tisch“ einberufen werde. Dann stehen Themen wie die Altersarmut, aber auch das Projekt „Sozialfonds Ahlten“ auf der Tagesordnung.
Der „Runde Tisch Armut“ ist ein Arbeitskreis des vor neun Jahren gebildeten Präventionsrates. Erstmals tagten die ehrenamtlichen Mitglieder im März 2012. Damals war der Sitzungssaal im Rathaus noch zu klein, um allen Interessierten Platz bieten zu können. Deshalb hatte man sich für das jüngste Treffen den Saal der Markus-Kirchengemeinde ausgesucht. Diesmal kam aber nach Einschätzung des Vorsitzenden Jürgen Witzmann nur knapp die Hälfte der Premierengäste.
Die Vertreter kirchlicher und sozialer Organisationen, gewerkschaftlicher und kommunalpolitischer Gruppen, Kindergarten- und Schulleitungen erörterten die Erstellung und Herausgabe eines „Wegweisers“ mit Adressen aller lokalen Hilfseinrichtungen. Auch Angebote zur Unterstützung beim Ausfüllen von Anträgen und Formularen thematisierten die knapp 20 Teilnehmer. In einer mehrsprachig verfassten Liste sollen etwaige Ansprechpartner zusammengefasst werden.
Vereinzelt kümmern sich Hilfsorganisationen bereits um Grundschulkinder, die ohne Frühstück in den Unterricht kommen. Die Vertreterin des Lehrter Tisches berichtete von positiven Erfahrungen in der Grundschule an der Masch. Auch an der IGS Hämelerwald besteht bereits jahrgangsübergreifend entsprechende Unterstützung. Diese Modelle sollen demnächst allen Schulleitungen - auch in den Ortsteilen, wie Witzmann betonte – vorgestellt werden. Danach könne dann „die Politik eingreifen“, meinte der Vorsitzende.
Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Annette Wiede stellte das vor vier Jahren ins Leben gerufene Netzwerk „Alleinerziehende in Lehrte“ vor. Sie räumte ein, das gemeinsam mit der Nachbarkommune Sehnde betriebene Netzwerk sei „noch nicht viel in Erscheinung getreten“. Immerhin ist auf der Grundlage bisheriger Erfahrungen eine Informationsmappe entstanden, die in einschlägigen Anlaufstellen erhältlich ist.
Nach der Veranstaltung fasste Witzmann das Ergebnis so zusammen: „Wir sind in kleinen Schritten weitergekommen. An diesem runden Tisch treffen sich engagierte Leute, die über die Probleme reden und gemeinsam daran arbeiten.“ Witzmann dankte ausdrücklich Sozialdezernent Uwe Bee für seine Teilnahme.