Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Pastor Andreas Anke ist Pastor in der evangelisch-lutherischen Markusgemeinde in Lehrte. (Foto: Kirchenkreis Burgdorf)

Bejubelt und Fallengelassen . . .

Von Pastor Andreas Anke, Lehrte

Ein großer Empfang: Jesus zieht in Jerusalem ein. Die Menschen stehen am Straßenrand. Sie jubeln ihm zu, winken mit Palmzweigen und rufen: „Hosianna, gelobt sei, der da kommt, im Namen des Herrn!“
Sie sind alle auf seiner Seite, sie sind für ihn, sind begeistert und hingerissen. Doch er reitet auf einem Esel. Dem Lasttier der armen Leute. Er kommt für die, die nach Entlastung suchen und an ihrer sozialen Not, ihrer Zurücksetzung, ihrer Nichtbeachtung leiden. Nicht auf einem Pferd, denn er ist anders als andere Mächtige.
Sie heißen ihn willkommen. Erfüllt sehen die Menschen in ihm ihre tiefe Sehnsucht. Jesus ist für sie der Friedensbringer, der Befreier von den unterdrückenden Römern. Hochgejubelt und hochgelobt. Es erinnert an Bilder von manchen Filmschauspielern, erfolgreichen Sportlern, berühmten Sängern und Models, populären Medienstars, Politikern.
Doch Erfolg und Bewunderung tragen oft nicht lange. Wie schnell ist eine bedeutende Tennisspielerin unbeachtet, weil sie verliert und keine Siege erringt. Wie geht es dem Fußballclub, dem keine Siege gelingen wollen? Wie schnell sind beliebte Lieder in unserer schnelllebigen Zeit vergessen?
Sehr brüchig sind Ruhm und Anerkennung. Zuneigung und Begeisterung tragen nicht.
„Kreuzige ihn, kreuzige ihn.“ Ein paar Tage später wird Jesus von denselben Menschen ein anderes Schreien hören. Erst hochgejubelt und bewundert, dann kurze Zeit später werden es dieselben sein, die ihn niederschreien und fallen lassen, weil er ihre Erwartungen nicht erfüllt und sie enttäuscht.
Welche Wandlung, welcher Kontrast, welcher Widerspruch. Bejubelt und fallengelassen. Aufstieg und Fall. Anerkennung und Ohnmacht.
Und doch ist er für alle da, die Hilfe ersehnen. Der die Hand reicht, auch wenn jemand Schuld auf sich geladen hat. Der in einem Leben weckt, auch wenn der sich selber wie tot fühlt. Der einem aufhilft, auch wenn der für sich keine Hoffnung mehr sieht.
Denn am Ende dieser Woche bricht hinter dem Dunkel des Kreuzes von Karfreitag die Sonne des Ostermorgens hervor. „Hosianna, gelobt sei, der da kommt, im Namen des Herrn!“