Rubrik "Glaubenssache" im MARKTSPIEGEL:

Susanne Paul ist Pastorin an der ev.-luth. Martin-Luther-Kirchengemeinde Ehlershausen-Ramlingen-Otze. (Foto: Kirchenkreis Burgdorf)

Bedingungsloses Angenommensein, in das ich mich fallen lassen kann . . .

Von Pastorin Susanne Paul

„Dass Gott mich liebt, so wie ich bin, das finde ich gut!“ sagte die Jugendliche bei der Gottesdienstvorbereitung. Ich kann das gut verstehen. Die Maßstäbe, die wir selbst und andere an uns legen, werden immer anspruchsvoller: jung und erfahren, schlank und weiblich, emotional und männlich, erfolgreich in Beruf und Familie …. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. Da ist die Sehnsucht, angenommen zu sein, so wie ich bin, groß: mit all dem, was ich an mir unvollkommen und schwierig finde. Und genau das klingt ja an in Gottes Ja zu mir: dieses bedingungslose Angenommensein, in das ich mich fallen lassen kann.
Interessant wird es, wenn ich mir klarmache, dass diese Zusage auch meinem Gegenüber gilt, auch denen, die ich schräg und schwierig und komisch finde. Da wird eine Zusage, die sich eigentlich ganz komfortabel anhört, zur Zumutung. Da, wo ich mich einrichten will, komme ich auf einmal in Bewegung, muss vertraute Wege verlassen.
Es wohnen von Gott angenommene Menschen in meiner Nachbarschaft im Container. Das verändert meinen Blick. Andere Lebensentwürfe können dann nicht einfach lästernd verworfen werden, sondern verdienen Achtung und Respekt. „Die Anderen“ sind auf einmal nicht mehr Projektionsfläche, um mein „Wir“ zu bilden, sondern gehören dazu.
Und genau so ist es für mich: In Gottes Liebe kann ich mich fallen lassen und gleichzeitig richtet sie mich auf, damit ich im Gesicht der anderen diese Liebe auch entdecke. Das würde ich gerne zusammen mit Ihnen ausprobieren!