Rubrik "Glaubenssache": Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet . . .

Annette Charbonnier ist Pastorin an der St.-Paulus-Gemeinde Burgdorf. (Foto: KK Burgdorf)

Von Pastorin Annette Charbonnier, Burgdorf

Der kleine Junge weint, er hat sich das Knie aufgeschlagen. Seine Mutter nimmt ihn auf den Schoß: „Komm her, ich bin doch da“, flüstert sie ihm zu. Gemeinsam schauen sie auf die Wunde. „Wirst sehen, bald ist alles wieder gut“. Nach ein paar tiefen Schluchzern macht sich der Junge wieder auf den Weg.
Ein Bild des Tröstens– wie gut, wenn das gelingt, auch noch später im Leben, wenn die Wunden nachhaltiger sind als ein aufgeschürftes Knie.
Manchmal werde ich das als Pastorin gefragt: „Wie machen Sie das eigentlich, Menschen zu trösten?“ Tja, frage ich mich, kann man Trost „machen“? Nein, das glaube ich nicht.
Es gibt ja keine Worte und Gesten, die sicher Trost erzeugen würden: Manchmal bewirken tröstlich gemeinte Sätze wie: „Das wird schon wieder“ genau das Gegenteil. Der andere fühlt sich in seinem Schmerz nicht ernst genommen. Vielleicht wäre gemeinsames Schweigen tröstlicher gewesen.
Dass Trösten gelingt, millionenfach am Tag überall auf der Welt, ist für mich eines der großen Alltagswunder – und zum Glück nicht allein Müttern vorbehalten.
„Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Dieser Satz aus der Bibel aus dem Buch des Propheten Jesaja ist die Jahreslosung der christlichen Kirchen für das Jahr 2016.
Er zeigt Gott von seiner „mütterlichen“ Seite - und ruft in mir das oben beschriebenen Bild wach: Gott ist da, lässt den Schmerz gelten, so lange, wie es eben braucht und gibt mir die Gewissheit: Es wird gut werden – auch im Jahr 2016 mit all seinen Herausforderungen.