Retten wir den Sonntag!

Spricht sich für die Rettung des freien Sonntags aus: Landessuperintendentin Petra Bahr (Foto: privat)

Gedanken zum Wochenende von Landessuperintendentin Petra Bahr

Die Mehrheit der Deutschen will sonntags einkaufen, ist immer mal wieder in Studien zu lesen. Die Ladenöffnungszeiten seien von gestern. Online-Portale hätten schließlich immer geöffnet. Man muss das nicht schmallippig und mit großer kulturkritischer Geste kommentieren. Einkaufen ist längst mehr als die Besorgung von Lebensnotwendigem. Shoppen ist ein Freizeitvergnügen geworden: Erlebnis mit Hintergrundmusik und Ergebnis in Tüten.
Trotzdem wundere ich mich. Denn die Mehrheit der Deutschen will am Sonntag auch schöne Dinge tun. Nein, ich meine nicht nur den Gottesdienst, obwohl so ein Perspektivwechsel für eine Stunde dem Leben Kraft und Tiefe gibt. Was wird aus dem Sonntagbolzen mit Freunden? Es wird schwierig, elf Freunde zusammenzukriegen. Wenn die Läden dann geöffnet sind, warum nicht auch die Behörden? Ist doch viel entspannter, wenn die Reisepässe für die Familie am Sonntag beantragt werden können. Warum sind die Kindergärten geschlossen? Wer schon einmal nörgelnde 5-jährige durch einen Kaufhof gezogen hat, weiß, was ich meine. Sonntags entspannt zur Zahnreinigung statt dienstags nach der Arbeit? Das finden Sie total überzogen? Ist es! Ich versuche nur in Konsequenzen zu denken, sozusagen in deutscher Gründlichkeit. Die Frage, die die Marktforschungsinstitute nicht interessiert, ist doch: Was bleibt vom Sonntag übrig? Was fehlt, wenn der gemeinsame Rhythmus der Gesellschaft, das Luftholen für alle, zu einer Angelegenheit der Einzelnen wird? Retten wir den Sonntag!